Dortmund-Mainz in der Spielanalyse

»Eine völlig falsche Grundordnung«

Jürgen Klopps Dortmunder gleiten von Erfolgserlebnis zu Erfolgserlebnis. Der FSV Mainz konnte sie am Samstagabend nicht stoppen, auch weil Tuchel in der ersten Halbzeit eine falsche Strategie wählte. Die 11FREUNDE-Spielanalyse. Dortmund-Mainz in der Spielanalyseimago

»Ich habe in der ersten Halbzeit einen völlig falschen Ansatz, eine völlig falsche Grundordnung gewählt«, sagte Tuchel im Interview nach dem Spiel reumütig. In der Tat konnten die Mainzer mit ihrem 4-1-4-1 den Dortmundern in Hälfte Eins nur wenig entgegensetzen. Es hakte an vielen Stellen.

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Zum einen funktioniere Ihr Offensivpressing nicht gut. Die nominellen Außenstürmer Choupo-Moting und Müller stießen oft in die Mitte, um zusammen mit Zidan die spielstarken Innenverteidiger des BVBs unter Druck zu setzen. Diese überspielten sie jedoch klug und nutzten den entstehenden Raum auf den Flanken. Schmelzer (98 Ballkontakte, Saisonbestwert) und Piszczek (80) nutzten ihre Freiheit und ließen den Ball laufen, Gündogan (88) verband die Flügel gut. Mainz lief daher in der ersten Halbzeit meist nur hinterher (68 Prozent / 32 Prozent Ballbesitz).



Auch das Defensivnetz der Mainzer war löchrig.  Die drei zentralen Mittelfeldspieler schlossen zwar klug die Räume in der Zentrale gegen den umtriebigen Kagawa. Wenn dieser sich jedoch auf die Sechserposition zurückfallen ließ, konnte er ohne Gegenwehr das Spiel machen. Auch die Innenverteidiger wurden beim Herausrücken sträflich vernachlässigt, zu sehen beispielsweise beim 0:1-Treffer, den Hummels aus dem Rückraum vorbereitete (26.). Außerdem fehlte den Mainzern offensiv jegliche Durchschlagskraft. Der eher klein gewachsene Zidan konnte hohe Bälle nicht behaupten, dem Flachpassspiel fehlte es stark an Präzision – statistisch kamen nur zwei von drei Pässen der Mainzer an. Magere zwei Torschüsse konnte Tuchels Team bis zur Pause verbuchen.

Wechsel bringen Verbesserung

Das Offensivspiel der Rheinland-Pfälzer verbesserte sich erst in Hälfte zwei, als Choupo-Moting als zweiter Stürmer agierte. Mit einer weiteren Anspielstation in der Spitze konnte der FSV seine Konter besser fahren und wurde spielgenauer. Wirklich Druck erzeugten sie erst, als Tuchel in der 59. Minute risikoreich einwechselte. Mit Szalai kam ein weiterer Stürmer, Zidan agierte nun als »falscher Zehner« hinter den beiden Spitzen. Zusammen mit den aufgerückten Mittelfeldspielern bauten sie viel Druck in der gegnerische Hälfte auf und gewannen zahlreiche Zweikämpfe (bis zur 60. Minute knappe 50 Prozent, ab der 60. fast 65 Prozent). Mit Szalai als Zielspieler konnten sie zudem vermehrt auf hohe Bälle setzen. Eine dieser hohen Flanke leitete der Ungar zu Zidan weiter, der den Ausgleichstreffer erzielte (74.).

Allerdings wurden die Mainzer durch die aggressive Spielweise defensiv anfälliger. Die Mittelfeldspieler standen sehr hoch, so dass der BVB zu Kontermöglichkeiten kam. Nach dem Führungstreffer ließ sich auch erkennen, dass es mental für viele Spieler schwierig ist, nach einem Ausgleich von totaler Offensive auf eine defensivere Spielweise umzustellen. Das Mainzer Glück währte nur wenige Minuten, ehe Kagawa den Ausgleich negierte (77.). In dieser entscheidenden Situation waren die Mainzer Spieler zu weit von ihren Gegenspielern entfernt. Am Ende brachten Tuchels taktische Wechsel nichts Zählbares – der BVB fand schnell auf die Siegerstraße zurück und bleibt auf dem Weg zur zweiten Meisterschaft in Folge.

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