Dortmund-Schalke im Terrarium

Aus der Froschperspektive

Das Derby schlägt sich im Privatleben nieder. Von der Wahl der Freunde bis hin zu Frotzeleien am Arbeitsplatz. Auch in der Natur wollen Schwarz-Gelb und Blau-Weiß einfach nicht miteinander – zumindest bei den Pfeilgiftfröschen. Dortmund-Schalke im TerrariumArchiv Nicht nur die Menschen im Ruhrgebiet pflegen den Unterschied zwischen Schwarz-Gelb und Blau-Weiß. Auch die Tierwelt Südamerikas weiß zwischen den Farbkombinationen zu unterscheiden - allen voran die Pfeilgiftfrösche. Schwarz-Gelb und Blau-Weiß geht dort einfach nicht zusammen, denn: »Die stellen schon in der siebten Generation selbst die Vermehrung ein«, weiß der erfahrene Zuchtexperte Walter Seil aus Bönen, der ein derartiges Experiment längst unter »misslungenes Design« abgeheftet hat. Erstrebenswert sei stattdessen der »Erhalt der Natur mit besten Standards«, weshalb er für Schwarz-Gelb sogar international die besten Vererber sucht, um erstklassig zu bleiben.

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Prächtige Körperfarben


Der pensionierte Bergbauingenieur züchtet Frösche, genauer so genannte Pfeilgiftfrösche, sechs bis sieben Zentimeter kurz mit kräftig-prächtigen Körperfarben. Sie tragen ihren Namen zurecht, denn sie sind 5000 Mal giftiger als Zyankalie. Die Dosis nur einer dieser zierlichen Amphibien würde 20000 Mäuse oder zehn Menschen töten können. Allerdings dieses auch nur in Freiheit, und das unterscheidet die rund 500 domestizierten und deshalb ungiftigen Exemplare von Walter Seil entscheidend von ihren frei lebenden Artgenossen.        

Der 60-jährige Züchter ist, wie er selbst sagt, Hobbyist und hat sich an seinen kleinen Stars »festgebissen«. Neben diesem »gewissen Schwachsinn« (Seil) ist er aber auch Fan von Borussia Dortmund, was wiederum seine Vorliebe für die kleinen Schwarz-Gelben erklären mag, die er allerdings mit vielen seiner Kollegen teilt. Die Heimat dieser tagaktiven Tierchen sind die tropischen Regenwälder, ihre Grundfarbe ist gelbschwarz, das Sozialverhalten gesellig und die Weibchen sind größer als die Männchen. In Seils Züchtung sind beispielsweise wunderschön gezeichnete Exemplare der Gattung »Mystericus« und »Fantasticus« zu finden, aber auch schwarzblau gezeichnete mit der durchaus treffenden Bezeichnung »Imitator« oder mit einem schon stärkeren blauen Einstich namens »Lehmanni«.

Die Suche nach dem Jubiläumsfrosch


So zufällig wie trefflich auch letztere Bezeichnung ist, das Bestreben von Walter Seil, ausgerechnet in diesen Wochen und Monaten des Jahres´09 eine besondere Variante der Schwarz-Gelben zu züchten, will er eher seinem unermüdlichen Bestreben geschuldet wissen, »Natur natürlich zu erhalten«, denn dem BVB-Geburtsjahr vor 100 Jahren. Hier wie da natürlich mit Ahnenforschung. »Designerfrösche wie in den USA mit Inzucht-Farbvarianten« lehne er jedenfalls ab. Weshalb er auch lange nach dem geeigneten Weibchen für sein männliches Prachtexemplar schwarz-gelber Schöpfung gesucht hat. Gefunden hat er sie am Niederrhein (Aachen?): »Sie sind jetzt seit vier Monaten zusammen und haben schon das zweite Gelege.«

Ihr Streben gilt offenbar ausschließlich der Fortpflanzung – konzentriert und zielstrebig, ohne lange zu Quaken: »Nein, sie zirpen sehr leise wie Grillen und manchmal singen sie sogar«, berichtet der Züchter: »Das Weibchen streichelt beim Vorspiel immer wieder ihren Partner und beide tänzeln durchs Terrarium.« »Bis zu drei Tage lang, dann legt er seinen Samen ab und sie darauf die Eier.« Kaum sind die kleinen Quabben von den Alten zu kleinen Wasserstellen gebracht und versorgt, widmen die sich wieder ihrem Streichel-Spielchen. Damit ist die Präsenz der Mysteriösen und Fantastischen wenigstens über die nächsten Jahrzehnte in der Champions League der Pfeilgift-Frösche gesichert. Auch wenn Seil weiß: »Die Männchen werde oftmals von ihren Weibchen sexuell überfordert und in den Tod getrieben, und das mit dem Küssen und dem Prinzen ist völliger Quatsch.«

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