Dortmund-Bayern in der Spielanalyse

Guardiola, der stille Gewinner

Pep Guardiola stellte gegen Borussia Dortmund seine ganze Klasse als Trainer unter Beweis. Seine Wechsel drehten ein Spitzenspiel, in dem Dortmund lange Zeit die besseren Chancen hatte. Die 11FREUNDE-Taktikanalyse.

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In den vergangenen Jahren war Borussia Dortmund der Angstgegner der Bayern. Jürgen Klopp hatte stets den richtigen Matchplan, um dem Ballbesitzspiel der Bayern zu begegnen. Auch am Samstag bewies Klopp, dass selbst seine B-Elf den Rekordmeister ins Schwitzen bringen kann. Doch vor allem belegte der Abend die neue Facette, die das Bayern-Spiel durch Pep Guardiola gewonnen hat: die taktische Flexibilität.

Martinez, der falsche Zehner

Die erste Halbzeit war geprägt von einem taktischen Kniff Guardiolas. Er entschied sich, Javi Martinez als offensiven Mittelfeldspieler einzusetzen. Damit reagierte Guardiola auf die Dortmunder Konterstärke, Martinez sollte im offensiven Zentrum kratzen und beißen, um die Dortmunder Gegenstöße bereits im Ansatz zu ersticken. Dies gelang dem Spanier recht gut; oft musste Dortmund den Rückpass zu Roman Weidenfeller oder den eher spielschwachen Innenverteidigern suchen.

Für das Offensivspiel der Bayern bedeutete Martinez' hohe Rolle, dass sich Toni Kroos und Philipp Lahm tiefer fallenlassen konnten. Die ballsicheren Nationalspieler bauten das Spiel aus der eigenen Hälfte auf. Guardiola scheute scheinbar das Risiko gegen das traditionell starke Pressing der Dortmunder. Dementsprechend abwartend war das Spiel der Bayern. In der ersten Viertelstunde hatten sie 75 Prozent Ballbesitz, ohne aber allzu oft in die gegnerische Hälfte zu passen. Martinez verpasste es als Zehner, Räume für Vertikalpässe zu öffnen.

Erst als die Borussia etwas früher presste, kam etwas Schwung in den Signal-Iduna-Park. Nuri Sahin schob höher und verfolgte Lahm und Kross, sodass beiden weniger Zeit am Ball blieb. Die Bayern taten sich überraschend schwer mit diesem Pressing und bauten vermehrt auf lange Bälle. Die Dortmunder gewannen jedoch 60 Prozent der Luftduelle, sodass die Bayern reichlich ineffektiv blieben.

So hatten die Dortmunder vor dem Pausenpfiff die besseren Chancen. Kevin Großkreutz beackerte unermüdlich den rechten Flügel. Fast 50 Prozent der Dortmunder Angriffe liefen über seine Seite. Am Ende waren Großkreutz und Jakub Blaszczykowski an fünf der sieben Dortmunder Torschüsse beteiligt.

Guardiola stellt seine Klasse unter Beweis

In der zweiten Halbzeit bewies Guardiola, warum ihm der Ruf eines Taktikfuchses nacheilt. Seine Wechsel sollten das Spielgeschehen erheblich beeinflussen. Zunächst brachte er mit Mario Götze einen Stürmer, der sich häufiger zurückfallen ließ. Mit dem später eingewechselten Thiago Alcantara besetzte Götze das offensive Zentrum, das zuvor allzu oft leer blieb. Martinez ging dafür in die Innenverteidigung.

Auf einmal setzten die Bayern nicht mehr auf lange Bälle, sondern auf kurze, flache Kombinationen durch das Zentrum. Geschickt verlagerten die Münchener das Spiel vom Zentrum auf die Flügel und wieder zurück. Dortmunds enge Viererketten wurden zur Ziehharmonika – erst standen sie kompakt im Zentrum gedrängt, um dann auf die Flügel herauszuschieben. Pass in die Mitte, Pass nach Außen und wieder zurück in die Mitte - die Bayern spielten dieses Spiel, bis Dortmunds Viererkette den einen, entscheidenden Fehler machte. Nach einer dieser Spielverlagerungen stand Mario Götze blank im Sechzehner, mit der Pike drückte er den Ball ins Tor.



Nach dem Treffer waren die defensiven Probleme der Bayern zu erkennen. Das Pressing und die Rückwärtsbewegung sind die beiden größten Baustellen. Dortmund kam trotz des Rückstands überraschend oft zu Gleichzahlangriffen. Doch selbst große Chancen vergab die Borussia.

Kurz vor Schluss stabilisierte Guardiola sein Team, indem er van Buyten einwechselte. Die Bayern agierten nun in dem aus der Vorsaison bekannten 4-2-3-1 – mit Martinez und Kroos auf der Doppelsechs und Lahm als Rechtsverteidiger. Aus diesem stabilen System heraus fuhren sie die zwei entscheidenden Angriffe und entschieden das Spiel.

Am Ende hieß der Mann des Abends nicht Lahm, Kroos oder Götze. Sondern Pep Guardiola, der mit seinen Wechseln das Spiel entschied.

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