Dienstagskolumne: Englands EM-Kader und Rüpel-Roy

Achtung Europa!

Unser englischer Autor Titus Chalk (Foto) ist wütend, denn seine »Three Lions« fahren mit der harmlosesten Nationalelf aller Zeiten zur EM. Außerdem in der heutigen Dienstagskolumne: Steven Gerrards Erfolgsquote und der ewig nörgelnde Roy Keane.

Die 11FREUNDE-Dienstagskolumne: Jede Woche machen sich  Lucas Vogelsang, Frank Willmann, Titus Chalk und Frank Baade im Wechsel Gedanken üb er den Fußball, die Bundesliga und was sonst noch so passiert. Wenn uns der heutige Kolumnist Titus Chalk nicht gerade die englische Fußballkultur erklärt, schreibt er für FourFourTwo, expertet für die Deutsche Welle oder trinkt Pints in seinem Lieblingspub.

An dieser Stelle erklärt unser England-Fachmann und Ur-Londoner Titus Chalk die englische Fußball-Kultur. Ab sofort ungefiltert auf Deutsch:

Die Titus-Fussballing-Eng-zyklopädie: ROAR!

Was tut der Löwe? Er brüllt. Und die drei Löwen sind gerade los, brüllen ganz laut (1-0 gegen Norwegen gewonnen übrigens) und lassen ganz Europa zittern! Jawohl. Weil wir haben einen neuen Trainer – unser erster überhaupt, der Erfahrung mit einer Nationalmannschaft hat – und haben auch ein Kader voll mit Spielern im Form ihres Lebens: Wayne Rooney (für die erste zwei Spiele gesperrt), Stewart Downing (Null Tore, null Assists in der Premier League die ganze Saison), Robert Green (bleibt cool unter Druck, siehe hier:



und John Terry (bleibt auch cool unter Druck:



Was mir aber persönlich von der Qualität des vorläufigen Kaders überzeugte, war das perfekte Timing der Ansagers: am gleichen Tag als es in Liverpool bekannt gegeben wurde, dass sich auf Stewart Downing und Andy Carrol zu verlassen Kenny Dalglish seine Entlassung verdient hat, gab England Trainer Roy Hodgson beiden »Stars« ein Ticket nach Polen. Das Schicksal hat offenbar einen ganz ironischen Sinn für Humor. Achtung Europa, ein zahnloser Löwe rennt hinter euch, ganz, ganz weit hinter euch. Roar!

Ego des Monats: Roy Keane

Der ehemalige Mittelfeld-Rüpel war zwar ein Hammer-Spieler, aber seit er seine Fussballschuhe zur Seite gelegt hat, brennt er mit so einer Wut, dass er fast unverträglich wird. Man bekommt vom ihm den Eindruck eines Mannes, dem die Enthüllung, dass er nicht so einfach alles kontrolliert als ob er damals als dem Feld spielte, ihm sehr schwer fällt. Seine Ehrlichkeit ist legendär und vielleicht der einzige Grund warum man ihn noch gern im Fernsehen guckt: Man spürt beim fernsehen, dass es immer die Chance gibt, dass er live und direkt explodieren wird und der Moderator würgen wird. Aber Roy, ist auch so hart ab und zu sympathisch zu sein? Letzte Woche gab Roy seine Meinung über Gary Neville, eine der ersten Verpflichtung von England Trainer Roy Hodgson: »Höre mal,« sagte er. »Gary kann reden aber bitte nicht denken, dass er so einen grossen Einfluss in der Kabine war, als man denken könnte.« Dennoch wird er nun bestimmt mehr Einfluss als Roy Keane haben, dessen kurzen Karriere als Trainer sieht schon vorbei aus. Der Mann ist halt bitter. Aber wer wagt ihm das zu sagen?

Instant-Krise: 4-2-3-1

Die Vorbereitung Englands neusten Angriff auf die Viertel-Finale einer Meisterschaft fing wegen Fabio Capellos Rucktritt allerdings nicht perfekt an, aber jetzt geht es Vollgas nach vorn. Die Welt des Fussballs wurde schon am Wochenende erstaunt von der taktischen Revolution, die nun bei der Nationalmannschaft unterwegs ist. Radikal, hat England gegen Norwegen in einem 4-4-2 gespielt, ein Spielsystem, das sie am letzten Mal in einer Turnier gegen Deutschland benutze, mit Wahnsinn viel Erfolg. »Dies ist der Weg nach vorn für England«, bedrohte Roy Hodgson nach dem Spiel gegen Norwegen. Und er meinte das ernsthaft.

Die Zeichen Englands neue taktische Flexibilität wurden schon letzte Woche im Traininglager klar, als die Mannschaft anfing mit Andy Carroll als Spitzenstürmer zu üben. »Ihr braucht keine Kurzpässe spielen«, rief Hogdson seinen Spieler, »Nicht wenn ihr den Grosser an der Spitze nutzen wollt.« Man hört bestimmt den gleichen Befehl beim Training von Welt- und Europa-Meister Spanien...

Hogdson hat übrigens einen Vertrag für vier Jahre und wird für die Erziehung der Nachwuchspieler bei Englands neuen St George’s Park Training-Zentrum verantwortlich sein. Vier lange Jahre...

Störende Statistik: 9%

Prozentzahl der Spiele, die in dieser Saison Liverpool gewann, als Steven Gerrard im Startelf spielte. Gerrard, Spezialist des falsch gesetzten Passes, ist jetzt Kapitän der Nationalmannschaft.

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