Diego Maradonas Ex-Berater Angelo Brizzi im Interview
18.10.2011

Diego Maradonas Ex-Berater Angelo Brizzi im Interview

»Diego ist mehr als Sex und Drogen«

Angelo Brizzi kennt Maradona seit seiner Zeit bei Neapel persönlich. Mit uns sprach der Frankfurter Gastronom über Diegos wahres Ich, dessen Lieblingsessen und den goldenen Käfig in dem Diego leben muss.

Text:
Benjamin Kuhlhoff
Bild:
Privat

Angelo Brizzi, Sie gelten als enger Vertrauter von Diego Armando Maradona, arbeiteten lange Zeit als sein Berater. Wann haben Sie Maradona eigentlich das erste Mal getroffen?
Das war 1987. Ich war dabei, ein Freundschaftsspiel zwischen dem Hamburger SV und dem SSC Neapel zu arrangieren. Übrigens zusammen mit Willi Konrad, der ja mittlerweile leider verstorben ist. Wir waren mitten in den Planungen, reisten nach Neapel und ich schüttelte Diego das erste Mal die Hand. Im Laufe der Jahre wurden wir Freunde.

Sie müssen es wissen: Was für ein Mensch steckt hinter diesem einmaligen Fußballer, der auf der ganzen Welt vergöttert wird.
Diego ist nicht nur Sex, Drogen und Rock'n Roll. Das ist ein völlig falsches Bild. Er ist ein hochsensibler Mann mit einem großen Herz. Er hat nie vergessen, wo er herkommt. Seitdem ich ihn kenne, setzt er sich für arme Kinder und mittellose Menschen ein. Er arbeitet für den guten Zweck und besteht darauf, dass niemand davon erfährt. Das ist für ihn Ehrensache.

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Haben Sie ein Beispiel?
Er war einmal zu Gast bei Thomas Gottschalks Show »Wetten, dass…« in Bremen. Nach der Sendung rief er mich an und bat mich, bei einem Großmarkt anzufragen, ob sie nachts für uns öffnen könnten. Ich fragte: »Diego, was hast Du vor?« Er antwortete nur: »Angelo, frag nicht so viel. Kannst du dafür sorgen, dass Marks&Spencer (eine große Kaufhauskette - d. Red) in Frankfurt für mich öffnet?« Ich rief den Kaufhausdirektor an und er willigte ein. Diego investierte in dieser Nacht seine komplette »Wetten, dass…«-Gage in Kinderkleidung. Das Geld reichte fast für die gesamte Etage. Die Kleidung hat er dann nach Südamerika geschickt. Zu den Kindern, die es brauchten.

Maradona hat ein bewegtes Leben: Fußballgott, Drogensucht, Entziehungskur, Magenverkleinerung. Dabei wird er immer von den Medien verfolgt. Wie steht er das durch?
Diego hat großes Glück, dass er noch lebt. Jeder andere mit seiner Geschichte wäre schon drei Mal gestorben.

Heute feiert Maradona seinen 50. Geburtstag. Sind Sie eingeladen?
Ich kann leider nicht zu ihm fahren, meine Tochter ist krank. Aber ich werde ihn anrufen. Ich weiß, dass er erst einmal mit seiner Familie feiern wird, im kleinen Kreis. Er liebt nichts mehr als das. Die Familie ist heilig für ihn. Aber ich denke, er wird später auch noch ein bisschen feiern gehen.

Sagen Sie es uns: Wie feiert Diego Maradona ein Fest?
Er hat gerne viele Freunde um sich. Und er singt sehr gerne. Ich erinnere mich, dass er einmal für seine Mutter gesungen hat. Das ist über 20 Jahre her. Diego stand allein auf der Bühne und hauchte ins Mikro: »Madre…«. Es war sehr emotional.

In seiner Zeit beim SSC Neapel wurde Maradona zum Gott am Ball. Allerdings liest man immer wieder, dass ihm nicht alle »Freunde« von damals wohlgesinnt waren. Hätte man seinerzeit besser auf ihn aufpassen müssen?
Wissen Sie, es ist schwierig, das zu verstehen. Diego ist so berühmt, er kann sich nicht bewegen wie ein normaler Mensch. Seine Zeit in Neapel war extrem. Er konnte nicht einfach tagsüber auf der Straße herumlaufen, er konnte keinen Kaffee trinken gehen, wenn er wollte. Wenn er einkaufen wollte, mussten wir die Geschäfte anrufen, ob sie nachts für Diego öffnen. Wenn er am helllichten Tag ein T-Shirt kaufen wollte, waren immer direkt 1000 Leute um ihn herum. Egal wo, ob in Neapel, Mailand, Rom oder Frankfurt. Diego hat in seinem Leben alles gehabt, aber er hat in einem goldenen Käfig gelebt.

Er war isoliert vom Leben.
Die Mannschaft hat bei Auswärtsspielen gerne einen Einkaufsbummel gemacht. Diego musste zu Hause bleiben, weil sonst hunderte Paparazzi an seinen Fersen geklebt hätten. Glauben Sie, dass man in so einem Leben normal aufwachsen kann? Er ist damit nicht klar gekommen. Er hatte Probleme damit, und niemand konnte ihm helfen.

Nach seiner Zeit beim SSC Neapel ging es sportlich bergab für Maradona. Wie haben Sie diese Zeit verfolgt?
Er versuchte sich noch einmal beim FC Sevilla, aber seine große Zeit war da längst vorbei. Er ging zurück nach Argentinien und wollte es allen noch einmal zeigen 1994 sollte seine WM werden. Er hat viel davon gesprochen, wie motiviert er war. Doch dann kam der Dopingvorfall. Er durfte kein Fußball mehr spielen. Das hat Diego fertig gemacht. Er verlor den Halt.

Sie haben ein Restaurant in Frankfurt. War Maradona schon einmal bei ihnen zu Besuch?
Einmal? Diego war mindestens schon 50 Mal hier.

Was bestellt er bei Ihnen?
Er braucht nicht zu bestellen, weil wir wissen, was Diego möchte: Pasta Aglio, Olio e Peperoncino, dazu ein schönes Pasta-Omelette und natürlich viel Fisch. Er ist vernarrt in Fisch.

Bei der WM 2006 sorgte Maradona als Stargast der argentinischen Nationalmannschaft auf der Tribüne für Aufsehen. Hat er im Sommermärchenrausch auch bei Ihnen vorbeigeschaut?
Nach dem Spiel Argentinien gegen Holland war er natürlich hier. Es war der 21. Juni. An das Datum erinnere ich mich noch genau.

Warum das? War es eine so legendäre Feier?
Weil Diego am 22. Juni 1986 England bei der WM in Mexiko quasi im Alleingang besiegt hatte. Ein Sternstunde in seiner Karriere. Er feierte ein Jubiläum und den Gruppensieg der Argentinier bei der WM 2006. Es wurde richtig Gas gegeben. Diego tanzte die ganze Nacht. Um 8.00 Uhr ging es dann nach Hause. Da brannte die Sonne schon vom Himmel.

Ist er denn gerne in Deutschland?
Er ist öfter hier, als man glaubt. Er kommt inkognito, ohne seinen Anhang. Wenn er in Madrid seinen Enkel besucht, kann es vorkommen, dass er auf einmal bei mir vor der Tür steht.

Wie häufig haben Sie heute noch Kontakt?
Wir sprechen ab und an. Ich rufe ihn an, aber es ist etwas schwierig mit der Zeitverschiebung.

Maradona ist ein Mann, der wahrscheinlich alles besitzt oder es sich zumindest kaufen kann. Was schenkt man ihm zum Geburtstag?
Er freut sich über Kleinigkeiten. Er ist keiner, der nur in teuren Boutiquen einkaufen muss. Er trägt gerne sportliche Sachen. Ich schenke ihm ein Parfum: Thierry Mugler – »Angel«. Und ich weiß, dass er sich freuen wird wie ein kleines Kind.

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