Ein letzter Frühling für Júlio Baptista

Der Panzer

Namen, auf die so mancher Wrestler stolz wäre und ein Oberkörper, der eben jenen genauso viel Angst bereitet. Málagas Júlio Baptista vereint beides.

In Brasilien existieren zumeist nur zwei Arten von Stürmern. Die eine Sorte ist jung, klein und agil, die andere besteht aus Brechern mit gewaltigen Torabschlüssen wie Ronaldo, Adriano oder Júlio Baptista. Jener Júlio Baptista, der am heutigen Abend im Rückspiel des Champions-League-Viertelfinals auf Borussia Dortmund treffen wird und den größten Erfolg der málagaischen Vereinsgeschichte noch größer werden lassen könnte.

»So groß wie ein Doppeldecker und doppelt so breit«, beschrieb ihn der »Guardian« vor zwei Jahren, als Baptistas Stern bei den Andalusiern mal wieder etwas heller schien. Dieser Stern scheint weiterhin über ganz Málaga. Dabei kämpfte der Verein vor zwei Jahren noch gegen den Abstieg. Dass dieser verhindert wurde, lag auch an Júlio Baptista. Unvergessen bleibt sein Fallrückziehertor in der Nachspielzeit zum 3:2 gegen Getafe in der vergangenen Saison. Ausgerechnet an seinem Geburtstag schien die südamerikanische Bestie fast minutenlang in der Luft zu liegen zu bleiben, um dann den Ball zwischen Gebälk und Keeper unterzubringen. Der Doppeldecker war abgehoben.

In seiner Anfangsphase beim FC Sao Paulo im defensiven Mittelfeld eingeordnet und »Panzer« gerufen, gewann er mit 21 Jahren bereits den Campeonaro Paulista, den ältesten Fußballwettbewerb Brasiliens. Nach seinem Wechsel 2003 zum FC Sevilla zeigte ihm sein neuer Trainer Joaquin Caparrós neue Möglichkeiten in der Offensive. Der Plan ging auf. Júlio Baptista erzielte in zwei Jahren 38 Tore als hängende Spitze und der FC Sevilla verpasste 2005 erst am letzten Spieltag als Sechstplatzierter die Champions-League-Qualifikation. Sevillas Fans fanden derweil einen neuen Spitznamen für den »Panzer«. Baptista wurde »die Bestie«.

Nach der Saison folgte Baptista dem Ruf der »Königlichen«, die ihn für 20 Millionen Euro abwarben. Doch während er bei Real Madrid nur eine Nebenrolle einnahm, gewann der FC Sevilla kurz darauf zweimal die Europa League, den europäischen Supercup und den Copa del Rey. Heute weiß Baptista, dass sein Wechsel seinerzeit viel zu früh kam: »Wenn ich heute auf meine Karriere zurückblicke, wird mir klar, dass ich wohl besser vorbereitet gewesen wäre, wenn ich noch ein oder zwei Jahre länger bei Sevilla geblieben wäre«.

Verantwortlich für seine verpassten Chancen bei Real machte der brasilianische Nationalspieler unter anderem die häufigen Trainerwechsel. Unter Bernd Schuster zumindest als Dauerjoker eingesetzt, spielte er unter Fabio Cappello (seinem vierten Trainer in Madrid) gar keine Rolle mehr. Schließlich ging er nach London, wo sich Arsenal-Coach Arsene Wenger sich seiner annahm. »Er ist ein Spieler, der Fußball arbeite«, beschrieb Wenger seinen Neuling zu Beginn. Nicht gerade die lobendste Beschreibung für einen Profi aus Brasilien. Doch zumindest war der Panzer wieder im Dienst. Wenger schenkte dem Offensivspieler das nötige Vertrauen in der Eingewöhnungsphase und sein Leihspieler zahlte es ihm zurück. Beim 6:3-Sieg gegen Liverpool im League-Cup 2007 erzielte Baptista vier Tore und kam anschließend immer besser auf der Insel zurecht. Baptista und Arsenal das schien zu passen. Doch der Verein wollte die von Real geforderte Summe nach der Leihphase nicht zahlen.

Vom Führungsspieler zur Auswechselbank

So wechselte der Brasilianer, der inzwischen zur festen Stütze in der Seleção aufgestiegen war und sich berechtigte Hoffnungen auf eine WM-Teilnahme 2010 machen durfte, ein Jahr später zum AS Rom. Dort konnte er endlich wieder die Rolle eines Führungsspielers einnehmen, ehe der mittlerweile 29-Jährige nach nur einer Saison von Coach Claudio Ranieri auf die Auswechselbank verbannt wurde. Ein Gefühl, mit dem sich Baptista auch bei der Weltmeisterschaft in Südafrika anfreunden musste.

Auch in Rom wurde das Kraftpaket auf Dauer nicht glücklich. Als schließlich der FC Málaga rief, musste der Brasilianer deswegen nicht lange überlegen. Er ging zurück nach Spanien, zurück nach Andalusien. Dort stand seine Mannschaft kurz vor dem Abstieg aus der Primera Division, doch ein neuer finanzkräftiger Besitzer aus Katar wollte aus den »Anchovis«, so der Spitzname des Klubs, einen Verein von Weltformat basteln. Auch dank Baptista konnte zumindest der Abstieg verhindert werden.

Das Fallrückziehertor und der vorherige verbundene Klassenerhalt läuteten die erfolgreichste Zeit in der Geschichte des FC Málaga ein. Zusammen mit Altstars wie Martin Demichelis, Diego Lugano, Javier Saviola oder Jérémy Toulalan erreichte eine Herde aus grauen Wölfe in diesem Jahr die Champions League und könnte mit einem Sieg in Dortmund erneut den Vereinsrekord toppen. Grund dafür ist nicht nur die an Erfahrung strotzende Truppe, sondern auch der beständige Trainer Manuel Pellegrini. »Wir haben einen brillanten Coach - und der Klub lässt sich von ihm anstecken«, erklärte Júlio Baptista jüngst.

Endstation Málaga?

Für Málaga könnte das Spiel im Westfalenstadion allerdings auch vorerst der letzte internationale Auftritt sein. Die Uefa hat den einst so finanzkräftigen Klub aufgrund diverser ausstehender Geldprobleme für ein Jahr aus dem Europapokal gesperrt. Mit dem Ablauf des katarischen Finanz-Engagements droht die Mannschaft um das Talent Isco auseinander zu brechen. Ob Baptista auch gehen wird, ist fraglich. Doch Málaga könnte die Endstation des Wandervogels werden, schließlich leidet der Stürmer immer wieder unter schwerwiegenden Verletzungen. Zuletzt setzte ihn ein Achillessehnenriss monatelang außer Gefecht. Für Baptista ist es heute vielleicht die letzte Chance, international auf sich aufmerksam zu machen. Schließlich steht im kommenden Jahr eine Weltmeisterschaft an. Zufällig im eigenen Land. Und welche Mannschaft braucht da nicht einen erfahrenen Mann, der Fußball ehrlich arbeitet und notfalls zum Fallrückzieher ansetzt.

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