Dietmar Beiersdorfer über den Manager der Saison

»Michael macht bei Verbalduellen nicht mit«

Am Freitag küren wir im Rahmen der 11FREUNDE-Meisterfeier auch den Manager der Saison. Unsere Jury entschied sich in diesem Jahr für Michael Zorc. Einer, der ihn gut kennt kennt, hat für uns eine Laudatio geschrieben. Dietmar Beiersdorfer über Scharmützel, Demut und Zorcs Arbeitsweise.

11FREUNDE
Heft: #
128

Fußball ist ein Kampfsport, man bekriegt einander, wetteifert um den Sieg. Und doch habe ich Fußballer kennengelernt, die ich für ihre Integrität sehr schätze. Einer davon ist Michael Zorc.

Wir sind uns schon als Gegenspieler auf dem Platz begegnet, er beim BVB, ich beim HSV und später beim SV Werder. Schon damals habe ich Michael als echten Teamspieler wahrgenommen, immer zuverlässig, seriös und konstant. Er stand mit beiden Beinen fest auf dem Boden, war reflektiert und hat sich nie überschätzt. Aber, das muss man deutlich sagen, er hat sich auch nie unterschätzt: Er wusste ganz genau, dass er in der Lage war, Spiele zu entscheiden. 131 Bundesligatore kann schließlich nur einer schießen, der den Instinkt hat, zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein. 

Michael Zorc macht bei Verbalduellen nicht mit

Das ist nun fast zwei Jahrzehnte her. Aber im Grunde hat sich an Michaels Arbeitsweise nichts geändert, nur dass er das Trikot eben gegen einen Manageranzug eingetauscht hat. Noch immer stellt er sich in den Dienst seines BVB. Und wenn es sein muss, prescht er nach vorn und sorgt für die Entscheidung. Schön zu sehen, dass jemand sich treu bleiben kann, ohne auf der Stelle zu treten. Michael blieb nach der Titelverteidigung wohltuend bescheiden. Er kennt nun mal auch die Täler eines Fußballerlebens, hat Abstiegskämpfe hinter sich und bestimmt nicht vergessen, dass der BVB vor acht Jahren noch am Abgrund stand. Das lehrt Demut. Einer wie Michael vergisst diese Lektion auch in der Stunde des Triumphes nicht.

Zwar ist er durchaus in der Lage, sich gegen die Anwürfe der Münchner »Abteilung Attacke« zur Wehr zu setzen, aber eigentlich macht er bei diesen altbekannten Scharmützeln und Verbalduellen nicht mit. Er ist lange genug im Geschäft, um zu wissen, dass man dabei nur den Kürzeren ziehen kann. Das hilft ihm, eine Spur gelassener als die Kollegen vom Rekordmeister zu wirken. Sein Stilmittel ist es, sich niemals arrogant zu zeigen, aber trotzdem selbstgewiss aufzutreten. Er weiß, was seine Mannschaft zu leisten im Stande ist.

Sein Glück kann man nicht nur beim FC Bayern finden 

Dass diese Mannschaft so geschlossen auftritt, ist auch sein Verdienst. Er achtet sehr genau auf die menschliche Komponente bei der Kaderzusammenstellung und ist auch in schlechteren Zeiten extrem loyal. Das kommt zurück: Die Spieler entwickeln sich vor allem deshalb so toll, weil sie wissen, dass sie mal einen Fehler machen dürfen. Das spricht sich herum und ist ein gutes Argument, mit dem der BVB die finanziellen Nachteile gegenüber Mitbewerbern kompensieren kann. Wenn sich der Erfolg nun auch in der Champions League einstellt, wird das endgültig Begehrlichkeiten großer Vereine wecken. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass Michael die Strukturen aufrechterhalten wird, die es dem BVB ermöglichen, sich immer wieder zu erneuern, ohne Qualitätsverluste zu erleiden. Man merkt ihm jedenfalls an, wie sehr er sich auf die kommenden Herausforderungen freut. Er will den Verein international etablieren und dem Druck standhalten, der dadurch entsteht.

Er selbst ist bei diesem Prozess die große Konstante. Seit 34 Jahren ist dieser Mann nun schon im Verein! Seine Bestimmung ist es, beim BVB zu arbeiten, den BVB zu leben. Selbst wenn sein Partner Jürgen Klopp sich eines Tages neu orientieren sollte, wird er bleiben. Damit ist er der lebende Beweis für den Satz, den er womöglich schon zu manchem Spieler gesagt hat: Sein Glück kann man nicht nur beim FC Bayern finden.

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