19.11.2012

Düsseldorf-Werder in der 11FREUNDE-Spielanalyse

Der ideologische Konflikt

Werder Bremen gewinnt im Spiel Eins nach Klaus Allofs verdient mit 2:1. Die Fortuna verteidigte 80 der 90 Minuten mit Mann und Maus.

Text:
Tobias Escher
Bild:
Imago

Norbert Meier gegen Thomas Schaaf, das war das Duell zweier Trainer, die unterschiedlicher kaum sein können: Der eine setzt seit Jahren auf die totale Offensive und möchte immer ein Tor mehr schießen als der Gegner – egal, wie viele Gegentore das bedeutet. Der andere setzt am liebsten auf eine solide Defensive und möchte am liebsten gar keine Tore einfangen.

Im direkten Vergleich dieser Fußballideologien hatte die Mannschaft des offensiv denkenden Schaafs zunächst mit einem altbekannten Problem zu kämpfen: Ihre Viererkette stand sehr hoch, davor betrieben sie aber nur ein unzureichendes Pressing. Dies sorgt schon seit Jahren für Probleme bei den Bremern. Die Rechnung im modernen Fußball ist recht simpel: Eine hohe Viererkette braucht ein hohes Pressing, da der Gegner sonst eingeladen wird, mit direkten Zuspielen hinter die aufgerückte Viererkette zu gelangen.

Das Bremer Gegenpressing, die direkte Rückeroberung der Kugel nach einem Ballverlust, war jedoch speziell auf den Flügeln mangelhaft. Die Fortuna konnte in den ersten Minuten mit hohen Bällen die Flügelspieler einsetzen. Ken Ilsö und Robbie Kruse zeigten sich umtriebig und versuchten, die Räume hinter dem oft aufrückenden Linksverteidiger Lukas Schmitz auszunutzen. In der 9. Minute gelang dies besonders gut, Sokratis konnte den Konter nur mit einem Foul im eigenen Sechszehner stoppen. Jens Langeneke verwandelte zur Führung.

Fortuna verteidigt gewissenhaft

In der Folge setzte die Fortuna die Defensivmentalität ihres Trainers um. Meiers Team konnte mit ihrer 4-4-1-1-Formation den Bremern eine klare Eins-gegen-Eins-Zuordnung aufzwingen: Die beiden Sechser Andreas Lambertz und Adam Bodzek übernahmen die aufrückenden Bremer Achter Kevin de Bruyne und Aaron Hunt, der zurückfallende Kruse deckte den Bremer Sechser Zlatko Junuzovic. Das Drei-Mann-Mittelfeld der Bremer kam dadurch kaum zur Entfaltung.



Auch auf dem Flügel deckten Johannes van den Bergh und Tobias Levels ihre Gegenspieler mit Geduld und Konzentration. Eljero Elia sah auf Linksaußen gegen seinen Gegenspieler Levels selten einen Stich, er gewann nicht einmal 20 Prozent seiner Zweikämpfe (Levels hingegen knapp 80 Prozent). Marko Arnautovic konnte etwas mehr Wirbel veranstalten, aber auch van den Bergh hatte ihn zumeist im Griff – er gewann zwei Drittel seiner direkten Duelle. Seine auffälligste Szene war ein angedeuteter Kopfstoß gegen Langeneke, den Schiedsrichter Peter Sippel aber nur mit Gelb ahndete.

Die Bremer durchdrangen die Düsseldorfer Deckung in der ersten Halbzeit nur selten. Sie hielten ihre Positionen starr und konnten sich dadurch ihren Bewachern nicht entziehen. Düsseldorf wurde es so relativ leicht gemacht, aus der erprobten Ordnung heraus die gegnerischen Angriffe zu verteidigen. Sie machten wenig mehr als tief zu stehen, abzuwarten und im Eins-gegen-Eins ihren Gegnern den Ball abzunehmen. Konter konnten sie hingegen keine mehr setzen – was naturgemäß schwer ist, wenn sich nicht mehr als drei Spieler an den eigenen Angriffen beteiligen.

 
 
 
 
 
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