Dortmund-Gladbach in der 11FREUNDE-Analyse

Favre fehlt der Plan B

Zwei gefeierte Trainer, nur einer mit dem richtigen Plan: Während Jürgen Klopp auf die Fehler der vergangenen Spiele reagierte, fehlte Gladbachs Lucien Favre schlichtweg Plan B. Dortmunds 5:0 gegen Borussia Mönchengladbach in der 11FREUNDE-Analyse.

Borussia gegen Borussia, das ist das Duell der zwei stärksten Abwehrreihen der vergangenen Saison. In der ersten Halbzeit unterstrichen beide Teams diesen Ruf. Das Pressing der Dortmunder und der Gladbacher ähnelt sich: Beide Teams versuchen aus einem 4-4-2 heraus, den Gegner unter Druck zu setzen. Die Gladbacher schafften es zu Beginn gut, Mats Hummels unter Druck zu setzen. So musste Neven Subotic das Aufbauspiel der Dortmunder leiten, was in der Anfangsphase zu einigen hohen Bällen und Ballverlusten führte.

Klopp zieht Lehren aus zuletzt sechs Gegentoren

Die Dortmunder Abwehrreihe brauchte unter diesem hohen Druck einige Minuten, ehe sie sich sortiert hatte. Man merkte der Viererkette eine leichte Verunsicherung nach sechs Gegentreffern in den vergangenen zwei Spielen an. Die Probleme des Teams waren in den letzten Partien aber auf den Sechser- und auf den Außenpositionen zu finden: Die Sechser rückten zu weit auf und ließen Räume zum Kontern vor der Abwehr offen; die Außenstürmer unterstützten die Außenverteidiger nicht, so dass Schmelzer und Piszczek zu viele Situationen im Eins-gegen-Eins lösen mussten – was nicht gerade ihre Stärke ist.

Klopp betonte vor dem Spiel, diese Probleme angehen zu wollen. Aus diesem Grund agierte die Mittelfeldreihe tiefer als gewohnt, Linksaußen Marco Reus und der neu ins Team gerückte Ilkay Gündogan dachten zunächst defensiv und beteiligten sich kaum am Pressing. In den ersten Minuten konnten die Gladbacher so ohne gegnerischen Druck zu drei guten Bällen hinter der Dortmunder Abwehr ansetzen.

Erst nach rund zehn Minuten funktionierte das Pressing der Dortmunder besser. Sie waren vor allem auf Ballgewinne auf den Außen bedacht. Speziell Juan Arango setzten sie unter Druck. Die Aufstellung des defensiv starken Jakub Blaszczykowski ergab hierbei Sinn, er nahm Arango nach den ersten zehn Minuten komplett aus dem Spiel. Nur 60% von Arangos Pässen fanden die Mitspieler.

Dortmunds schlägt vor der Pause zweimal zu

Da auch die Gladbacher in ihrem kompakten 4-4-2 keine Räume unbesetzt ließen, gab es zwischen der 20. und der 35. Minute auf beiden Seiten keinen einzigen Torschuss. Die Dortmunder hatten allerdings mehr Spielanteile. Im Passspiel waren genauer als die Fohlen (86% zu 79% in Halbzeit Eins), Klopps Team war anzumerken, dass sie wesentlich eingespielter sind als die noch nicht harmonierenden Gladbacher.



Doch erst in der 35. Minute kam der BVB wieder gefährlich vor ter Stegens Kasten. In dieser Situation war das starke Pressing der Dortmunder auf den Außen zu erkennen: Götze tauschte die Position mit Reus, zusammen mit Schmelzer setzte er die rechte Seite der Gladbacher effektiv unter Druck. Schmelzer spielte den Ball direkt weiter zu Reus, der sich mit viel Glück und etwas Können an der Gladbacher Abwehr vorbeischummelte und den Führungstreffer erzielte.

Kurze Zeit später nutzte Klopps Team mit einer klugen Eckballvariante die Schwächen aus, welche die Gladbacher Raumdeckung bei Standards mit sich bringt: Anstatt die Ecke direkt in den Strafraum zu schießen, legte Marcel Schmelzer den Ball zurück ans Sechszehner-Eck zu Blaszczykowski. Da im Sechszehner  bei einer Raumdeckung die Mann-zu-Mann-Zuordnungen fehlen, sind solche Flanken schwer zu verteidigen – die Abwehr muss gleichzeitig herausrücken und darauf achten, die Positionen richtig zu besetzen, was schwerer ist als sich an seinem direkten Gegenspieler orientierten zu können. Dies ist in diesem Falle nicht gelungen, drei Gladbacher orientierten sich in Richtung des zweiten Pfostens, im Zentrum des Strafraums waren sie jedoch in Unterzahl. Torschütze Subotic hatte in zentraler Position vor dem Tor keinen Gegner bei sich, er konnte locker einnicken. Hohe Bälle sind diese Saison ohnehin eine Schwachstelle der Gladbacher, Subotic‘ Treffer war bereits ihr fünftes Gegentor durch einen Kopfball.

Gladbach ohne Plan B

Diese zwei Tore entschieden früh das Spiel, denn Gladbach fehlt im Falle eines Rückstands ein Plan B. Es mag seltsam klingen, doch die Tatsache, dass sie am Ende fünf Tore kassierten, zeugt nicht von einer schwachen Abwehrleistung, im Gegenteil: Die erste Halbzeit verteidigten sie extrem stark. Vielmehr hatte es mit den Eigenarten ihres Systems zu tun.

Lucien Favre ist versteift auf sein 4-4-2 mit der kompakten Verteidigung und dem schnellen Ein-Kontakt-Fußball. Dieses System funktioniert bestens, wenn Gladbach nicht gezwungen ist, ein Tor zu schießen – dann haben sie die defensive Klasse und die offensive Ruhe, Lücken in der gegnerischen Abwehr zu öffnen. Mit diesem System gibt es bei Rückstand jedoch nicht viele Möglichkeiten, den Gegner unter Druck zu setzen und früher zu Ballgewinnen zu kommen, außer einem offensiveren Pressing. Variationen in der taktischen Grundordnung oder taktische Veränderungen wie hohe Bälle kennt Favres Spielsystem nicht.

Gegen Dortmund hatte dies zur Folge, dass sich das eigentlich kompakte System zu sehr in die Länge zog. Die Mittelfeldreihe rückte weit auf, die Dortmunder konnten den Raum zwischen den Linien frei bespielen. Da dem Gladbacher Pressing in der vordersten Linie Leidenschaft und Aggressivität fehlten, konnte Dortmund immer wieder Götze und Reus freispielen. Der Meister fuhr Konter um Konter, am Ende erhöhten sie auf 5:0. Am Ende blieb für Jürgen Klopp sogar noch Zeit, Mats Hummels auf der Sechserposition zu testen – Freundschaftsspiel-Atmosphäre dank fehlendem Plan B der Gladbacher und starkem Kombinationsspiel der Dortmunder.

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