Ein Plädoyer für das alte DFB-Auswärtstrikot

Grün im Glanze

Die deutschen Fans wollen das grüne Deutschlandtrikot wieder. 11FREUNDE schließt sich an. Aus nicht transparenten Gründen vor einigen Jahren eingemottet, muss das legendäre Ausweichjersey nun ein Comeback feiern! Ein Plädoyer für das alte DFB-Auswärtstrikot Wir saßen dicht gedrängt im Keller des Ferienhauses. Hier war der Fernseher aufgebaut und auch sonst alles gerichtet für einen großen Fußballabend. Schnittchen, Chips, Bier für die Erwachsenen und Cola für uns Kleine. Deutschland gegen England, das ewige Duell, das diesmal über die Finalteilnahme bei der Weltmeisterschaft entschied.

Deutschland gegen England, das hieß an jenem heißen Juliabend vor 19 Jahren: Grün gegen Weiß. Der Schiedsrichter trug Schwarz, die Welt war damals aus der Perspektive eines Siebenjährigen nicht nur farblich noch in bester Ordnung.

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Schon Netzer lief in Grünweiß auf

Wenn es darauf ankam, trug Deutschland statt dem klassischen Weißschwarz das besondere Grünweiß. Das war immer so gewesen, wie sich auch die jungen Fans mit Blicken in alte, von Harry Valerien herausgegebene Bildbände vergewissern konnten. Schon in den Siebzigern waren Beckenbauer, Hoeneß und Netzer in lindgrünen Jerseys aufgelaufen. Wann immer es im Laufe von großen Turnieren ernst wurde, holte man die Hoffnungs-Jerseys aus dem Schrank.

Doch dann musterte der DFB die grasfarbenen Leibchen aus. Ganz plötzlich und ohne Vorwarnung. An ihrer Statt wurde man mit flammendroten, signalgefärbten Trikots konfrontiert. Grell, neu, unpassend. Wir waren doch weder Belgien noch England! Zu Beginn der Ära Klinsmann fand dieser Stilbruch statt, mit dem der Aufbruch in ein neues Fußballzeitalter auch visuell symbolisiert werden sollte.

Eine Symbolik, die nur ersonnen worden sein kann von einem fachfremden Psychologie-Crack oder Werber. Und wenn man sich als deutscher Fußballfan auch das allermeiste, das vor dieser revolutionären Epoche Usus war (Ribbeck, Rink, Rumpeln), nicht in den maochistischsten Albträumen zurückgewünscht hätte, sorgte und sorgt doch diese eine Maßnahme bis heute für Verstimmung unter der Anhängerschaft.

Die Fans wählen Grün

55 Prozent von knapp 800 Befragten wollen Ballack, Klose und Co. im kommenden Sommer wenn nicht in blütenreinem Weiß, dann bitteschön in Rasengrün auflaufen sehen. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage des Blogs captain-trikot.de. »Deutschland in Grün hat eine Geschichte, Deutschland in Rot ist höchstens eine Marketingmaßnahme«, sagt der Initiator der Befragung und Blogbetreiber Sascha Theisen.

Rational ist diese unverrückbare Nostalgie nicht begründbar, Grün ist in den deutschen Landesfarben nicht vertreten, allenfalls im DFB-Wappen, doch das interessiert nun wirklich keinen Fan. Fußballbegeisterung ist, das weiß jeder Steppke spätestens nach dem ersten Kurvenbesuch, darüber hinaus von Vernunft und Verstand ungefähr so weit entfernt wie Rot von Grün auf der Farbskala. Besonders kleidsam waren die zwischen Mint und Gift changierenden Töne der deutschen Elf ebenfalls nie, wobei jedoch ästhetisch-modische Beweggründe grundsätzlich zu vernachlässigen sind.

Konservativer Aberglaube

Nein, die Sehnsucht des deutschen Anhangs nach der Wiederkehr der Grünbekleideten liegt – zurecht, wie umgehend betont werden muss – in einer Mischung aus Konservatismus und Aberglauben begründet. Ersterer findet sich zwangsläufig im Fußball wieder, nicht nur in nationalen Fragen, sondern auch in jedem Vereinsblock – schließlich liegen bei so ziemlich allen Klubs außer dem FC Bayern die glorreichen Tage in mehr oder minder ferner Vergangenheit. Die Blickrichtung ist deshalb von Natur aus die Retrospektive.

Zweitgenanntes Phänomen durchdringt das Bewusstsein aller wahren Fans, die für die kleinsten Kleinigkeiten sensibilisiert sind. Zufällig bei schlecht verlaufenden Spielen anwesende, vereinsfremde Personen werden mit einem lebenslangen Bannstrahl belegt, am Spieltag wird sich nicht rasiert, beginnt die eigene Mannschaft von links nach rechts, kann von vorneherein nichts schiefgehen. Das Leben von Fans und auch Spielern (Metzes Bart, Prägers Groschen, Kiralys Hose) ist ein einziger Aberglaube.

Gebt uns die alten Farben wieder!

Von da an ist die Rechnung ganz einfach: Wie viele Titel hat Deutschland seit Abschaffung der grünen Trikots gewonnen? Keinen einzigen. Wie viele legendäre Spiele haben die Bundesadler in feschem Grün absolviert? Unzählige! Also gebt uns verdammt noch mal die alten Farben wieder!

Grün war und ist für die deutsche Nationalelf die Hoffnung. Die berechtigte Hoffnung, dass England in Wembley schlagbar ist; die erfüllte Hoffnung, dass man dem besten Torhüter der Welt vier Tore einschenken kann; die vergebliche Hoffnung, dass sich menschliche Willenskraft allein gegen göttliches Genie durchsetzen kann; die sichere Hoffnung, dass England auch nach 120 Minuten zu bezwingen ist.

In Grün gewandet dribbelte Netzer sich durch die englischen Reihen, in Grün überwanden die deutschen Kicker den schwedischen Torwartgott Hellström, in Grün nahm Briegel Burruchaga auf fünfzig Metern zwanzig ab (und doch zwei zu wenig), in Grün zielte Thon vom Punkt goldrichtig.

1972, 1974, 1986, 1990. Vier Mal grüne Legende.

Vier gute Gründe, die roten Leibchen einzumotten.

Allen Freunden der textilverhafteten Nostalgie empfehlen wir die wunderschöne Homepage www.captain-trikot.de

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