Dortmund feiert seinen Torschützen Robert Lewandowski

Lobgesang für den Bolshoi-Tänzer

Er ist eine Mischung aus tänzelnder Eleganz und ionischer Säule: Gestern hat BVB-Stürmer Robert Lewandowski mal wieder bewiesen, wie wichtig er für seine Mannschaft ist. Sein Tor gegen Ajax verhindert auch unangehme Diskussionen.

Es gibt wirklich Momente, in denen Jürgen Klopp nichts mehr einfällt. Beim inoffiziellen Weltmeister der Fußballrhetorik, dem eigentlich immer etwas einfällt, sind sie bekanntlich ziemlich rar. Und selbst wenn es mal so weit ist, lässt sich der Trainer von Borussia Dortmund nichts anmerken und lacht die Leere weg. Dieses Ich-muss-mich-mal-sammeln-Lachen hat einen leicht meckrigen Unterton, so als wolle sich Klopp beim 1.FC Köln darum bewerben die Nachfolge von Geißbock Hennes VII. anzutreten. In diesem Stil mecker-lachte Klopp auch nach dem 1:0-Sieg über Ajax Amsterdam, versuchte das Spiel als Folge eines erfolgreich ausgeführten großen Plans zu verkaufen und man wusste: Der Mann war einfach nur erledigt.

Nur drei Minuten waren er und sein Team davon entfernt gewesen, dass es zum Start der Champions League einen schwarz-gelben Murmeltiertag gegeben hätte. Dann hätte der BVB in den nächsten Wochen wieder ellenlange Auslassungen über fehlende internationale Reife oder Klasse oder sonstwas anhören müssen. Dann hätten sie wieder »so eine doofe Ausgangsposition wie in der letzten Saison« gehabt, wie Mats Hummels das nannte. Der sich überdies auch hätte was anhören müssen, weil er in der 58. Minute einen Elfmeter so labberig verschoss, dass jeder im Stadion dachte: Die sind doch total Psycho.

Dortmunds Offensive wirkte wie ein Haufen Schulkinder auf der Jagd nach Schokoriegeln

Weit waren sie also nicht entfernt von diesem multiplen »hätte«. Denn ziemlich lange konnte man den Borussen im ersten Spiel der diesjährigen Champions League beim Denken zuschauen, und bekanntlich sollte man das beim Fußball besser auf ein handhabbares Mindestmaß reduzieren. Marco Reus dachte bei seinem ersten Spiel im größten Vereinswettbewerb der Welt besonders viel, und schon war ihm der Ball vom Fuß gesprungen. Seine Kollegen hingegen rannten in der ersten Halbzeit mit der Aufgeregtheit von Schulkinder bei der Verteilung von Schokoriegeln in die vorderste Reihe, so dass sie sich dort gegenseitig fast über den Haufen liefen.

Leidtragender dieses Rush war der - neben Torhüter Roman Weidenfeller als Retter aus peinlichen Defensivaussetzern - beste Dortmunder: Robert Lewandowski. Sein Loblied kann sowieso nicht laut genug gesungen werden, denn gegen Ajax schoss der Pole nicht nur den Siegtreffer, sondern das auch noch in ganz großem Stil. Drei Minuten vor Schluss, mit all dem Psychogedöns in Sicht, noch einen eleganten Zusatzwackler einzubauen, um gänzlich freie Bahn zum Tor zu haben, das war nicht weniger als Weltklasse. Überhaupt gibt es in Europa nur wenige Stürmer, die so sehr das fußballerische Gegenstück zur eierlegenden Wollmilchsau sind wie er. Lewandowski behauptet den Ball in der Spitze nicht nur mit der Standfestigkeit einer ionischen Säule, er vermag ihn auch mit der Eleganz eines Bolshoi-Tänzers an die Kollegen zu verteilen, die ihn zum Spielmacher im Gewand eines Mittelstürmers macht. Und schließlich macht er die Dinger auch noch rein, mehr kann man nicht wollen.

Lewandowski vs. die Geister von Gestern

Letztlich bewahrte er seine Mannschaft vor so einem Haufen Nervdebatten, dass sie ihn heute noch auf Schultern über den Trainingsplatz tragen müssten. Und morgen auch. Sebastian Kehl durfte Lewandowski sei Dank ungewohnt drastisch sagen, dass er »die Schnauze voll« hätte von dem ganzen Gerede darüber, ob der BVB nun Champions League könne oder nicht. Ohne des Polen Geistesblitz hätte er schweigen oder komplizierte Verteidigungsreden schwingen müssen. In zwei Wochen bei Manchester City wird es für Borussia Dortmund auch deshalb ganz toll werden, denn sie werden dort einfach nur die Partie am zweiten Spieltag der Champions League absolvieren müssen und nicht mehr gegen die Gespenster von Gestern antreten.

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