Ein Junge spielt sich nach vorn

Mesut Överath

Deutschland gewinnt 2:0 gegen WM-Gastgeber Südafrika. Die Entdeckung des Abends: In seinem ersten Länderspiel von Anfang an bereitet der Bremer Mesut Özil ein Tor vor und trifft dann selbst. Ist er der neue Spielmacher? Ein Junge spielt sich nach vorn Joachim Löw weiß, was sich als guter Gast gehört. Man bringt ein paar Geschenke zum Erhalt der Freundschaft mit. In der Bayarena, beim Länderspiel zwischen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft und Südafrika, verteilte der Bundestrainer mindestens zwei. Neben René Adler, der ein paar starke Paraden zeigte, durfte auch Simon Rolfes, ein weiterer Leverkusener, von Anfang an spielen, und einen emotionalen Moment bekamen die 29.569 Zuschauer noch dazu. Vor dem Anpfiff wurde Bernd Schneider offiziell in den fußballerischen Ruhestand verabschiedet.

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Es war der erste Höhepunkt eines Abends, der durch Tore von Mario Gomez und Mesut Özil mit einem 2:0 (1:0)-Erfolg der Deutschen endete.   Ein verdienter Sieg war es, der fußballerische Neustart, die Wiederentdeckung der Leichtigkeit, ist der Nationalmannschaft in Leverkusen allerdings noch nicht vollends geglückt. In der zweiten Halbzeit waren zumindest Ansätze zu sehen. Vor der Pause hingegen hatte die Deutschen ihre Trägheit nicht immer überwinden können. Die Südafrikaner gaben aber auch nicht den willfährigen Gegner ab, der nett mitspielt und keinen nennenswerten Widerstand leistet. Der WM-Gastgeber, eher dem offensiven Spiel zugetan, trat sehr diszipliniert auf und ließ den Deutschen wenig Raum.  

Gomez war im Sturm zu sehr auf sich alleine gestellt


Joachim Löw hat in den vergangenen Wochen bei jeder Gelegenheit bestritten, dass er bereits an das Spiel gegen Russland in einem Monat denke. Die Aufstellung, die er gegen Südafrika gewählt hatte, lässt sich zumindest als taktischer Vorgriff auf das entscheidende Duell in der WM-Qualifikation deuten. Vor einem Fünfermittelfeld hatte der Bundestrainer Mario Gomez als einzigen Stürmer aufgeboten – eine Variante, die sich auch gegen die spielstarken Russen anbietet. Gegen Südafrika taugte sie nur bedingt. Gomez war im Sturm zu sehr auf sich alleine gestellt. Einige Male flog der Ball von der Seite in den Strafraum, aber da, wo normalerweise ein Stürmer steht, stand niemand.  

Mit dem Einsatz von Mesut Özil wollte Löw dem zuletzt lahmenden Kombinationsspiel seiner Mannschaft wieder auf die Sprünge helfen. Von den drei offensiven Mittelfeldspielern war der junge Bremer der auffälligste. Bei ihm nahm auch der Führungstreffer seinen Anfang. Nach seinem Zuspiel brachte Michael Ballack den Ball scharf in den Fünfmeterraum – Gomez musste nur noch vollenden. »Mesut ist eine absolute Bereicherung«, sagte Gomez, »wir können froh sein, so einen großartigen Fußballspieler zu haben.«  

Es war das elfte Länderspieltor für den Münchner, der nach der Pause für seinen Vereinskollegen Miroslav Klose den Platz verließ; auch Lukas Podolski kam zur zweiten Halbzeit. Der Bundestrainer experimentierte aufs Heftigste, 20 Minuten vor Schluss schickte er Sami Khedira zu seinem Länderspieldebüt aufs Feld, sechs Mal wechselte er insgesamt.  

Trotz der vielen Wechsel machte die deutsche Mannschaft in der zweiten Hälfte mehr Druck: Özil scheiterte an Rowen Fernandez, dann stoppte der Ersatztorhüter des Zweitligisten Arminia Bielefeld Bastian Schweinsteiger, ein Schuss von Simon Rolfes flog knapp am Tor vorbei, und Michael Ballack traf mit einem Kopfball den Innenpfosten. Es passte, dass Mesut Özil das 2:0 erzielte. Der Bremer veredelte seinen starken Auftritt mit seinem ersten Länderspieltor.  

In der zweiten Halbzeit riss die deutsche Mannschaft das Publikum endgültig aus seiner Lethargie, zu denen das Geheul der Vuvuzelas die Hintergrundbeschallung geliefert hatte. Die Leverkusener Anhänger, zumindest ein Teil davon, reagierten jedoch auf eigentümliche Weise auf die Ansätze von Spektakel auf dem Rasen. »Kießling für Deutschland!«, forderten die Zuschauer. Manchmal sind zwei Geschenke eben eins zu wenig.

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