Ein deutscher Färöer-Fan berichtet

Klakksvik gegen Ujpest

Martin Schürmann aus dem Sauerland ist Anhänger der Färöer. Mal wird ihm als einziger Auswärtsfan Polizeischutz zuteil, mal knipst er die Spieler der Färöer beim Essen. Wie lebt so ein Mann? Und warum wurde er überhaupt Färöer-Fan?

Auf dem Weg zum Stadion haben auswärtige Fußballfans ein Anrecht auf polizeilichen Schutz. Dieser wurde Martin Schürmann (39) bei einem Spiel in Belgrad dann auch zuteil. Und so nahmen die serbischen Uniformierten den Mann in die Mitte. Das Besondere: Schürmann genoss diesen Begleit-Service exklusiv. Er war der einzige Anhänger der Färöer Inseln.

Was die serbische Policija bei ihrer verantwortungsvollen Amtshandlung nicht ahnte: Martin Schürmann ist gar kein Färinger. Sondern Sauerländer aus Lennestadt-Altenhundem im Kreis Olpe.

Begeisterter Anhänger seit 1991

Schürmanns Passion für die Färöer entflammte 1991. Da hatte die bis dahin nahezu unbekannte Inselgruppe durch einen 1:0-Sieg über Österreich Aufsehen im Weltfußball erregt. Seitdem hat die winzige Sportnation im Nordatlantik den Lennestädter nicht mehr losgelassen. »Ich habe mich immer für die Underdogs interessiert,« sagt er. Dabei ist er nicht auf die Nationalelf der Färöer fixiert. Auch die Vereine von den Schafs-Inseln - so heißt Färöer übersetzt - dürfen auf ihren zumeist aussichtslosen Reisen im Europapokal Schürmanns moralischer Unterstützung sicher sein.

So war Schürmann Augenzeuge, als KI Klakksvik im UEFA-Pokal bei Ujpest Budapest ein ehrenvolles 0:1 ertrotzte. Zum Weiterkommen reichte es dennoch nicht. »Leider war das Hinspiel in Klakksvik 2:2 ausgegangen,« bedauerte Schürmann. Schwer zu finden Das Faible des Lennestädters für das Zwergenhafte hat offenbar auch bei der Wahl seines Wohnsitzes eine Rolle gespielt. Sein Zuhause ist eine der wohl kleinsten Straßen der Lennestadt. »Schwer zu finden,« lacht er, als er den Besucher vorsichtshalber im Ortskern von Altenhundem abholt.

Wie lebt ein Färöer-Fan? Antwort: Nicht auf Schafs-Fellen oder in einer Hütte. Sondern in einer völlig normalen, schönen Singlewohnung. Schürmanns Passion tritt erst zutage, als er den Schrank öffnet. Er holt einen Vikinger-Helm hervor. »Ins Flugzeug komme ich mit dem Ding nicht«, sagt er, während er die Hörner aufsteckt.

Dann breitet er die Eintrittskarten aus. Bunte Papierchen, bei denen jedem Fußballkenner, der eine Antenne für Exotik hat, die Augen übergehen. Sie erzählen in fremden Sprachen und fremden Schriftzeichen von gut zwanzig Spielen in Serbien, dreimal Litauen, Irland, zweimal Schottland, Belgien, Italien, Österreich, Zypern oder Luxemburg. Auch ein Volleyball- und ein Handball-Länderrspiel der Färöer ist dabei.  

Nur vom Bernabeu-Stadion in Madrid, vom San Siro in Mailand oder vom Old Trafford in Manchester berichten diese Tickets nicht. Logisch, denn die färingische Fußball-Herrlichkeit ist oft zuende, bevor die Saison richtig begonnen hat. Bis in die oberen Etagen des europäischen Fußballs schaffen es die Kicker vom Inselstaat nicht.

So beschränkt sich Schürmanns Aktionsradius auf Duelle, die zwar dem grellen Licht der Fußballwelt entzogen, dafür aber abenteuerlich sind. Die erste leibhaftige Begegnung mit der nordischen Nationalelf hatte er in Luxemburg. Die Färöer blieben siegreich, und Schürmann fing eines der Trikots auf, das die Spieler nachher in die kleine Fankurve warfen.

»Da hoch zu fahren ist unheimlich teuer«

Zu einem Qualifikationsspiel in Litauen ist er mal 27 Stunden mit dem Bus von Dortmund nach Kaunas gereist. Ein Spiel in Zypern verband er mit einer Woche Urlaub. Auf den Färöern sah er die Schweiz, Irland und Deutschland. »Da hoch zu fahren ist unheimlich teuer,« räumt er ein. Doch reichten die drei Besuche in Torshavn und Toftir, um ihn auf den Inseln bekannt zu machen. Schürmann: »Ich habe dort schon auf der Internetseite des Verbandes gestanden und in der Zeitung.«

Anders als bei den gigantischen Fußball-Konzernen des Kontinents geht es im Färöer-Umfeld familiär zu. Kürzlich, als sich Schürmann im Internet-Portal »Facebook« anmeldete, bestätigte ihm Nationalspieler Atli Danielsen die Freundschaft. Man kennt sich. Der Rekordmeister HB Torshavn ließ ihn sogar mal in die Spielerkabine. »Wenn ich Karten brauche, rufe ich den Generalsekretär des Verbandes an,« sagt Martin Schürmann lässig, »er hat mir auch schon den Namen eines Hotels besorgt, als ich im Internet keines fand.«

Wenn die Nationalspieler ihn erblicken, kommen sie auf ihn zu und begrüßen ihn. »In Kaunas habe ich im gleichen Hotel gewohnt wie sie«, berichtet der Lennestädter, »da durfte ich sie beim Essen fotografieren, das hat sie nicht gestört.« Erst als Schürmann sich nachher die Fotos genauer ansah, stellte er fest, »dass einige Spieler die Augen verdrehten. Aber in Wirklichkeit freuten sie sich, dass sich einer für sie interessierte.«

Schürmann gibt zu, dass er die Färöer bis 1991 selbst nicht kannte. »Ich wusste gar nicht, dass das in Europa liegt,« sagt er heute. Wobei diese Frage offenbar wirklich relativ ist. Schürmann kommt zurück auf das Erlebnis in Belgrad. Als er die Polizisten damals fragte, warum sie ihn, den Einzelfan, derart schützten, bekam er grimmig zur Antwort: »Wir sind hier in Serbien, nicht in Europa.«

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