Eike Immel zieht den Strich

Was vom Tage übrig bleibt

Eike Immel hat die Nachrichten bestimmt - auf den Sportseiten und zuletzt auch auf den bunten Seiten des Lebens. National-Keeper, Hasardeur und Insasse im TV-Knast von RTL. Nun liegt das alles hinter ihm. Eine Erleichterung.

Die Realität hatte früher Zahlen, und die standen für viel Geld. Heute hat sie ein Aktenzeichen, und das steht für private Insolvenzverfahren. Eike Immel hat das Aktenzeichen 253 IN 10/08. "Es hätte funktionieren können", meint er und lacht. Also das mit dem Geld, das er in seiner Karriere verdient hat. Nun ist das Spiel aus, jetzt ist Leben. "Ich bin froh, dass es raus ist", sagt er heute. Und was das Verfahren anbelangt: "Keiner wird enttäuscht, alles wird geregelt." Vorbei die Angst vor Pfändungen und das öffentliche Eingestehen irgendeines Scheiterns. Er ist schließlich nicht der Einzige, der mit der Strafraumbeherrschung des täglichen Lebens nicht zurecht kam. Er will die Flanken, die sich hämisch über ihn senken, nun sicher abfangen. Das hat er gelernt.

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Dafür nimmt der Dortmunder Öffentlichkeit in Kauf. Eike Immel im australischen Dschungelcamp zusammen mit der ehemaligen Porno-Aktrice Michaela Schaffrath, dem Sänger Bata Illic und noch einigen, deren Karrieren im Ekel-Paket von RTL endgültig auszuschleimen drohen. Eine Fron? "Wieso, es war eine wunderbare Zeit", sagt Immel, "wir waren ein super Team." Ihn sperrten sie mit Ratten ein. "Gut, ich hasse Ratten", erinnert er sich. Aber Fußballer sind auch Pragmatiker. "16 Tage Australien, nur zweimal sechs Minuten mit Ratten." Geld gab's auch, es rechnete sich, fertig.

Was war der Grund?


Womit wir wieder beim Geld wären. Immel räumt mit einer Mär auf - dass er das RTL-Geld brauchte, um eine Hüft-OP zu finanzieren. "Die OP war nicht der Grund", schimpft er, "ich bin schließlich krankenversichert." Er macht zwar keinen Hehl daraus, dass er das Geld gut brauchen konnte, "aber es war nicht die Motivation. Schwachsinn". Was dann?

Es ist viel über ihn erzählt worden, und der 47-Jährige kennt jede Geschichte. War da was mit Zocken? Immer dieselbe Leier. "Ich hab' seit 15 Jahren keinen Würfel und keine Karte mehr angerührt", sagt er. Und dann die Nummer mit Bauherrenmodellen, die eine ganze Armada von Kickern entmonetisiert hat. "Ich war 19", sagt der 47-Jährige. Es ging um Luxus-Eigentumswohnungen in Hagen-Haspe, "und ich hab' damals nicht gewusst, dass sich Luxus und Hagen-Haspe eigentlich ausschließen". Klar, es gab auch eine Scheidung. "Extrem fair, aber so etwas kostet trotzdem Geld." Es reihte sich Eines ans Andere, vielleicht hielten sich auch Pech und Schuld die Waage. Er hat gut gelebt und viele daran teilhaben lassen. Er will aber nicht das Gestern erklären, sondern das Morgen - und vielleicht auch das Heute. Heute ist Aktenzeichen.

"Ich hab' das Camp gemacht, weil es mich aus meiner Lethargie reißen sollte", sagt er. Zwei Jahre zähe Zeit mit den ewig ums Geld kreisenden Sorgen lagen hinter ihm. "Es ging nur noch darum zu regeln, wie krieg' ich das hin." Für alles, was er für Geld machte, fand er Geldabnehmer. Immel wirkt wie einer, der mit Enttäuschungen umzugehen gelernt hat. Er ist selbstkritisch, aber es ist nicht so, dass nicht auch er von anderen enttäuscht worden ist. Er weiß um Spott, er hält ihn aus. Und er hat gelernt, allein zu sein, "denn das konnte ich nie". Die zwei Jahre sind vorbei. Er versenkte sie mit im TV-Tümpel des Camps und kam geläutert wieder raus. Ein öffentliches Schauspiel, für Immel eine Selbstreinigung.

Zwei, drei Szenen aus dem Fußball im Kopfarchiv

Bata Illic ist jetzt sein Kumpel. Mit ihm singt er Schlager, die "Wie ein Liebeslied" heißen. Er will jetzt endlich seine malade Hüfte operieren lassen. "Am 1. Juli will ich fit sein", sagt er. Er wird wieder als Torwarttrainer arbeiten.

Unten ist Immel nicht, er ist vielleicht derzeit nicht oben auf. Dabei war er unten gut. Zum Beispiel, als er in der Saison 91/92 als Stuttgarter Keeper beim Spiel gegen den BVB den Schuss von Thomas Franck unten rechts aus der Ecke fischte. "Den konntest du normal nicht halten", meint er. Zwei, drei Szenen hat er im Kopfarchiv. Zuhause erinnert nichts an seine Karriere, keine Fotos, Videos. "Immer wieder Videos, wie man fünf Unhaltbare hält, nee, lass mal." Er ist Eike Immel, und er war ein verdammt guter Torwart. "Du musst es offensiv angehen", meint der Defensivspezialist, "und ich weiß eines. Ich bin jetzt ein besserer Partner als vorher, und ich liefere eine bessere Arbeit ab."

Abseits des Rasens. Darauf war sie immer gut.


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