26.11.2012

Ein Kommentar zur Wolfsburger Dauersirene

Zum Heulen zumute

90 Minuten lang heulte beim Spiel zwischen Wolfsburg und Bremen eine Sirene. Ein kleiner, mieser Kopfschmerz war die Folge. Und maßloser Ärger darüber, was heutzutage unter dem Begriff »Stadionatmosphäre« verstanden wird.

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Imago

Ob Thomas Schaaf und Klaus Allofs bei ihrem ersten Wiedersehen nach der Trennung tatsächlich mit den Tränen kämpfen mussten, steht dahin. Mindestens einem aber war an diesem Nachmittag zum Heulen zumute – einem namenlosen Wolfsburger-Fan, der 90 Minuten lang eine Sirene betätigte.

Der Grund hierfür dürfte allerdings kein emotionaler, sondern vielmehr ein intellektueller Ausnahmezustand gewesen sein: Dieser Mensch hatte auf ganzer Linie falsch verstanden, wie eine Stadionatmosphäre zu erzeugen sei, die irgendwem zugute kommt. Wenn etwas passierte und auch wenn nichts passierte, also immer, drückte er den Knopf seiner mutmaßlich in einem Wolfsburger Baumarkt erstandenen Krähenvergrämungshupe. Die Folge: ein ununterbrochener hochfrequenter Ton, der schon nach der Anfangsviertelstunde einen fiesen, kleinen Kopfschmerz verursachte.

Während die Krähen vergrämt das Weite suchen konnten, blieben die Zuschauer im Stadion und vor den Fernsehern im Bann der Sirene. Sky, der übertragende Sender, verlor kein Wort darüber, und auch man selbst schwieg zunächst im Zweifel, ob es tatsächlich eine Sirene war, die einen da peinigte, oder doch nur der längst befürchtete Tinitus. Dann die Halbzeitpause: keine Sirene! Und also auch kein Tinitus! Und plötzlich war selbst die Krombacher-Panflöte wie Balsam für die Ohren.

 
 
 
 
 
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