10.11.2012

»Don Bratwurst« – Ein Bundesligakneipier in Barcelona

»Das war so Jesus-mäßig«

Björn Lenz lebt als »Don Bratwurst« in Barcelona und betreibt in der Welthauptstadt des schönen Fußballs eine Bundesligakneipe. Im langen Schatten von Camp Nou kann man hier deutsche Wurst essen, deutsches Bier trinken – und den VfL Wolfsburg oder Hoffenheim gucken.

Text:
Maximilian Zierer
Bild:
Gunnar Knechtel

Vilapicina ist eine ruhige Gegend. Hier oben wirkt Barcelonas Altstadt weit weg, obwohl es bis zu den Ramblas nur ein paar Metrostationen sind. Doch die Ruhe täuscht, denn vor der Bar mit dem Schild »Don Bratwurst – El Alemán« steht der Don selbst. Arme und Hände tätowiert, das schwarze T-Shirt spannt beträchtlich. Auf seinem Kopf ein abgewetzter Cowboyhut aus Stroh. In seiner Linken schwappt etwas Bier in einem Viertelliterglas. In der Nachmittagssonne plaudert er mit den ersten Gästen. »Hallo Freunde«, ruft er den Neuankömmlingen auf Deutsch entgegen. Es ist Samstag. In anderthalb Stunden beginnt die Bundesliga­konferenz.

Wurst, Messi und Rock ’n’ Roll
Björn Lenz hat viel erlebt, bevor er zu Don Bratwurst wurde. Nach der Schule ging er zum Bundesgrenzschutz und arbeitete später als Schornsteinfeger. »Ich wusste immer, dass ich mich irgendwann mal selbständig machen würde«, sagt er. Das war erst ein Musikgeschäft, vor zehn Jahren verkaufte er es und ging nach Spanien. Die Konstante im Leben des Vierzigjährigen ist der Rock ’n’ Roll. Als Bassist einer Rockabilly-Band kam Lenz nach Barcelona.

Im Don Bratwurst läuft Metallica. Durch das Eisentor am Eingang dringt nur wenig Tageslicht nach innen. Ein paar Kilometer weiter zelebrieren Messi und Iniesta Woche für Woche Hochglanzfußball, hier drinnen zieht der Geruch gebratener Würste von der Küche herüber. 25 Mann sitzen bei deutscher Wurst und deutschem Bier an Tischen mit rot-weißen Papierdecken und warten auf die Bundesliga. An den fettigen Wänden hängen handsignierte Trikots, Totenköpfe aus Plastik, alte Bierwerbungen aus Blech. Kurz vor Anstoß kommen Tom und Martin zur Tür herein. Beide um die 30. »Servus Freunde«, flötet der Don, »haut euch dahinten mit bei.« Die beiden setzen sich in die letzte Reihe zu einem Controller aus Dortmund.

 
 
 
 
 
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