Dienstagskolumne: Wenn der Rivale zum Freund wird

Schlaf nicht mit den Schweinepriestern

Da hat man jahrelang Anti-Lieder intoniert und den Hass auf den anderen Verein sorgsam gepflegt, und dann findet man bestimmte Seiten des Rivalen doch ganz nett. Obacht also, warnt unser Kolumnist Frank Baade, bei der gepflegten Rivalität. Dienstagskolumne: Wenn der Rivale zum Freund wird

Die 11FREUNDE-Dienstagskolumne: Jede Woche machen sich  Lucas Vogelsang, Titus Chalk, Frank Willmann und Frank Baade im Wechsel Gedanken üb er den Fußball, die Bundesliga und was sonst noch so passiert. Wenn unser heutiger Kolumnist Frank Baade nicht gerade für uns drei Kleinode zusammenstellt, schreibt er auf seiner Webseite über den Fußballgott und dessen irrationales Wirken in den Bundesligen und den großen Turnieren dieser Fußballwelt.

1.
Schlaf nicht mit den Schweinepriestern

Man kennt die Legende, die besagt, dass man – sowohl Männlein als auch Weiblein – nicht mit anderen Menschen schlafen soll, die man eigentlich nicht leiden kann. Durch diese Handlung würden bestimmte Hormonfabriken intensiv zur Produktion angeregt, die einem dieses dings, na, dieses »Verliebtsein« vorgaukeln. Das ist jener Zustand, in dem das Hirn – eigentlich die beste, wichtigste und auch verlässlichste Einrichtung des Menschen – zu nichts anderem als einer klebrigen Masse Mousse zerschmilzt und seinen Besitzer für einige Monate zum willenlosen Spielball dieser kleinen Handlungsanweisungsbotschaftsträger degradiert. Woraufhin er sich tatsächlich in jene Menschen verliebt, die man eigentlich überhaupt nicht mochte und nur der Umstände wegen, man ist halt Fleisch und Blut, zusammen dort gelandet war. Dann hat man den Salat und ist in jemanden verliebt, den man nicht leiden kann.

Analog ist eingehend davor zu warnen, Dokus zu schauen oder Chroniken zu lesen, die sich mit Fußballvereinen bzw. -mannschaften beschäftigen, die man partout nicht ausstehen kann. Direkter Kontakt zu all den Fährnissen in der Historie dieses Clubs, welche Schwierigkeiten er alle zu durchstehen hatte und trotz der Probleme immer noch existiert, unter anderem wegen dieses rührigen Hausmeisters/Platzwarts/Bürgermeisters, der all seine Zeit und sein Geld in den Verein investierte, führen dazu, dass man in vielen Fällen Sympathie für einige der Handelnden empfindet, obwohl man das zuvor nie konnte: Sympathie für Verein x, y, oder z aufbringen. Plötzlich ist das, was man nie mochte, ein Verein mit einer Historie, die den Leser mit Identifikationsmöglichkeiten überschwemmt. Hat man die Doku zu Ende gesehen, die Chronik zugeschlagen, wird es schon deutlich schwieriger mit dem Hassen und Verabscheuen. Nur die Standhaftesteen bleiben da hart und bei ihrer entschiedenen Abneigung.

Obacht also, liebe Freunde der gepflegten Rivalität.

2.
Die Pokale der Kontinentalmeisterschaften (der Länder)

Gerade läuft ja in Gabun und Äquatorialguinea die 2012er-Ausgabe des Afrika-Cups, in diesen Minuten findet das Eröffnungsspiel zwischen Äquatorialguinea und Libyen statt, da kann man schon mal der Frage nachgehen, um welchen konkreten Pokal es bei diesem Kontinentalturnier überhaupt geht.

Denn erstaunlicherweise führen die Trophäen selbst, um die es ja neben dem Titel bei solch einer Veranstaltung geht, ein ziemliches Schattendasein, bei allen Kontinentalmeisterschaften. Den World Cup kennt natürlich jeder, in diesen Breiten kennt man auch den Pokal der Europameisterschaft, der nur aus Gründen der Vollständigkeit unten in der Liste auftaucht, aber die Pokale der anderen Bewerbe auf diesem Planeten sind doch reichlich unbekannt.

Hier also die kleine Liste, die alle Pokale der Kontinentalwettbewerbe zeigt, inklusive – soweit eruierbar und dann durch Anführungszeichen kenntlich gemacht – der Namen der Trophäen:

»Copa América«
»Africa Cup of Nations«
Asian Cup Trophy
Gold Cup
OFC Nations Cup
»Coupe Henri Delaunay«

Mein Favorit aus der Hölle ist der Gold Cup, aber der Afrika-Cup ist auch schon extrem hässlich, weil wie eine nur halb zu Ende designte Kopie des World Cups wirkend. Da wird der merkwürdig gestauchte Pokal der Europameisterschaft in der Runde seiner Kollegen doch glatt zum echten Schmuckstück. Auch Schönheit ist eben relativ.


3.
I want my Olympia-Grill

Mit den neu emporgekommenen Fußballvereinen und deren Fans ist es wie mit den Kneipen und Imbissen diverser Städte dieser Stadt. Wo immer man eine Kneipe, Imbissbude oder sogar Tankstelle mit Steh- und Kaffee-Sauf-Möglichkeit aufmacht, hängen spätestens nach zwei Wochen ganz merkwürdige, aber immer die selben Gestalten herum, die zu jeder Tages- und Nachtzeit dort zu sein scheinen, als hätten sie weder Zuhause noch Bett.

Es ist also völlig egal, was man eröffnet und wie man es einrichtet, ein paar Leute kommen immer. Aus diversen Gründen – man hat diese immer selben Gestalten bislang selten gefragt; und Studien zu innerlich Heimatlosen gibt es ohnehin keine, weil sie die Post mit der Einladung zur Studie nicht öffnen, obwohl sie sie sowieso nicht erreichte – ist es zudem unabhängig vom Durchschnittseinkommen des Stadtteils, ob solche erscheinen. Ein klein wenig tragen sie auch zum Umsatz bei, zieht man aber mit scharfer Bleistiftmine Bilanz, sorgen sie wohl angesichts ihrer Erscheinung eher für Mindereinnahmen, weil nicht jeder sich von Diskussionen in großer Lautstärke und umso kleinerem Gehalt begleiten lassen möchte, wenn er eigentlich nur eine Schale Pommes käuflich erwerben will.

Schließt die Tankstelle, der Imbiss, sieht man die selben Gestalten nie wieder, obwohl nur zwei Ecken weiter eine ähnliche Lokalität eröffnet (im selben Irrglauben, die minder attraktiven Inventarmitglieder durch Preisgestaltung oder Art der Inneneinrichtung abwehren zu können, was misslingt). Es kommen dann doch die selben, nur andere.

So kann man irgendwo einen Fußballklub aufmachen, egal, wie schäbig seine Entstehungsgeschichte ist, wie Eiche barock er in seiner Anmutung wirkt, oder aber Popart aus New York, welches vielleicht mal chic war, als der heutige Mäzen jung war: Es kommen auf jeden Fall Leute, bis man merkt, dass die einen gar nicht so lange bleiben, wie gewünscht und mit den anderen steht man dann alleine im Raum, wenn die Tür zufällt.

Stadien bekommt man heute in Leichtbauweise, fast so günstig wie einen Imbiss. Die Fans dazu werden vom Pommesgeruch angezogen. Reden wird man nicht mit ihnen wollen, aber von außen sieht der Laden so aus, als herrschten darin Wärme, Leben und Austausch vor. Nach der ersten Neugier des eigentlich vom Inhaber als Stammkundschaft erwünschten Publikums wendet dieses sich ab. Übrig bleiben die merkwürdigen Gesellen, die stumm aneinander vorbeischauen, wenn nicht gerade ein Streit ausgefochten werden muss. Keine Wärme, kein Austausch. Tags darauf hängt ein Schild im Fenster.

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