Dienstagskolumne: Lucien Favre, FCB und Ziggy Stardust

Ein Mann für Real Madrid?

Warum kann Marco Reus seine Gegenspieler so einfach umdribbeln? Er hat auf seinen Trainer Lucien Favre gehört, freut sich unser Autor Frank Baade. Außerdem in der heutigen Dienstagskolumne: Europapokalnostalgie und David Bowie. Dienstagskolumne: Lucien Favre, FCB und Ziggy Stardust

Die 11FREUNDE-Dienstagskolumne: Jede Woche machen sich  Lucas Vogelsang, Titus Chalk, Frank Willmann und Frank Baade im Wechsel Gedanken üb er den Fußball, die Bundesliga und was sonst noch so passiert. Wenn unser heutiger Kolumnist Frank Baade nicht gerade für uns drei Kleinode zusammenstellt, schreibt er auf seiner Webseite über den Fußballgott und dessen irrationales Wirken in den Bundesligen und den großen Turnieren dieser Fußballwelt.

1.
2B2F aufgeklärt: Guck auf die Füße

»Guck nur auf den Ball«, so lautet eigentlich die Anweisung, die man Verteidigern mitgibt, die Gefahr laufen, von einem wild übersteigernden und sonst rumhapelnden Angreifer umdribbelt zu werden. Guck allein auf den Ball, nur der ist wichtig, nicht welche Bewegung die Beine des Gegenübers antäuschen, sondern wohin sich der Ball bewegt. Half sogar, bei einem bis dahin ausgesprochen leicht auszuspielenden Verteidiger dessen Zweikampfquote innerhalb von Sekunden – durchs Geben dieser Anweisung – enorm zu verbessern.

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Für Angreifer kann das natürlich nicht funktionieren. Er besitzt den Ball ja, der Verteidiger hat nur Füße (und Beine) auf dem Platz stehen. Doch auch hier liegt die einfache Lösung eines bislang als Rätsel geltenden Phänomens darin, etwas beim Gegenüber genau zu betrachten. Da er keinen Ball besitzt, sind es im Falle des Angreifers die Füße des Verteidigers.

Der eine oder andere erinnert sich an den im Titel zu 2B2F verkürzten »Big Bombastic Frantic Freezer« von Marco Reus, der es ihm ermöglicht, mühelos durch seine Gegner zu dribbeln, so als wären diese am Boden angefroren. Oder als stünde für sie einen Moment die Zeit still, in dem sie sich nicht bewegen können, für Marco Reus aber nicht, der schnell hindurchhuscht.

Des Rätsels Lösung ist tatsächlich so banal wie die Einleitung vermuten lässt. Gleichzeitig ist es aber faszinierend, wie simpel der Weg zum Erfolg sein kann. Die NZZ berichtet von Lucien Favres konkreter Arbeit bei Borussia Mönchengladbach:

Favre hat ihnen Details beigebracht, an die sie früher nie gedacht hatten. Reus etwa hat gelernt, auf die Füsse seiner Gegner zu schauen, die er umdribbeln will: An der Fussstellung erkennt er, welche Seite er wählen soll, um an ihnen vorbeizulaufen. Und Reus sagt überrascht: »Es funktioniert.«

Wenn man das ein paar Milimeter weiter denkt, bedeutet das, dass Lucien Favre seinen Spielern tatsächlich etwas über das Fußballspielen beibringt. Das ist natürlich ein Hammer, insbesondere in Deutschland, wo man Niederlagen immer noch damit erklärt, »zu wenig gewollt« zu haben. Man kann noch so viel wollen, wenn der Gegner Wissen besitzt, über das man selbst nicht verfügt.

Und wie dieser Artikel der NZZ spekuliert, könnte Favre durchaus ein Mann für Real Madrid sein, wo ja eigentlich nach Selbstwahrnehmung Peter Neururer hingehört. Der sich allerdings wohl eher mit Themen der Motivation (»Vollfrisöre«) als mit Fußstellung beschäftigt. Dabei sind es offensichtlich diese obigen Details, die in ihrer Summe den Unterschied ausmachen zwischen einem Abstiegs- und einem Meisterschaftskandidaten.



2.

Drei Mal ganz oben von fast allen anderen

Immer wenn ich mal wieder im Bauch der Allianz-Arena an den Duplikaten der gewonnen Pokale des Vereins vorbeikomme, summe ich innerlich diese Liste vor mich hin.

1974 – Atvidabergs FF, Dynamo Dresden, ZSKA Sofia, Ujpest Budepest, Atletico Madrid
1975 – Freilos, 1. FC Magdeburg, FC Ararat Eriwan, AS St. Etienne, Leeds United
1976 – Jeunesse Esch, Malmö FF, Benfica Lissabon, Real Madrid, AS St. Etienne

Und kann mich nicht entscheiden, ob ich die erste Runde 1976 oder die erste Runde 1975 für entscheidender für den weiteren Werdegang dieses Vereins von Welt halte.

Das waren noch Zeiten, als der Wettbewerb noch ein Pokalwettbewerb war. Und ganze vier Gegner reichten, um am Ende der Gewinner zu sein.

3.
Der ganz passable Fußballer Ziggy Stardust

Immer wieder interessant ist es, wie die Verbindung von Stars aus anderen Kulturbereichen zum Fußball aussieht. Ob sie selbst gespielt haben, wenn ja, wie gut und die Frage danach, Fan welcher Mannschaft sie sind. Bei David Bowie kann man sich kaum vorstellen, dass er mal von Fußball angetan war, weder in seiner Jugend noch später. Doch es war genau anders herum: Er war nicht völlig talentfrei, heißt es aus Bowies Jugendzeit in der Schule, genauer aus den Jahren 1957/1958. Mit einem sehr adretten Mannschaftsfoto der »Burnt Ash First Eleven«, Ziggy Stardust, Verzeihung, David Bowie, Verzeihung, damals noch David Jones ist der erste links in der zweiten Reihe. Und da es wohl etwa 50 bis 60 Jungs in dieser Stufe gab und David Jones zu den ersten Elf gehörte, muss er wohl ein durchaus passabler Fußballspieler gewesen sein. Später, als er schon berühmt war, spielten immerhin seine Roadies mal gegen die Stereophonics, was David Bowie mitnichten dazu nutzte, selbst auszuspannen und ein Nickerchen zu halten. Viel lieber verbrachte er die Zeit damit, von der Seitenlinie ins Spielfeld hineinzupöbeln. Bezug zu Fußball gibt es aber möglicherweise auch in seinem ersten Hit: »And the papers want to know whose shirts you wear«.

»Whose shirts you wear« ist – angeblich, die Quellen widersprechen sich – auf englisch die saloppe Frage danach, Fan welches Teams man ist. Die Zeile stammt aus dem Song Space Oddity von 1969, befragter Mann ist darin der weltraumreisende Major Tom. Umgekehrt, von Musikern auf Ereignisse in Stadien, ist der Einfluss nicht so selten. Doch während man in Deutschland beim Fußball Liedgut von »Klaus & Klaus« nachsang, bediente man sich in England gehobenerer Komponistenkünste. Zur Melodie von Bowies Song »Rebel Rebel« texteten die Fans von Manchester United die Silben »Neville Neville« und ehrten auf diesem Weg die beiden Brüder Gary und Phil, ihres Zeichens Spieler im Trikot von Manchester United. Und dann gibt es da natürlich noch eine Verbindung David Bowies zum Fußball, die aber so oder ähnlich für alle großen Musiker gilt: Klick.

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