Dortmunds Polizei und die Fans von Ajax Amsterdam

»Wir fühlen uns als Gastgeber«

Vor dem Erstrundenauftakt in der Champions League zwischen Borussia Dortmund und Ajax Amsterdam setzt die Polizei auf vorsichtige Kommunikation mit den Fangruppen. Reicht das, um die deutsch-niederländische Rivalität entsprechend einzudampfen?

Ein Versuch ist es immerhin und als solcher sollte er auch gewürdigt werden: Vor dem Heimspiel von Borussia Dortmund gegen Ajax Amsterdam hat die Dortmunder Polizei einen »Fanbrief« veröffentlicht, um sich direkt an die Anhänger von Ajax Amsterdam zu wenden. Auf deutsch und niederländisch, versteht sich. »Liebe Fußballfreunde von Ajax Amsterdam!«, heißt es da in der Ansprache, »vor der Begegnung Borussia Dortmund gegen Ajax Amsterdam möchte das Polizeipräsidium Dortmund Ihnen folgende wichtige Informationen mitteilen.«

Es folgen Infos zu den Aufgabenbereichen der deutschen Polizei, ein »besonderer Gefahrenhinweis zum Thema Pyrotechnik« und diverse Verbotshinweise (u.a. ein Glas- und Dosenverbot »im Veranstaltungsbereich um den Signal-Iduna-Park«). Der Brief ist schon einige Tage alt, zu lesen ist er im Presseportal der Dortmunder Polizei, die Amsterdamer Polizei hat ihn ebenso verbreitet wie die zuständige Ajax-Fanbetreuung. Initiator ist NRW-Innenminister Ralf Jäger, der diese Form der Kommunikation zwischen Sicherheitsbehörden und Fußballfans innerhalb eines vor wenigen Wochen vorgestellten Konzeptes gegen Gewalt im Fußball verfügte. »Bitte respektieren Sie die Fans der Heimmannschaft und unterlassen Sie Provokationen, welche zu Ausschreitungen führen könnten.« Ein Versuch, immerhin. Aber hilft das wirklich, um der legendären deutsch-niederländischen Fußballrivalität Herr zu werden?

»Sie helfen mit, dass kein Schatten auf diesen Spieltag fällt!«

Wahrscheinlich nicht. Es sollte schon sehr verwundern, wenn sich der harte (und gewaltbereite) Kern des Ajax-Anhangs (die Dortmunder Polizei rechnet mit mehren hundert »Problem-Fans«) von ein paar warmen Worten besänftigen lassen würde. Internationale Pflichtspiele zwischen deutschen und niederländischen Mannschaften sind seit jeher schwer zu kontrollieren, zumindest die Fans von Borussia Dortmund haben diesbezüglich schlechte Erfahrungen gemacht. Als BVB-Fans ihre Mannschaft 2002 zum UEFA-Cup-Finale gegen Feyenoord Rotterdam ins Rotterdamer Stadion »De Kuip« begleiteten, wurden sie als »Nazischweine« begrüßt, während des Spiels flogen bengalische Fackeln in den Dortmunder Block, drei Fans wurden leicht verletzt. Noch auf der Rückfahrt bewarfen Rotterdamer die BVB-Fanbusse mit Steinen. Und welcher Hool lässt sich schon von Sätzen wie »Als vorbildliche Fans erleichtern Sie damit allen Beteiligten einen guten Veranstaltungsverlauf und helfen mit, dass kein Schatten auf diesen Spieltag fällt!« davon abbringen, die Fäuste fliegen zu lassen?

Dessen ist sich allerdings auch der Absender des Briefes, die Polizei Dortmund, bewusst. Sprecher Kim Freigang sagt: »Uns geht es vor allem um die friedlichen Fans, denen wir einen sicheren und unterhaltsamen Tag in Dortmund bieten möchten.« Freigang wehrt sich vehement dagegen, die als »gewaltbereit« eingestuften Zuschauer als »Fans« zu bezeichnen. Heißt: Um die Hauer geht es gar nicht, sondern: »Wir fühlen uns als Gastgeber und begrüßen jeden friedlichen Fan aus Amsterdam in unserer Stadt.« Die Polizei als Begrüßungskommando? So ähnlich. Freigang verweist auf eine »Welcome-Party« in der Dortmunder Innenstadt und die besondere Qualität der hiesigen Sicherheitskräfte: »Die Stärke der Polizei in NRW ist seit jeher die Kommunikation. Wir sind in engem Kontakt mit den niederländischen Kollegen und werden auch am Spieltag die Kommunikation mit den Gästefans suchen.«

Mit Schrecken erinnert man sich das Einreiseverbot von Lüttich

Kommunikation, das Schlüsselwort in der Beziehung Fans versus Polizei. Wie auch immer diese Annäherungsversuche von niederländischer Seite angenommen werden, ein Schritt in die richtige Richtung ist es allemal. Mit Schrecken erinnern sich deutsche Fußballfans an die Maßnahmen der Sicherheitskräfte in Lüttich, die Fans von Hannover 96 in der vergangenen Europa-League-Saison einfach ein Einreiseverbot für die Lütticher Innenstadt auferlegten und dafür zurecht hart kritisiert wurden. Dann doch lieber ein paar warme Worte, eine »Welcome-Party« und die Hoffnung darauf, dass sich die Gewalt in Grenzen hält.

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