Im Süden Madrids, rund ums Estadio Vicente Calderon, dort wo die Wohnblocks der Arbeiter stehen, feiern sie ihr Team. Und natürlich ihren Trainer. Diego Simeone, genannt El Cholo. Simeone ist ein Idol der Atletico-Fans, einen Platz in der Klub-Historie hatte er schon sicher, bevor er die Mannschaft während der vergangenen Saison von Gregorio Manzano übernahm. In der Saison 1995/96 brillierte der Argentinier als Jungspund im Mittelfeld von Atletico. Zwölf Tore trug er zum völlig überraschenden Titelgewinn der Colchoneros bei. Die Matratzenmacher, so wird Atletico in Spanien genannt, weil die obligatorischen rot-weißen Trikots an eine beliebte Matratze aus den sechziger Jahren erinnern. Simeone war mit Leib und Seele Matratzenmacher. Von 1994 bis 1997 spielte er für Atletico und später, am Ende seiner Karriere, kam er 2003 für zwei weitere Jahre zurück. Erst kürzlich sagte er: »Ich würde nie zu Real gehen.« Mehr Liebesbeweis geht in Madrid nicht.
Falcao heißt die Endstation der blitzartigen Konter
Atleticos Meistermannschaft von 1996 hatte keine großen Stars, sie war ein eingeschworener Haufen. Simeone hat diese Mentalität auf das heutige Team übertragen, auch wenn sie anders konzipiert ist. Mit Radamel Falcao verfügen die Rot-Weißen über den wohl besten Mittelstürmer dieser Tage. Der Kolumbianer ist in der Primera Division der Einzige, der es im Kampf um die Torjägerkrone mit Lionel Messi und Cristiano Ronaldo aufnehmen kann. Falcao ist meist die Endstation, der, der den Ball ins Tor befördert, wenn Atletico mal wieder zur Konterattacke ansetzt. Seine Klasse zeigt er am liebsten immer dann, wenn es wichtig ist. Im Mai entschied er das Finale der Europa League gegen Athletic Bilbao (3:0) mit zwei wunderschönen Toren fast im Alleingang. Im Supercup gegen den Champions.League-Sieger FC Chelsea waren es sogar drei Tore, Atletico siegte 4:0. Seitdem hält sich in Spanien hartnäckig das Gerücht, dass Chelseas Boss Roman Abramowitsch im Winter bis zu 60 Millionen Euro für Falcao ausgeben will.
Nach dem Europa-League-Finale wurde Simeone gefragt, was ein möglicher Verlust Falcaos für Atletico Madrid bedeuten würde. Von einem Moment auf den anderen ballte El Cholo sein Gesicht zur Faust. Dieses Mal war die Antwort darin allerdings deutlich zu erkennen. Denn Simeone weiß ganz genau: Atleticos Konter wären ohne Falcao nur die Hälfte wert.