Ein Interviewtermin mit Felix Magath

Scooter blickt auf van Gogh

Einen Tag vor Erscheinen des neuen Heftes, gibt es heute bereits einen kleinen Vorgeschmack auf das 'Interview des Monats', das mit dem Wolfsburger Tausendsassa Felix Magath geführt wurde. Für Tim Jürgens eine Begegnung der besonderen Art. Ragnar Schmuck
Heft #72 11 / 2007
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Interviewtermine mit viel beschäftigen Fußball-Protagonisten sind in Tagen wie diesen ein Ritt auf der Rasierklinge. Fährt der Zug, der einen rechtzeitig zum verabredeten Treffpunkt bringt? Wird der Befragte pünktlich sein, damit man auch den ICE erreicht, der einen wohlbehütet zurück in seine Heimat fährt? Wie wird der Gesprächspartner auf die Fragen reagieren? Hat er gute Laune, weil das Team funktioniert? Schlechte, weil sich gerade wieder ein Leistungsträger verletzt hat oder das Kind daheim geschrieen hat? Fragen über Fragen.

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In der Bundesliga ist es fast üblich, dass man Journalisten ein wenig warten lässt. Spieler müssen schnell noch einmal zur Massage, Trainer ziehen ein Meeting vor, Manager haben eh ihren eigenen Terminplan – und oft ist es auch Teil des Machtspiels, sich nichts vom Pressesprecher vorschreiben zu lassen. Umso überraschter stellen wir fest, dass Felix Magath – seines Zeichens Trainer und Manager in Personalunion und deshalb zumindest auf dem Papier unabkömmlicher als jeder andere in der Bundesliga – die Geschäftsstelle im Wolfsburger Stadion an diesem Spätsommertag mit lässig umgeschlagenen Schal auf die Minute pünktlich betritt. Ein kurzer, freundlicher Schnack mit der Sekretärin, dann schließt er die Tür zum Konferenzraum hinter sich, begrüßt uns mit festem Blick, beiläufig, aber mit einem festen Händedruck und entschuldigt sich für seine ca. 180-sekündige Verspätung. Auf unsere Fragen reagiert er wie auf eine Ausstellung mit expressionistischer Kunst. Manchmal überlegt er über Sekunden, auf was wir wohl hinaus wollen. Dann platzt er entrüstet heraus. Hier und da beömmelt er sich ein bisschen. Und als wir nach den Bayern fragen, schmunzelt er wissend - fast ironisch - und antwortet dann doch gewohnt sachlich und diskret. In Erinnerungen schwelgend an seine große Zeit als Spieler beim HSV, lockert er dann irgendwann den Griff der verschränkten Arme vor seiner Brust. ”Ich habe geraucht und ab und an habe ich auch einen getrunken – und wunderbare Jahre in Hamburg verlebt.“ Und lehnt sich zurück, lächelt wie Scooter aus der Muppet-Show vergnügt hinter dem Gestell, für das er mal zum Brillenträger des Jahres gekürt wurde. Das ist kein Quälix, kein dröger Schachspieler, kein schlichter Rasen-Stratege oder Fußball-Streber. Magath ist ein Kumpel-Typ, viel zu unprätentiös und höflich, um ein steifer Unsympath zu sein. Ein stilles Wasser mit vielen Untiefen, die zu ergründen, zwei Stunden in der Trabantenstadt eindeutig zu kurz sind. Am Ende sagt er: „Alles Gute für Sie.“ Zwei Stunden Lebenszeit – sinnvoll genutzt. So soll es sein.

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