12.11.2013

Ein Plädoyer für das Stadionbier

Oder ich fall um!

Seite 2/3: Die unterschiedlichsten Trinkertypen
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imago

Wobei nicht vergessen werden sollte, dass die weitaus größeren Alkoholmengen ohnehin schon vor dem Stadionbesuch eingenommen werden. In den Reisebussen der Auswärtsfans wird ab ZOB gelitert, was das Zeug hält, schon um die Querung deprimierender Landstriche wie Ostwestfalen-Lippe, Rheinische Bucht oder Hunsrück ohne seelischen Schaden zu ertragen. Um dem wilden Gebecher einen geselligen Anstrich zu geben, werden in den Bussen gerne Trinkspiele veranstaltet. Womöglich ist auch noch jenes Spiel en vogue, das sich Anfang der neunziger Jahre großer Beliebtheit erfreute und »Stille Bier-Post« genannt wurde. Einer in den vorderen Reihen nahm ostentativ einen großen Schluck Bier, der dann von Mund zu Mund durch die Reihen weitergegeben wurde. Ein kulinarisches Vergnügen insbesondere dann, wenn die Hälfte der Busbesatzung zuvor beim Halt auf dem Rastplatz kräftig an der Fischtheke zugegriffen hatte. Vom Pfand der in den Bussen vor den Stadien zurückgelassenen Bierflaschen ließe sich jedenfalls auf einen Schlag der Bundeshaushalt sanieren.

Unterdessen sorgen auch die Heimfans schon vor Betreten des Stadions für die alkoholische Grundversorgung. Was vor allem daran liegt, dass in vielen Stadien das Bier in der denkbar deprimierendsten Form gereicht wird. Als habe man einen Tankdeckel geöffnet, wird der Gerstensaft mit einer schnöden Zapfpistole in einen Plastikbecher geschossen. Ein gutes Pils braucht sieben Minuten, sagt der Westfale. Ein schales Pils braucht sieben Sekunden, sagt Aramark. Besser schmeckt das Bier auch nicht dadurch, dass der Plastikhumpen in der Regel mit einem längst an einen Zweitligisten ausgeliehenen Ersatzspieler bedruckt ist und dass bis zur Rückgabe Pfand in Höhe eines halben Monatslohns einbehalten wird. Dann doch lieber die Bierbüchse von der Bude, die den Fan sowohl die Anfahrt in der völlig überfüllten U-Bahn gemeinsam mit einer Horde strammer Rechtsausleger als auch die Leibesvisitation am Stadioneingang überstehen lässt, an deren Ende stets mit triumphierendem Blick ein Feuerzeug aus der Jackentasche gezogen und stolz den Kollegen gezeigt wird.

Volltrunken durch Alkoholfreies

Im Stadion gibt es natürlich ganz unterschiedliche Trinkertypen. Und nicht wenige davon haben den Ruf der Spezies ziemlich ruiniert. Rätselhaft etwa jene Anhänger...

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