Dortmund vs. Hoffenheim: Geschichte einer seltsamen Beziehung

Ende gut, Herzensgut

»Hasta la vista«-Plakate, »Hurensohn«-Rufe, Akkustik-Attacke – dass ausgerechnet Borussia Dortmund die TSG Hoffenheim in die 2. Liga schießen kann, ist die Klammer einer merkwürdigen Beziehung.

Damals hatten sich alle noch lieb. Am 26. Februar 2008 empfing Borussia Dortmund den Zweitligisten TSG Hoffenheim zum Pokal-Viertelfinale im Westfalenstadion, siegte glücklich mit 3:1 und BVB-Boss Hans-Joachim Watzke flötete anschließend in die Mikrophone: »Was die Hoffenheimer im offensiven, kreativen Bereich haben, ist absolut bundesligareif. Da schaut man gerne zu.«

Mehr als fünf Jahre später steht die TSG auf dem 17. Platz der Bundesliga, muss das letzte Spiel der Saison in Dortmund gewinnen und auf eine Niederlage des FC Augsburg gegen Fürth hoffen, um doch noch den Relegationsplatz zu erreichen. Bei Borussia Dortmund freuen sie sich ein Loch in den Bauch, ob der hilflosen Situation des Klubs aus Sinsheim. Und Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp wird beim vorerst vermutlich letzten Bundesligaspiel seines Klubs nicht im Stadion anwesend sein, weil er sich die zu erwartenden Beschimpfungen der Dortmunder Fans ersparen möchte.

Was ist in diesen vier Jahren nur geschehen?

Im September 2008 begegneten sich beide Mannschaften erneut, diesmal allerdings auf Augenhöhe. Hoffenheim hatte wie erwartet den Aufstieg geschafft und war gleich mal mit sieben Punkten aus vier Spielen in die Saison gestartet. Gegen Dortmund führte Hoffenheim nach 67 Minuten mit 4:0 und gewann am Ende souverän mit 4:1. Der reiche Emporkömmling hatte den Traditionsverein deklassiert. Für nachhaltige Empörung sorgte aber nicht der hilflose Auftritt der Borussen, sondern ein Plakat im Dortmunder Auswärtsblock. Darauf: das stilisierte Konterfei von Dietmar Hopp mit einer roten Zielscheibe über dem Gesicht und dem an den Film »Terminator« angelehnten Zitat »Hasta la vista Hopp«. Hopp und Hoffenheim zeigten sich schockiert und forderten drastische Strafen. Der erste Bruch zwischen BVB und TSG.

Dietmar Hopp, der »Weiße Ritter« von Hoffenheim

Gut ein Jahr später, kurz vor dem nächsten Dortmunder Auswärtsspiel in Sinsheim, flogen die verbalen Giftpfeile schon vor dem Anstoß. Verschossen hatte sie der stets angriffslustige Hans-Joachim Watzke auf der Aktionärsversammlung des BVB. »Wo wäre denn Hoffenheim«, so Watzke, »wenn sie ihren Weißen Ritter nicht hätten? Wir haben eben keinen Dietmar Hopp, dem wir sagen können: Lass es Geld regnen!« Eine zu diesem Zeitpunkt, da der von den vielen Hopp-Millionen offenbar in der Bundesliga etablierte Klub aus der Provinz viele Traditionsvereine sportlich wie finanziell abgehängt hatte, zwar sehr populäre, aber auch populistische Meinung. Nicht zu Unrecht hatte bereits ein Jahr zuvor der Journalist Winand von Petersdorff in der »Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung« festgestellt, dass »die Art und Weise, wie sich die Clubs finanzieren, (…) durchaus vielfältig und nicht selten schlicht unseriös (ist)«. Und weiter: »Borussia Dortmund, aus dessen Fangruppen die rüdesten Hopp-Beschimpfungen kamen, hat die Lizenzspielerabteilung 2000 an die Börse gebracht. 2002 wurde der Club dank teurer Einkäufe Meister, danach verschwand das Vermögen des Vereins in Atem raubender Geschwindigkeit. Schon 2004 brach Borussia fast unter den Schulden zusammen.« Auch wenn Watzke schon 2009 für einen anderen BVB stand, seine Rechtfertigung gegenüber den Aktionären hätte er sich sparen können.

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