06.01.2014

Ein Nachruf auf Eusébio

Der Panther

Seite 2/3: Das Über-Talent
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imago

Béla Guttmann hat daran seinen Anteil. Nachdem er sich persönlich vom Ausnahmetalent Eusébios überzeugt hatte, setzte er sich mit dessen Mutter Elisa an einen Tisch und handelte einen Vertrag aus. Wenig später saß der junge Fußballer auch schon in einem Flugzeug Richtung Lissabon. Fünf Monate lang versteckte ihn Benfica in einem kleinen Fischerdorf an der Algarve, ehe ein Gericht die Rechtmäßigkeit seines Vertrages mit Benfica bestätigte. Denn Eusébios Klub in Mosambik war ein Ableger von Benficas Konkurrent Sporting, der damit qua Vertrag das Vorkaufsrecht auf den Stürmer gehabt hätte. Selbstverständlich hat Sporting das dem großen Benfica bis heute nicht vergeben.

100 Meter in 11 Sekunden – mit 16

Eusébio war ja auch nicht irgendwer. Er war das größte Talent seiner Zeit. Ein Athlet, der die 100 Meter schon mit 16 Jahren in 11 Sekunden rennen konnte. Drahtig, muskulös, ballsicher, extrem schussstark. Und einer jener Menschen, die der liebe Gott schon im Mutterleib mit mehr Talent beglückte, als es handelsübliche Zweitligamannschaften der Gegenwart in der Summe aufzuweisen haben.

Im Juni 1961 gab Eusébio sein Debüt für Benfica und erzielte einen Hattrick. Zwei Wochen später wurde er bei einem Freundschaftsspiel gegen Pelés FC Santos beim Stand von 0:4 eingewechselt, 20 Minuten vor dem Schlusspfiff. Eusébio schoss drei Tore, und Pelé fragte auf dem Weg in die Kabinen seinen Gegenspieler: »Wer zum Teufel ist der Kerl?« Wiederum nur ein Jahr später traf Benficas Angreifer zweimal im Europapokal-Finale gegen Real Madrid. Benfica gewann mit 5:3. Eusébio spielte so unglaublich dominant, dass eine niederländische Zeitung den Stürmer anschließend mit wilden Dopinggerüchten konfrontierte. Auf den Schultern der begeisterten Zuschauer wurde der 20-Jährige vom Platz getragen. Schuhe, Stutzen und Trikot rissen ihm die Fans vom Leib, lediglich Attacken auf seine Hose wehrte Eusébio heldenhaft ab. Nicht weil ihn die vollständige Entkleidung gestört hätte, aber »in meiner Hose musste ich etwas Wertvolles festhalten. Nicht, was du denkst, Franz!«, verriet Eusébio 1986 seinem deutschen Besucher, »Etwas viel Wichtigeres: Di Stefano hatte mir nach dem Schlusspfiff sein Trikot geschenkt. Und ich stopfte mir die Trophäe in meine Hose.« In diesem Jahr wählten ihn die Journalisten hinter Josef Masopust zum zweitbesten Fußballer Europas. Der Beginn einer Weltkarriere.

>>>> Eusébios Karriere in der Bildergalerie

 
 
 
 
 
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