Domino Day bei FIFA und UEFA

Die Idee mit dem Spielplan

Was denn noch alles? Die Verbände Fifa und Uefa planen offenbar den Spielplan zu revolutionieren. Gespielt werden soll zukünftig im Turnus des Kalenderjahres. Wir fragen uns, ob das wirklich gut gehen kann. Domino Day bei FIFA und UEFA

Deutschland liebt Dominosteine. Nicht umsonst verzeichnet RTL jährlich Rekordquoten für ein Fernsehshowungeheuer namens Domino Day. Das Konzept der abendfüllenden Sendung ist einfach: In einer riesigen Industriehalle basteln Menschen wochenlang daran, Millionen Dominosteine in verrückten Formen aufzubauen, die sie dann binnen Stunden zum Einsturz bringen. Die Zuschauer schalten pünktlich zum Startstein ein. Ein Spektakel.

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Auch in den Fußballverbänden Fifa und Uefa scheint man Fan von Dominosteinen zu sein. Warum sonst hätte man mit der Vergabe der WM 2022 ins Emirat Katar gleich den ersten von ihnen in Position gebracht? Denn eine Verlegung des ersten Wüsten-Weltturniers in die Wintermonate scheint unumgänglich. Zahlreiche Sportmediziner, Spieler, Trainer und nicht zuletzt Fifa-Präsident Sepp Blatter haben sich bereits für einen solchen Schritt ausgesprochen. Die Umsetzung ist also so gut wie beschlossen. So beginnt der erste Stein zu wanken. Ob Deutschland auch diesen lieben wird, ist fragwürdig.

Der Spielplan wird auf das Kalenderjahr übertragen

Denn dieser Schritt, so weit er auch in der Zukunft liegen mag, hat eine Diskussion in Gang gesetzt, die nun aus der Zentrale der Uefa neuen Zündstoff bekommt: Heute wurden Pläne der führenden Fußballverbände publik, die den Spielplan des Klubfußballs grundlegend revolutionieren wollen. Soll heißen: Der Spielplan wird auf das Kalenderjahr übertragen. Ab 2015 sollen Welt- und Europameisterschaften im Februar/März stattfinden, darauf folgen sieben Monate Klubfußball, Qualifikations- und Freundschaftsspiele der Nationalmannschaften gibt es nur noch ab November.

Ein Paukenschlag, den die Fifa postwendend dementierte: »Es gibt derzeit keine konkreten Pläne, den internationalen Spielkalender zu ändern«, hieß es in einer kurzen Erklärung der FIFA. Doch eines ist klar: jetzt wankt auch der zweite Stein.

Die Idee mit dem Spielplan – bahnbrechend?

Wie viele noch folgen werden, ist nicht abzusehen. Aber die Großverbände würden gut daran tun, ihre bahnbrechende Idee mit dem Spielplan noch einmal gründlich zu überdenken. Ansonsten droht dem Fußball eine Zerreißprobe. Denn wieder einmal scheinen die Oberen bei FIFA und UEFA zu vergessen, für wen der Fußball eigentlich gemacht sein sollte – für die Basis. Das sind Millionen Fans und Hobbyfußballern allein in Deutschland, die von diesen Fifa- und Uefa-Plänen nachhaltig betroffen wären. Kurzum: Eine Revolution des Spielplans träfe die Amateuerfußballer bis ins Mark. »Der Spielplan im Jugend- und Amateurbereich ist im Wesentlichen an die Rahmenspielpläne des DFB geknüpft«, weiß Carsten Voss, Referatsleiter für den Spielbetrieb beim Berliner Fußballverband. Das heißt, die Spieltage in den unteren Klassen würden auch auf das Kalenderjahr übertragen. Die Folgen sind beunruhigend: »Das Problem der Schulferien ist evident. Wir haben jetzt schon im Frauenfußball Probleme, denn viele Jugendspielerinnen sind bereits im Damenbereich aktiv. Wenn da der Spielbeginn in die Schulferien läuft, häufen sich hier die Beschwerden und der Frauenspielbetrieb wird teilweise lahmgelegt.«

Berlin trifft dabei noch ein weiteres Problem: »Wir haben viele ausländische Mitbürger, die die Sommerferien nutzen, um sechs Wochen in ihre Heimat zu fahren. Diese Spieler könnten dann entsprechend sechs Wochen nicht am Spieltbetrieb teilnehmen.« Die Folge: den Mannschaften fehlen die Spieler, der Spielbetrieb wäre gefährdet, die Basis würde still stehen. Ein Horror-Szenario. Schulferien mögen den Herren in Nyon und Zürich in Anbetracht ihrer Pläne nichtig vorkommen, aber kann der DFB sich wirklich erneut erlauben die Basis zu gängeln?

WM 2018 in der Halle – dank neuem Spielplan

Carsten Voss prognostiziert schon heute Gegenwind: »Bisher gibt es keine konkreten Planungen, aber wenn das in Zukunft kommen sollte, werden die Landesverbände mit Sicherheit ihr Veto gegen neue Rahmenterminpläne einlegen.« Klingt nach einer kleinen Revolution von unten.

Aber auch im Spitzenfußball drohen Konsequenzen. Natürlich ist der Gedanke an Ligafußball bei strahlendem Sonnenschein gerade in diesen trüben Tagen verlockend. Gegen Kaltschorle statt Glühwein hat keine Fankurve der Welt Gegenargumente. Doch wie voll sind die Stadien anno 2015 überhaupt noch? Sind wir ehrlich: Egal, ob Familienvater oder nicht, in Deutschland suchen die Menschen im Sommer die Ferne und verreisen. Das Szenario von halbvollen Stadien im Bundesligaalltag ist also kein wirres Hirngespinst. Denn bei aller Liebe zum Verein werden nur die Wenigsten auf ihren verdienten Urlaub im Ausland verzichten, um sich im prallgefüllten Regionalzug zum Auswärtsspiel nach Nürnnberg aufzumachen.

Durch den neuen Spielplan drohen Milioneneinbußen


Den Vereinen drohen so finanzielle Einbußen in Millionenhöhe. Die Verbände spielen mit ihrer, als Superlösung angekündigten Spielplan-Revolution, mit ihrem wichtigsten Gut: den Fans, die den Fußball zu dem Geldballon gemacht habe, der von Tag zu Tag höher steigt. Ist das wirklich so egal?

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Vielleicht holt die Fifa aber schon bald eine ihrer eigenen Ideen ein: Die Vergabe der WM 2018 nach Russland, die nach einem neuen Spielplan im Februar und März stattfinden könnte. Für gewöhnlich eine Zeit, in der man in Russland nur in Ausnahmefällen vor die Tür geht. Aber wer weiß, vielleicht spielt man 2018 nach zukünftigen Fifa-Plänen auch schon längst auf Kunstrasen – in der Halle. Und die Zuschauer können von zuhause in 3D das wahre Stadionerlebnis nachspielen.

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