Stig Töfting zeigt es an: zur Entlassung bitte hier entlang
11.04.2012

Die zehn spektakulärsten Spielerentlassungen

Gib zum Abschied leise Kopfnuss

Zwei junge Talente des FC Chelsea zündeln in der Umkleidekabine und müssen nun ihre Entlassung fürchten. Aber es geht noch besser – Shampoo-Affären und Demütigungen, dumme Trainer und noch dümmere Spieler: Unsere Top Ten der spektakulärsten Entlassungen.

Text:
Katharina Dahme
Bild:
Imago

Die Aufregung war groß, als vergangene Woche eine Rauchbombe in der Umkleidekabine des Cobham Trainingsgeländes vom FC Chelsea hochging. Erst nach einer Stunde und einem Feuerwehreinsatz konnte man die Räume wieder betreten. Bei den Übeltätern handelte es sich um Jacob Mellis und Billy Clifford, zwei junge Talente aus der Reserve-Mannschaft. Mellis war immerhin schon in der Champions League für den Premier-League-Klub aufgelaufen. Ihnen hilft auch nicht, dass sie die Rauchbombe vermutlich nur als Überbleibsel eines Paintball-Nachmittags dabei hatten. Die beiden wurden vorübergehend suspendiert, ihnen droht die Entlassung. Und vielleicht ja auch ein neuer Spitzname. Wie wäre es mit »Dumm und Dümmer«?
Angesichts eines umfangreichen Katalogs von Strafmaßnahmen grenzt es schon an ein Wunder, vor die Tür gesetzt zu werden. Manche haben es trotzdem geschafft: Unsere Top Ten der Spieler-Rauswürfe!

1. Stig Töfting
Der Spieler mit den Hells-Angels-Freunden kam nicht zum ersten Mal mit dem Gesetz in Konflikt, als er 2004 bei Aarhus GF einem Mitspieler zeigte, wo der Ziegenbock den Honig schleckt. Schon 2002, als er mit dem WM-Kader Dänemarks zum Essen in ein Restaurant eingekehrt war, hatte er dem Barmann eine spontane Kopfnuss verpasst. Sein Kommentar zu dem Vorfall: »Ich finde nicht, dass ich leicht zu provozieren bin.« Aarhus GF warf den bulligen Däne nach der Prügelei in der Winterpause 2004/2005 übrigens raus.

2. Rudi Kargus
Der 1. FC Nürnberg war gerade abgestiegen und drohte auch am Projekt Wiederaufstieg zu scheitern, da rebellierten im Herbst 1984 sechs Spieler gegen den damaligen Trainer Heinz Höher, der angesichts gewöhnungsbedürftiger Laufeinheiten auf Teer und Straftraining um sieben Uhr morgens nicht sonderlich beliebt war. Auch Ex-Nationaltorwart Rudi Kargus verweigerte das Training. Doch nicht der Trainer flog, sondern Kargus und seine »Mittäter«.

3. Kevin Schöneberg und Björn Lindemann
Die beiden Osnabrücker Profis wollten nach der 0:4-Niederlage gegen Hertha BSC im April 2011 vermutlich ihren Frust betrinken und erschienen am nächsten Tag verspätet und alkoholisiert zum Training. Die Bestrafung fiel hart aus: Fristlose Entlassung! Trainer Heiko Flottmann: »Wir sind uns einig, drastisches Fehlverhalten auch entsprechend konsequent zu bestrafen.« 

4. Theyab Awana Al Musabi
Eigentlich passt diese Geschichte gar nicht hier rein, sie ist aber zu spektakulär, um  nicht erzählt zu werden: Theyab Awana Al Musbai drohte im Juli 2011 der Rauswurf aus der Nationalmannschaft der Vereinigten Arabischen Emirate, nachdem er im Länderspiel gegen Libanon beim Stand von 5:2 einen Elfmeter zum 6:2 verwandelt hatte. Das allein wäre halb so schlimm gewesen, doch schoss er diesen Strafstoß mit der Hacke, was den Teammanager wütend machte. »Die Aktion war dem Gegner gegenüber respektlos, so etwas können wir nicht akzeptieren«, so Esmaeel Rashed. Awana verpasste den Rauswurf nur knapp, verstarb aber leider kurze Zeit später bei einem Autounfall. 

5. Süleyman Koc

Im Frühjahr wurde das aufstrebende Talent des SV Babelsberg 03 zusammen mit seinem Bruder und Freunden aus dem Kiez wegen Teilnahme an insgesamt sechs Überfällen auf Berliner Casinos festgenommen. Der Junge sei ein »Typ netter Schwiegersohn« gewesen, sagte der Trainer des Berliner Vorstadtclubs, Dietmar Demuth und empfahl, aufgestaute Aggressionen lieber auf dem Platz zu entladen. Dann entließ er den Stürmer.

6. Yacine Abdessadki

Auch nett: Fußballer Abdessadki soll am 10. Dezember 2011 Anti-Haarausfall-Shampoo im Wert von 75 Euro aus einem Hotel stibitzt haben. Der SC Freiburg feuerte Abdessadki, musste die Vorwürfe später aber zurücknehmen. Vereinskollege Garra Dembélé hatte die Produkte bestellt und seinem Mitspieler ein Fläschchen abgegeben. Bei der Vertragsauflösung blieb es, immerhin bekam Abdessadki eine sechstellige Abfindung als Schmerzensgeld überwiesen. Doch sein Anwalt Werner Schurig muss nacharbeiten: »Ich sehe die Notwendigkeit, Herrn Abdessadkis Ehre wiederherzustellen.« 


7. Jorge Mosquera

Im September 2011 kündigte der SC Paderborn seinen Spieler, nachdem dieser in einer Disco gegenüber einem anderen Gast offenbar handgreiflich geworden war. »Das ist eine unangenehme Sache«, sagte Mosqueras Berater Murat Lokurlu. Später widerrief der Verein die Kündigung ohne Begründung. Und wir bleiben zurück und staunen. 


8. Alle Spieler von Universidad Cesar Vallejo...

… mussten den peruanischen Erstligisten verlassen, nachdem sie in einen Streik wegen ausbleibender Gehaltszahlungen getreten waren. Die Vereinsführung entließ den Kader und besorgte sich einen neuen: Alle entlassenen Spieler von Liga-Konkurrent Deportivo San Martin wechselten das Lager, nachdem sich dieser in der Woche zuvor aufgrund des ligaweiten Streiks aus der Liga zurückgezogen hatte.


9. Maurizio Gaudino

Wirklich undankbar, diese Eintracht. 1994 hatte Trainer Jupp Heynckes mit Gaudino und Anthony Yeboah zwei Leistungsträger wegen angeblicher Arbeitsverweigerung suspendiert. Gaudino erklärte 2004 im Interview mit dem »Spiegel«, dass der Trainer ihn nach Hause geschickt und dann behauptet habe, er sei nicht gekommen. »Der Heynckes hat mich benutzt oder benutzen wollen. Warum weiß ich nicht, ich habe diesem Menschen nie etwas getan.«, so Gaudino. Der Suspendierung folgte die Ausleihe an Manchester City und so die Verbannung aus dem Kader der Eintracht.


10. Urs Güntensperger

Vom Helden zum Deppen: 1997/98 stieg Güntensperger mit Eintracht Frankfurt in die Bundesliga auf, in der er selbst jedoch nicht mehr zum Zuge kam. Während der Saisonvorbereitung saß der Stürmer wegen eines Verkehrsdelikts in der Schweiz in Haft und erhielt dort die Kündigung seines Arbeitgebers. »Meine Frau brachte mir den Blauen Brief«, erinnerte sich Güntensperger.

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