Dortmund-Schalke in der Spielanalyse

Mit Dreierketten spaßt man nicht!

Jürgen Klopp experimentierte im Revierderby überraschend mit einer Dreierkette – und scheiterte. Doch dem BVB fehlten gegen Schalke 04 nicht nur viele verletzte Stammspieler, sondern auch die Kreativität. Die 11FREUNDE-Spielanalyse

An und für sich lassen sich die Saisons von Schalke und Dortmund auf einen einfachen Nenner bringen: Wenn am Ende ein Team sechs Punkte aus den Derbys holt, ist es praktisch egal, wie viele sie in den anderen Spielen gewinnen – die Fans sind zufrieden.  Schalke begann die Operation „Endlich wieder Nummer Eins im Pott!“ im gewohnten 4-4-1-1-System, Lewis Holtby agierte hinter der Sturmspitze Klaas-Jan Huntelaar. Gegen das Schalker System stellte Klopp ungewohnt auf: Er schickte eine Dreierkette auf das Feld. Sven Bender übernahm die Rolle im Zentrum, die nominellen Außenverteidiger Lukas Piszczek und Kevin Großkreutz agierten als Flügelverteidiger.

Eine Dreierkette will gelernt sein

Klopp erklärte nach dem Spiel, er wollte mit dieser taktischen Maßnahme auf die zahlreichen Verletzungen reagieren. Zum einen fehlte ihm mit Marcel Schmelzer der etatmäßige Linksverteidiger, zum anderen saß mit Jakub Blaszczykowski und Mario Götze der gesamte rechte Flügel auf der Tribüne. Klopps Plan war es, mit einem zusätzlichen Innenverteidiger die Außenverteidiger von der Defensivarbeit zu befreien, damit diese offensive Akzente setzen können. Gerade Rechtsverteidiger Lukas Piszczek sollte vorstoßen und der rechten Angriffsseite Leben einhauchen.
Das Problem: Eine Dreierkette ist nicht leicht zu spielen, besonders wenn die meisten Akteure keine Erfahrung damit haben. Die Laufwege der Dortmunder wirkten in vielen Situationen improvisiert. Im Mittelfeldzentrum waren Moritz Leitner und Ivan Perisic überfordert, sie positionierten sich im Spielverlauf entweder zu hoch oder zu breit. Die Dortmunder hatten so praktisch kein zentrales Mittelfeld, das sie im Spielaufbau anspielen konnten. Dadurch dass auch Piszczek zu weit aufrückte, ballten sich die Spieler auf dem Flügel und an der gegnerischen Abseitslinie. Mats Hummels und Neven Subotic blieben im Spielaufbau nur lange Bälle oder der Querpässe. Statistisch gesehen gingen über die Hälfte ihrer Pässe zum Neben- und nicht zum Vordermann.



Schalke musste sich in der Defensive gegen derart uninspirierte Dortmunder kaum anstrengen. Sie bauten ihre zwei Viererketten auf und verschoben gewissensvoll, die langen Bälle fing Benedikt Höwedes ab – er gewann die meisten Zweikämpfe aller Spieler auf dem Feld (21) und hatte mit einer Zweikampfbilanz von 80% einen Spitzenwert. Auch offensiv hatten die Schalker schnell ein Übergewicht. Sie schafften es oft, Lewis Holtby freizuspielen, da Leitner und Perisic die Zentrale entblößten. Zudem kamen sie auf den Außen einige Male hinter den Dortmunder Außenverteidigern an den Ball, so auch vor dem 0:1 durch Afellay (14.).

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