27.03.2012

Dienstagskolumne: Messi und twitternde WAGs

Warum sitzt mein Mann auf der Bank? #lächerlich

Twitternde WAGs können nerven. Jüngst wunderte sich Melissa Johnson darüber, dass ihr Mann, Wolverhamptons Roger Johnson, nur auf der Bank saß. Darüber wundert sich wiederum unser Kolumnist Titus Chalk. Außerdem in der heutigen Dienstagskolumne: Sir Dave Richards.

Bild:
Imago


Die 11FREUNDE-Dienstagskolumne: Jede Woche machen sich  Lucas Vogelsang, Frank Willmann, Titus Chalk und Frank Baade im Wechsel Gedanken über den Fußball, die Bundesliga und was sonst noch so passiert. Wenn uns der heutige Kolumnist Titus Chalk nicht gerade die englische Fußballkultur erklärt, schreibt er für FourFourTwo, expertet für die Deutsche Welle oder trinkt Pints in seinem Lieblingspub.

An dieser Stelle erklärt unser England-Fachmann und Ur-Londoner Titus Chalk die englische Fußball-Kultur. Ab sofort ungefiltert auf Deutsch:



Die Titus-Fussballing-Eng-zyklopädie: The Messiah


Fussballverein-Vorstände sind offenbar nicht mit der grossartigen Arbeit der Monty Python Jungen vertraut. »He’s not the Messiah,«  sagt Eric Idle in Das Leben des Brian,  »He’s a very naughty boy!« Und leider sind die Messias auch im Fussball nicht blind zu folgen. So war das mit Newcastle, als der Verein stellte verzweifelt Stürmer-Legende Alan Shearer in 2009 als Trainer an (Indem er fünf Punkte von 24 nahm, führte er der Verein in Abstieg). Und trotz des Carling-Cup-Siegs, sieht es zunehmend ähnlich bei Liverpool mit »King« Kenny Dalglish aus.

Seine Mannschaft hat nur acht Punkte in 2012 gesammelt und legt jetzt siebte in der Premier League Tabelle nach fünf Niederlagen in den letzten sechs Spiele. Seine Proklamationen werden immer wahnhafter und sogar die Jünger fangen an Zweifeln zu bekommen. Besonders fraglich wird die Qualität des Quartetts »CHAD« – oder Andy Carroll (£35 Millionen), Jordan Henderson (£20 Millionen), Charlie Adam (£15 Millionen) und Stewart Downing (£20 Millionen) – eine Sammlung von Spieler, die laut Dalglish gerade »Lovely stuff« spielen und die laut allen Anderen sehen aus wie verlorene Zeitreisenden des dunkles Zeitalter des Britischen Fussballs. Dalglish behauptete auch zuletzt, dass Liverpools neues Trikotgeschäft wichtiger als Punkte ist und, dass wenn seine Mannschaft gerade ganz unerfolgreich in der League ist, ist es nur weil sie so erfolgreich in den Pokalen gewesen ist.

Messias, oft kritiklos von den Fans angebetet, sind leider sehr hart zu entlassen und Liverpools Vorstand wird diese Lehre bestimmt im Sommer lernen mussen. Könnt ihr euch vorstellen zum Beispiel, wie dieses neulich verheiratetes Ehepaar in Singapur reagieren wird?

Ego des Monats: Mrs Roger Johnson

Erschreckende Tendenz: Jetzt sind es nicht nur die Spieler, die gern twittern, sondern auch ihren Frauen. Die englische WAGs verpassen nie eine gute Gelegenheit sich abzusetzen und die letzte, die in die Schlagzeilen kam, war Melissa Johnson, Ehefrau von Wolves-Verteidiger Roger Johnson. Während Manchester United die Wolves mit 5-0 demütigte, twitterte sie hilfreich: »Trying to understand why my hubby (husband) is on the bench #ridiculous.« Oh je! Könnte es sein Frau Johnson, dass er zuletzt nicht so in der Laune für den Abstiegkampf gewesen ist? Johnson wurde in der Tat dieser Monat mit einer Geldstrafe von £50000 belegt, denn er zum Training nach einer heftigen Nacht noch betrunken kam. Allerdings, genau der richtige Innenverteidiger für ein Spiel gegen The Red Devils. Wolves Trainer Terry Connor blieb nach dem Eingriff von Frau Johnson cool, cool wie Eis sogar: »I don’t tweet and she doesn’t pick the team – so whatever,« sagte er.

Instant-Krise: Sir Dave Richards, Vorsitzende der Premier League

Ah das herrliches Britisches Weltreich! Wie viel es uns fehlt! Damals könnte man Morgens sein Tropenhelm anziehen, ein stück Afrikas erobern, der Einheimischen ein Paar Sachen lehren, und dann um fünf Uhr punktlicht sein Afternoon Tea nehmen. Das Leben war für uns ja viel einfacher und es gibt scheinbar noch Engländer, die Schwierigkeiten haben, sich an die neue Welt anzupassen. Warum solche Engländer für die Premier League arbeiten und werden nach wichtigen internationalen Konferenzen geschickt ist aber eine sehr gute Frage.

Sir Dave Richards, der Vorsitzende der Premier League, stellt sich bestimmt nicht solche triviale Fragen. Stattdessen, reiset er um die Welt herum und teilt eine ganz wichtige Botschaft aus der Insel: »England hat der Welt Fussball geschenkt,« sagte er zuletzt in Katar. »Für 50 Jahre, gehört uns das Spiel. Dann ist ein Typ vorbei gekommen, der uns ‚Lügner’ genannt hat und hat das Spiel eigentlich gestohlen. Der hiess FIFA. Dann 50 Jahre später ist eine andere Bande, UEFA, vorbei gekommen und die haben noch ein Bisschen mehr gestohlen.«

Diese subtile und diplomatische Nachricht schlug die Konferenz natürlich wie eine Bombe und verbesserte allerdings stark die Beziehung zwischen England und FIFA. Zufrieden mit seiner guten Arbeit für die Würde englischen Fussballs, ging Sir Dave dann ins Koferenz-Dinner, wo er sofort in einen Brunnen fällt...Rule, Britannia!

Störende Statistik: 78 Minuten

Als Fabrice Muamba während des FA Pokal-Spiels zwischen Tottenham und Bolton einen Herzstillstand litt, hörte sein Herz für 78 Minuten auf. »Er war im Grunde tot«, sagte letzte Woche sein Arzt. Eine störendere Statistik wird es diese Saison nicht geben. Gute Besserung Fabrice!

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