28.06.2012

Duell der Mittelfeld-Strategen: Pirlo vs. Schweinsteiger

Mit ordnendem Fuß

Das Halbfinale zwischen Deutschland und Italien ist auch das Duell der beiden Strategen Andrea Pirlo und Bastian Schweinsteiger. Doch während der Italiener derzeit große Leichtigkeit ausstrahlt, schleppt sich Schweinsteiger durchs Turnier.

Text:
Michael Rosentritt und Stefan Hemanns
Bild:
Imago

Oliver Bierhoff ist als Stürmer nicht mehr in den Genuss gekommen, sich die Bälle von Andrea Pirlo servieren zu lassen. Beide haben sich knapp verpasst. Bierhoff hat den AC Mailand genau in dem Sommer verlassen, in dem Pirlo vom Lokalrivalen Inter zu Milan wechselte. Trotzdem hat der Manager der deutschen Fußball-Nationalmannschaft den Werdegang des Mittelfeldspielers verfolgt. Pirlo sei ein unglaublich ruhiger und netter Kerl, sehr bescheiden auch, berichtete Bierhoff gestern vor dem Abflug nach Warschau. Wie ruhig, nett und bescheiden der 33-Jährige ist, hat er am Sonntag in einem seiner triumphalsten Momente bewiesen. Pirlo hatte gerade im Elfmeterschießen den Ball in die Mitte des englischen Tores gelupft, der Torhüter Joe Hart lag auf dem Rücken wie ein Käfer, und Pirlo machte – nichts.

Er trottete zurück zur Mittellinie. Keine Geste des Triumphs, nicht einmal ein Lächeln. Auch in diesem Augenblick bekam Pirlo seine Leidensmiene nicht aus dem Gesicht. Man kennt diesen Ausdruck jetzt auch von Bastian Schweinsteiger. Im Unterschied zu Andrea Pirlo leidet der Münchner wirklich.

Selbstzweifel im Gesicht

Wenn Deutschland und Italien heute im Nationalstadion von Warschau das Halbfinale bestreiten, ist das auch das Duell zweier Strategen: Andrea Pirlo gegen Bastian Schweinsteiger. Doch während Pirlos Spiel bei der EM große Leichtigkeit ausstrahlt, wälzt sich Schweinsteiger durch das Turnier. Im Viertelfinale gegen Griechenland standen ihm die Selbstzweifel offen im Gesicht. Schweinsteiger haderte mit sich, suchte verkrampft nach einem Ausweg und steigerte sich nur immer mehr in die eigene Formschwäche. Er habe immer noch Schmerzen am Sprunggelenk, erklärte er am Tag danach. Auch deshalb gab es Spekulationen, ob es nicht ein Risiko sei, den Münchner gegen Italien spielen zu lassen. »Ich bin zu 100 Prozent fit«, verkündete Schweinsteiger gestern. »Ich fühl’ mich gut.«

Schweinsteiger ist jetzt 27, früher hätte man gesagt: Er befindet sich im besten Fußballeralter, und diese EM wird ihn möglicherweise auf der Höhe seiner Schaffenskraft treffen. Aber der Münchner ist weit davon entfernt, nachdem er im vergangenen Jahr zweimal für längere Zeit pausieren musste. »Zu meiner Topform werde ich noch kommen«, hat Schweinsteiger vor dem Gruppenspiel gegen Holland versprochen. »Wann? Weiß ich noch nicht.« Langsam wird die Zeit für ihn knapp.

Das Team trägt ihn

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