Ein Dankeschön an Senor Raul

1000 Tränen, die zusammen stehen

Es ist die Schockernachricht für alle Schalker: Raul Gonzalez Blanco verlässt zum Saisonende die Bundesliga. Der richtige Moment, um einfach mal Danke zu sagen, findet zumindest unser Autor Benjamin Kuhlhoff.

Lieber Raul Gonzalez Blanco,

jetzt ist es also raus: Du verlässt den FC Schalke 04, du verlässt die Bundesliga und ja, ein Stück weit verlässt Du damit auch mich. Mein Leben. Keine Sorge, ich werde mich nicht wochenlang in einen dunklen Raum einschließen, sentimentale Musik hören und literweise Rotwein mit Tränen mischen. Nein, ich werde es hinnehmen wie ein Mann. Stark sein, mit breiter Brust, hier ein lässiger Spruch, da eine abfällige Handbewegung.

So ist Fußball, werde ich denen sagen, die mich jetzt tagelang auf Dich ansprechen werden. Kein Problem, kontere ich die Fragen nach dem eigenen Befinden. Ich scherze mit denen, die lachen werden über die nächste Jahrhundertdummheit des FC Schalke. Nein, ich werde nicht weinen – auch, wenn ich einfach nur weinen möchte. Tagelang. Wochenlang. Monatelang. Mein Leben lang. Denn seit ein paar Stunden ist es Gewissheit: Raul González Blanco, der Senor, der Matador, die Sieben, das gute Gewissen des Fußballs, bald bist Du weg. Für immer.

Ich schreibe Dir, um einfach mal Danke zu sagen. Danke Raul, dass Du mir gezeigt hast, dass nicht jeder alternde Megastar in die Bundesliga kommt, um ausschließlich das große Geld abzusahnen. Danke Raul, für all die großen Momente, das Bälle streicheln, das Lupfen, das Grätschen, diese sanften Momente der Genialität.

Danke Raul, für den 5. April 2011, die Nacht von Mailand, den letzte großen Fußball-Hormonrausch.

Danke Raul, dass ich noch einmal wie ein kleines Kind den Spielen des FC Schalke entgegen fieberte und dich beobachtete wie eine außerirdische Erscheinung.

Danke Raul, für jeden einzelnen, verdammten Kilometer, den du in Teningen, Augsburg, Helsinki und Freiburg gerannt bist, als würde es für Dich um etwas gehen. Für Dich, den Maestro, der alles gewonnen hat und doch niemals den Dicken markiert hat. Für Dich, den sie in Madrid auf Händen durch die Straßen tragen.

Für Dich ging es nicht um Geld, nicht um Pokale, nicht um Werbeverträge oder Hochglanzfotos. Für Dich ging es um Fußball.

Ja, werden sie jetzt schreien, und jetzt geht er und kassiert das große Geld. Ich sage: Soll er doch! Soll er den Scheichs den letzten Petrodollar aus der Ölquelle saugen, so lange bis den Herren schwindelig wird. Warum? Raul, Du hast Dir jeden Cent verdient. Mehr noch, Du bist jeden verdammten Cent wert.

Ich erinnere mich an Dein erste Foto im Mikrokosmos Schalke: Du trugst ein schwarzes Samt-Jackett, eingerahmt von zwei Bergmännern musstet Du ein Stück Kohle in die Kameras halten. Dein Gesicht schien zu schreien: »Wo bin ich denn hier gelandet?« Und ja, auch ich habe nicht daran geglaubt, dass Du Schalke ernsthaft weiterbringen würdest. Ich sah Dich mit wachsendem Bauchansatz über den Platz schleichen, verpuffen, wie so viele verpufft sind.
Danke Raul, dass Du mich vom Gegenteil überzeugt hast.

Raul Gonzalez Blanco, in Madrid wirst Du längst auf Händen getragen, in Gelsenkirchen bist Du zur Gottheit geworden. Und bei all dem Trubel bist Du immer ein ganz normaler Mensch geblieben. Vielleicht ist das dein größter Verdienst.

Adios, Senor Raul! Muchas Gracias!

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