Die Zukunft der Regionalliga

Bruch an der Nahtstelle

Am Freitag trafen sich Manager aller Erst- und Zweitligavereine in Frankfurt – sie diskutierten die Zukunft der Regionalliga. Von den Amateurklubs erklingt derweil Protest über die Wettbewerbsverzerrung durch U23-Teams der Profis. Die Zukunft der Regionalliga Es war eine prominente Runde, die da am Freitagmorgen um halb elf zusammenkam: Die Manager aller 36 Erst- und Zweitligaklubs tagten in Frankfurt am Main, als Gast-Experte war Matthias Sammer eingeladen, beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) für die Nachwuchsförderung zuständig. Das Ziel der Versammlung: den Bruch zwischen Profi- und Amateurfußball zu verhindern. Die Fronten sind verhärtet, auf dem DFB-Bundestag am 21. und 22. Oktober droht eine Kampfabstimmung um einen ewigen Streitpunkt – die Regionalliga, derzeit die vierthöchste Spielklasse in Deutschland und damit Nahtstelle zwischen Amateur- und Profifußball. 54 Teams spielen in den drei Regionalliga-Staffeln, davon sind jedoch fast die Hälfte (25 Teams) Zweitvertretungen höherklassiger Klubs.

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Das wollen die Amateurverbände ändern: Zwei Anträge haben sie eingebracht, über die auf dem DFB-Bundestag abgestimmt werden soll. Der Bayerische Fußballverband (BFV) will die drei Regionalligen abschaffen und künftig in acht Staffeln spielen lassen, in denen dann jeweils maximal sechs U23-Teams der Profiklubs antreten dürfen. Der Westdeutsche Fußball- und Leichtathletikverbandes (WFLV) will dagegen bei drei Regionalligen bleiben, jedoch sollen die Nachwuchsteams der Profivereine in eine separate dritte Staffel ausgelagert werden, wo sie nur untereinander spielen.

U23-Teams »verzerren den Wettbewerb«

Beide Szenarien gefallen den Profiklubs überhaupt nicht, darüber kam man am Freitag überein. Bei einer Abstimmung wollen die Profivereine ein Veto einlegen. Doch derzeit streiten Juristen beider Lager, ob die Amateurverbände die Profis nicht schon mit einfacher Mehrheit überstimmen können. »Die Anträge sind gefährlich für den deutschen Fußball, da werden wir nicht mitmachen«, sagt Peter Peters, Geschäftsführer des Bundesligisten FC Schalke 04 und stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Fußball-Liga (DFL). Peters und die Profiklubs sorgen sich um die Talenteförderung: 83 Millionen Euro pumpen sie jedes Jahr in ihre Nachwuchszentren. »Für die Entwicklung der Spieler nützt es nichts, wenn sie in einer besseren Reserverunde gegen dieselben Spieler antreten wie seit der D–Jugend«, sagt Peters.

»Bei zehn zweiten Mannschaften in der Regionalliga West sind doch ohnehin schon ein Drittel der Spiele Zweite gegen Zweite«, entgegnet Hermann Korfmacher, DFB-Vizepräsident und Präsident des Antragstellers WFLV. Die U23-Teams gelten zudem vielen Amateurklubs als wenig attraktive Gegner, die wenig Zuschauer anlocken (Foto: Mainz 05 II - 1. FC Köln II). Durch die finanzielle und personelle Unterstützung der Profivereine »verzerren sie den Wettbewerb«, sagt Korfmacher. Die Amateurklubs sind überzeugt, dass die zweiten Mannschaften die generelle Misere der Regionalliga verschärfen. Seit der Einführung der Dritten Liga 2008 ist sie nur noch vierthöchste Spielkasse. »Die Dritte Liga ist ein Volltreffer«, sagt Korfmacher, »aber die Regionalliga wird weder von den Zuschauern noch von den Medien angenommen.«

Hilfeschrei einer langsam sterbenden Liga


Zwar verzichten die U23-Teams freiwillig auf Fernsehgeld, doch bereits in zwei Jahren, wenn die Verträge auslaufen, wird für die Regionalligisten wohl gar kein Fernsehgeld mehr geben. Vergangene Saison zogen sich sieben von 54 Mannschaften aus wirtschaftlichen Gründen aus der Regionalliga zurück, nicht bei allen war Missmanagement der Grund. In gewisser Weise sind die Anträge der Amateurvereine ein Hilfeschrei einer langsam sterbenden Liga. Als Hauptproblem haben die Viertligisten dabei neben den U23-Teams die kostspieligen Auflagen für Sicherheit und Stadien ausgemacht.

Genau hier könnte eine Aussicht auf Lösung des Konfliktes liegen. »In einem Punkt sind wir uns einig: dass die Rahmenbedingungen der Regionalliga überdacht werden müssen«, sagt Schalkes Geschäftsführer Peters. Daher haben die Profivereine einen eigenen Antrag für den Bundestag eingereicht: weiterhin drei Regionalligen mit U23-Teams, aber Neu-Überprüfung der Auflagen. In einer gemeinsamen Kommission stehen Amateur- und Profivertreter bereits in ständigem Dialog, am Dienstag will der Ligavorstand noch einmal beraten und dann Gespräche mit dem DFB führen, um die Auflagen zu lockern. Mit weiteren Zugeständnissen könnte eine Kampfabstimmung verhindert werden, etwa mit einer Obergrenze für zweite Mannschaften in der Regionalliga. »Wir sind gesprächsbereit bis zum letzten Tag«, sagt jedenfalls Korfmacher. »Es werden sicher noch spannende Tage und Wochen.«

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