Ein Lothar Matthäus denkt an Klinsi

»Wir sind keine Freunde«

Lothar Matthäus hat 150 Länderspiele bestritten – eine atemberaubende Zahl. Und doch hätten es mehr sein können, wenn sich Berti Vogts und Jürgen Klinsmann nicht gegen ihn verschworen hätten. Die Wut darüber prägt Matthäus bis heute. Ein Lothar Matthäus denkt an Klinsi

Die Antworten kommen wie aus der Pistole geschossen. In Sachen Länderspiel-Karriere hat Lothar Matthäus keine Gedächtnislücken. »Ich kann mich an jedes meiner Länderspiele gut erinnern«, sagt der deutsche Rekord-Nationalspieler. Und das sind immerhin 150 in der Zeit vom 14. Juni 1980 bis zum 20. Juni 2000.

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»Das erste Länderspiel war natürlich etwas ganz Besonderes. Da ist für mich ein Traum in Erfüllung gegangen. Ich war damals der jüngste deutsche Nationalspieler beim Turnier, auch wenn ich bei der EM nur einen Kurzeinsatz bekommen habe. Ich habe es gegen die Niederlande aber noch einmal spannend gemacht, als ich einen unberechtigten Elfmeter gegen Johnny Repp verursacht habe«, denkt er an das 3:2 gegen die Niederlande zurück, als ihn der damalige Bundestrainer Jupp Derwall ins kalte Wasser warf. Am Ende durfte er sich mit gerade mal 19 Jahren als Europameister feiern lassen.

»Man kann sich im Leben nicht immer alles aussuchen«

20 Jahre später war die Stimmung bei Matthäus dagegen gedrückt. »An mein letztes Länderspiel habe ich natürlich nicht so gute Erinnerungen, schließlich sind wir in der Vorrunde der EM 2000 gegen Portugal aus dem Turnier ausgeschieden. Ich hätte meine Karriere gerne mit einem Sieg beendet, aber man kann sich im Leben nicht immer alles aussuchen«, sagt der heute 47-Jährige, der nach dem Turnier mitverantwortlich für die Demontage des zu dieser Zeit amtierenden Teamchefs Erich Ribbeck gemacht wurde. Genau zwischen diesen beiden Kapiteln lag der Höhepunkt von Matthäus in seiner Länderspielgeschichte mit dem WM-Triumph 1990 in Italien, zu dem er maßgeblich als Kapitän unter dem damaligen Teamchef Franz Beckenbauer beigetragen hatte. Vor allem mit seinen beiden Treffern im Auftaktspiel gegen Jugoslawien (4:1) bestimmte er den Kurs.»Das war wohl das beste Spiel meiner Karriere«, meint der gelernte Raumaustatter rückblickend. Die anschließenden Auszeichnungen zum Weltfußballer und Europas Fußballer des Jahres verdeutlichten den Stellenwert von Matthäus zu dieser Zeit.

Aber in der Nationalelf lief es nicht immer rund für Matthäus, der mit 25-WM-Spielen und 5 WM-Teilnahmen (gemeinsam mit dem Mexikaner Antonio Carbajal) weitere Rekorde hält. »Ich hatte Pech, dass mich Berti Vogts aus mysteriösen Gründen 3 Jahre nicht berücksichtigt hat. Er hat mir drei Jahre geraubt. Sonst wäre ich auf 180 oder mehr Länderspiele gekommen, dann wäre es vielleicht ein Rekord für die Ewigkeit gewesen«, hadert er immer noch mit dem früheren Bundestrainer, der ihn aus dem Kader für die EM 1996 verbannte, nachdem Matthäus zuvor Vogts und auch den späteren Bundestrainer Jürgen Klinsmann öffentlich kritisiert hatte.

»...dann kann Jürgen nicht mit sich im Reinen sein«

So richtig verziehen hat Matthäus seinem damaligen Intimfeind Klinsmann, der Vogts angeblich zur Ausbootung geraten hatte, auch heute noch nicht.»Ich bin kein nachtragender Mensch. Wir gehen uns nicht aus dem Weg, aber wir sind auch keine Freunde. Wenn sich Jürgen aber hinterfragt, was damals nicht in Ordnung war, dann kann er mit sich nicht im Reinen sein.« Das Verhältnis zu Vogts hat sich immerhin normalisiert, wenngleich ein bitterer Nachgeschmack geblieben ist.» Ich bin stolz, dass ich 20 Jahre Nationalmannschaft auf Top-Niveau gespielt habe. Es wäre aber schön gewesen, wenn die Zeit Vogts nicht gewesen wäre. Das Verhältnis hat sich normalisiert, schließlich hat Vogts seinen Fehler vor der WM 1998 korrigiert. Dennoch muss er sich fragen lassen, warum er zwei Jahre zuvor nach einem Gespräch mit dem zukünftigen Bayern-Trainer so entschieden hat«, berichtet Matthäus, bei dem immmer noch eine gewisse Verbitterung herauszuhören ist.

Der Stolz, trotz dieser unfreiwilligen Auszeit und zwölf teilweise schwereren Verletzungen, 20 Jahre das DFB-Trikot getragen zu haben, überwiegt aber eindeutig - ebenso die Tatsache, neben Fußball-Größen wie dem verstorbenen Fritz Walter, Uwe Seeler und Franz Beckenbauer dem erlauchten Kreis der DFB-Ehrenspielführer anzugehören: »Ehrenspielführer ist eine große Auszeichnung. Ich denke aber, dass ich wie Beckenbauer, Seeler und Walter den deutschen Fußball weltweit sehr gut präsentiert habe, sowohl mit der Mannschaft als auch als Person.«


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