Domenechs Grinsen beim Elfmeter

Raymond ne va plus

Auch Menschen, deren Herz nicht für Frankreich schlägt, sahen mit wachsender Beklommenheit, was die Equipe Tricolore gestern gegen Mexiko zu Wege brachte. Nämlich nichts. Und sie sahen einen Trainer, der beim 0:2 grinste.  Domenechs Grinsen beim Elfmeter Frankreich ist Vizeweltmeister. Das zwar nur noch gut drei Wochen. Und dennoch: Von dieser Mannschaft kann man mehr erwarten als Standfußball. So wie man ja eigentlich von jeder Mannschaft, die freiwillig einen Fußballplatz betritt, erwarten kann, dass sie sich bewegt.  

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Die Equipe Tricolore entzieht sich solchen Erwartungen. Gegen die Ehre, an einem solchen Turnier teilnehmen zu dürfen, ist sie immun, der Ehrgeiz, der daraus entstünde, ist nicht vorhanden. Ribéry hasst Malouda, will nicht, dass er spielt, der Rest der Mannschaft hasst aber Gourcouff, also spielt Malouda, der aber seinerseits Ribery hasst. Die Hölle, das sind die anderen.

Runter kommen sie alle. Aber warum so spät?

Der Teufel dieser Hölle ist Raymond Domenech. Ein Mann, der offenbar keine außerordentlich emotionale Beziehung zum Spiel hat – und es dennoch in die höchste Position des französischen Fußballs gebracht hat.

Runter kommen sie alle. Aber warum so spät? Domenech selbst bettelt seit geraumer Zeit auf offener Szene um seine Entlassung. Den Elfmeter, der zum 2:0 für die Mexikaner führte, verfolgte er mit dem Gesichtsausdruck eines Mannes, der von Ferne einen Auffahrunfall beobachtet: seltsam unbeteiligt, leicht belustigt, jederzeit bereit, auf dem Absatz kehrt zu machen und das Gesehene mit einem Milchkaffee hinunter zu spülen.

Dass er überdies Thierry Henry auf der Bank ließ, war eine unnötige Hänselei. Immerhin hat Frankreich nun seinen Märtyrer, die Person, an dem sich das »Was wäre gewesen, wenn...?« kristallisieren kann. Ein äußerst biegsamer Strohhalm, ebenso wie die nur noch rechnerisch vorhandene Chance, ins Achtelfinale vorzustoßen.

Es wäre Frankreich auch gar nicht zu wünschen, da es eine radikale Zäsur erschweren würde. Domenechs Nachfolger Laurent Blanc würde ein frühes Ausscheiden zu passe kommen. Er könnte ganz neu anfangen. Wer geht, wer bleibt – in seinem Kopf wird der Kader der Zukunft schon jetzt rotieren.

Der befreiendste aller Abgänge steht schon fest: Raymond Domenech, der Mann der beim Elfmeter grinste.

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