23.02.2013

Doping im Fußball

Blut und Spiele

Seite 2/3: Maradona und Guardiolas Prozess
Text:
Gerd Nowakowski , Sven Goldmann und Michael Rosentritt
Bild:
Imago

Da war auch diese seltsame Gelbsucht-Epidemie, die so vielen Berner Helden zu schaffen machte und in deren Folge der Frankfurter Nationalspieler Richard Herrmann an einer Leberzirrhose starb, mit gerade 39 Jahren. Neuere Untersuchungen legen die Vermutung nahe, den Deutschen seien damals Amphetamine verabreicht worden. »Alles andere macht wenig Sinn«, sagt der Publizist Erik Eggers. »Vitamin C konnte man damals auch schon oral verabreichen, dazu brauchte man keine Spritzen.«

Maradona und andere positiv getestete Fußballer

Beim Argentinier Diego Maradona war die Indizienlast erdrückend, als er 1994 nach dem WM-Spiel gegen Nigeria zur Dopingprobe musste. Maradona, damals schon 33 Jahre alt und für die WM in den USA aus dem Ruhestand geholt, war wie aufgedreht über den Platz gerannt, im ersten Spiel gegen Griechenland hatte er sogar ein Tor geschossen und daraufhin wie ein Verrückter in eine Kamera gebrüllt. In seinem Urin fanden sich allerlei verbotene Substanzen, unter anderem Ephedrin. Maradona wurde gesperrt, stritt zunächst alles ab und bezeichnete sich als Opfer einer Kampagne der Fifa. Sehr viel später erzählte er, die komplette Nationalmannschaft sei schon im Qualifikationsspiel gegen Australien gedopt gewesen – »sie haben uns etwas in den Kaffee gemischt, damit wir mehr rennen«.
Auch der Klubfußball hat seine Dopingvergangenheit. Bei Juventus Turin erhielt Mannschaftsarzt Riccardo Agricola 2004 wegen der Verabreichung von Epo eine Haftstrafe von einem Jahr und zehn Monaten, in zweiter Instanz wurde Agricola freigesprochen. Wie übrigens auch ein Fußballheiliger der Gegenwart. Josep Guardiola kickte im Spätherbst seiner aktiven Karriere für Brescia Calcio und wurde Ende 2001 zweimal positiv auf Nandrolon getestet. Das Verfahren zog sich ein paar Jahre hin und fand mit Guardiolas Verurteilung zu vier Monaten Haft und 9000 Euro Geldstrafe nur ein vorläufiges Ende. Der künftige Bayern-Trainer beteuerte seine Unschuld, er trat den Gang durch die Instanzen an und wurde 2009 freigesprochen.

»Wer nicht schießen kann, trifft auch nicht mit 100 Tabletten«

Früher argumentierten Trainer wie Otto Rehhagel gerne, Doping würde im Fußball ohnehin nichts bringen: »Wer mit links nicht schießen kann, trifft den Ball auch nicht, wenn er 100 Tabletten schluckt.« Dass Dopingmittel im Kraft- und Ausdauersport Fußball sehr wohl große Vorteile bringen können, ist aber längst unumstritten.

Auch deswegen hat der DFB der Anti-Dopingkampf in den vergangenen 15 Jahren kontinuierlich ausgeweitet. In der Saison 1988 wurde in der Bundesliga, Zweiten Liga, Dritten Liga, Regionalliga, Frauen-Bundesliga und bei den Junioren insgesamt nur 128 Mal kontrolliert, in der vergangenen Saison 2011/2012 schon 1644 Mal. Rund 700.000 Euro im Jahr gibt der DFB für sein Anti-Dopingprogramm aus. In Erster und Zweiter Liga wird derzeit bei mindestens drei Partien pro Spieltag eine Dopingkontrolle durchgeführt. Im Training überprüft die Nationale Anti-Doping-Agentur Nada die deutschen Vereine und die Nationalmannschaft, vor großen Turnieren schicken auch Fifa und Uefa Kontrolleure in die Trainingslager. Die Fifa führt jährlich etwa 20.000 Kontrollen weltweit durch. 2008 wurden erstmals bei einer Europameisterschaft neben Urin- auch Bluttests durchgeführt.

 
 
 
 
 
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