Ein Loblied auf Maik Franz

Rodman revisited

Natürlich bieten Spieler wie Diego, Ribéry, van der Vaart oder Marcelinho höchste Fußballkunst. Doch wahre Fans stehen auf die eigentliche Attraktion der Liga - Karlsruhes »Bad Boy« Maik Franz. Ein Kommentar von Jürgen Schmieder. Ein Loblied auf Maik FranzImago Es gab in den neunziger Jahren einen Basketballspieler in der NBA, der wollte keine Punkte erzielen - obwohl genau das doch der Sinn dieses Sports ist. »I don't want to score«, schrieb er in überdimensionalen Lettern in seiner Autobiografie. »I do the dirty work that nobody wants to do« - »Ich erledige die Drecksarbeit, die sonst keiner machen will.«

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Dennis Rodman war ein »Bad Boy«, ein schlimmer Bube, mit dem nicht einmal Mannschaftskollege Scottie Pippen sprechen wollte. Nein, einen Beliebtheitscontest hat Dennis Rodman nie gewonnen - dafür aber fünf NBA-Titel, nur einen weniger als Michael Jordan, der nachweislich beste Spieler aller Zeiten.

Rodman wurde für seine dreckige Spielweise - er hielt, zog, beleidigte, trat, kopfnusste, schlug, raufte - nicht geliebt, aber respektiert. Er stelle sich in den Dienst seiner Mannschaft und ordne alles dem Erfolg unter, schrieb Sports Illustrated, und dafür gebühre ihm Respekt. Er sei kein eitler Fatzke, der gerne spektakuläre Dinge mache, um ins Fernsehen zu kommen. Er wolle Spiele gewinnen und Titel.

Es ginge zu weit, den Karlsruher Abwehrspieler Maik Franz mit dem Basketballspieler Dennis Rodman zu vergleichen - und doch tun sich gerade in den vergangenen Wochen erstaunliche Parallelen auf. Man darf Maik Franz nicht vergleichen mit dem Haudraufundschluss des FC Bayern, Mark van Bommel. Der Holländer treibt seine Mannschaft mit martialischen Gesten, brutalen Grätschen und wilder Brüllerei nach vorne. Franz geht da subtiler beziehungsweise hinterhältiger vor.
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Er tritt Gegenspielern auf die Füße, kneift sie in die Hüfte, kickt sie in die Hacken - meist dann, wenn Schiedsrichter und Fernsehkameras den Zaubertrick eines anderen Spielers bewundern. Er rempelt, schubst, zwickt. Blutgrätschen und böse Tritte sind seine Sache nicht, sondern die kleinen schmutzigen Fouls, die den Gegner ausrasten lassen. Die revanchieren sich dann bei Franz und erhalten gelbe und rote Karten. Das war bei Rodman ähnlich - 1996 trieb Rodman im NBA-Finale seinen Gegner Frank Brickowski in den Wahnsinn. Rodman foulte - und Brickowski wurde vom Platz gestellt. Franz' Statistik: Nur sechs gelbe Karten, kein Platzverweis.

Denn, und das ist das Charakteristikum an Franz' Weise, Fußball zu spielen, er versucht, in die Psyche seiner Gegenspieler vorzudringen. Seine Fouls tun körperlich nicht weh, sie gehen nur tierisch auf die Nerven. Seine Gegenspieler kommen nicht zurecht mit den Nicklichkeiten, provozierenden Gesten und Beleidigungen, die da Spielminute für Spielminute auf sie niederprasseln.

»Ich denke jeden Tag beim Rasieren an Rodman«, sagte Scottie Pippen einmal. Genauso denken Spieler wie Mario Gomez, Ioannis Amanatidis und Markus Weissenberger über Franz, anstatt sich auf das eigene Spiel zu konzentrieren. Am Samstag wurden Amanatidis und Weissenberger verwarnt und ausgewechselt, Franz blieb ohne gelbe Karte 90 Minuten auf dem Platz.

Man kann von der Spielweise des Karlsruhers halten, was man will. Man kann sie schmutzig finden, hinterhältig oder gar abstoßend. Man muss jedoch anerkennen, dass seine Gegenspieler nicht mit Psychotricks zurechtkommen und Franz genau deshalb erfolgreich ist. Fußballerisch bewegt er sich nämlich auf - positiv gesprochen - unterdurchschnittlichem Niveau. Allein seine Art zu spielen lässt ihn zum Stammspieler und Aushilfskapitän einer Bundesligamannschaft werden.

»Ich tue alles, wirklich alles, um in dieser Liga zu bleiben«, schrieb Rodman über sein erstes Jahr in der NBA. Für Maik Franz und die Bundesliga gilt das Gleiche.


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