Die zehn kuriosesten Europapokal-Auswärtsfahrten

Das Motto: »Nicht bumsen«

Steaua Bukarest muss im Spiel gegen den FC Schalke aufgrund einer Platzsperre im 300 Kilometer entfernten Cluij antreten. Heute gehen also auch die Heimfans auf Auswärtsfahrt. Grund genug für 10 weitere, kuriose Auswärtsfahrten im Europapokal. Die zehn kuriosesten Europapokal-Auswärtsfahrten
Heft#118 09/2011
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1. Weites Weissrussland
Vier Tage, vier Gegentore, 78 Stunden Zugfahrt: so die Bilanz der Fans von München 1860 nach dem 0:4 ihrer Mannschaft bei BATE Borisow. Erst ein Fahrwerkwechsel am Zug, dann eine eindeutige Anweisung der Polizei (»Nicht bumsen!«), schließlich eine ungeduldige Schaffnerin, die eine Mitreisende mit einem gezielten Tritt auf den Bahnsteig beförderte: Komischerweise hatten die Löwen-Anhänger danach immer noch nicht genug vom Fußball. Kaum zurück in München, fuhren sie zum Spiel der eigenen Amateure.

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2. Unter den Augen der Stasi
Ein Herr will in ein »vernünftiges Huhn reinkrachen«. Was sonst Tierschützer auf den Plan rufen würde, war in diesem Fall die Abendplanung eines namentlich nicht genannten HSV-Spielers – protokolliert von der Stasi 1982 anlässlich des Landesmeisterspiels bei Dynamo Berlin. Sogar ein Zaungast geriet ins Visier der DDR-Staatsmacht. »Rasen 20« nannten die Spitzel jenen Mann, der nicht nur im Westen gewisse Popularität genoss: Franz Beckenbauer.

3. Nebel in Wien
Geschlagene 40 Minuten kreisten die Spieler von Eintracht Braunschweig 1967 in ihrer Chartermaschine über dem Wiener Flughafen. Dann riskierte der Pilot bei dichtem Nebel die Landung, verfehlte aber die Rollbahn – das Flugzeug stoppte erst auf einer Wiese. Die kreidebleichen Spieler verlangten für die Rückreise nach dem Match bei Rapid einen Linienflug.

4. Aserbaidschanische Sitten
Für das Spiel bei Quarabag Agdam organisierten 186 Dortmunder Fans eigenhändig ein Flugzeug, um ihren Klub 3500 Kilometer fern der Heimat zu unterstützen. Aufregung gab es vor Ort bei der Taschenkontrolle, als einem Fan ein T-Shirt abgenommen wurde. Für die Rückgabe forderte der Grenzer 30 Euro oder ein Parfum aus dem Duty Free Shop.

5. Diebische Hertha
Helle Aufregung vor dem UEFA-Pokal-Spiel Viking Stavanger gegen Hertha BSC: Einige Hertha-Fans hatten sämtliche Trikots der Norweger aus den Stadionkatakomben gestohlen. Erst kurz vor Anpfiff und dank des Einsatzes von Manager Dieter Hoeneß wurden die Leibchen zurückgegeben.

6. Schalker Irrfahrt
Wegen eines Streiks am lokalen Flughafen wollte ein Grüppchen Schalker Fans 2008 von Paris aus zum Champions-League-Spiel nach Porto fliegen. Doch auch das gestaltete sich schwierig: Zunächst bekamen sie keinen Zug, dann verpassten sie ihre Mitfahrgelegenheit. Schließlich fuhr der Tross mit dem Taxi von Krefeld nach Belgien, um von dort zum Pariser Flughafen mitgenommen zu werden. Ende gut, alles gut: Den Anpfiff erlebten sie pünktlich im Stadion.

7. Frühschicht in Malmö
Aus politischen Gründen fand das Match zwischen den Glasgow Rangers und Vorwärts Berlin in Schweden statt, wurde jedoch nach 45 Minuten wegen Nebels abgebrochen. Der Rückflug der Rangers war auf 17 Uhr des Folgetages angesetzt, weshalb sich beide Teams spontan auf eine Neuansetzung am nächsten Morgen um zehn einigten. Zuschauer: 1781.

8. Hosen runter in Litauen
Sein berühmt-berüchtigter Strip hätte Frankfurts Kultfan Manfred »Adi« Adelmann einmal fast ins Gefängnis gebracht. Als der Polizeichef von Vilnius bei einem UI-Cup-Spiel der Eintracht 1995 die Bilder im Fernsehen sah, ordnete er über Telefon Adelmanns umgehende Verhaftung an. Das Flehen der Frankfurter Fans, eine bitterlich weinende Reiseleiterin und 100 Mark Kaution retteten ihm schließlich die Freiheit.

9. Über den Berg nach Athen
Als es Lok Leipzig 1987 ins Europokalendspiel der Pokalsieger schaffte, durften sich 1000 Privilegierte aus Leipzig auf eine zweieinhalbtägige Zugreise zum Finalort Athen begeben. Eine beschwerliche Tour, so musste in Jugoslawien eine Lok angehängt werden, damit der Zug überhaupt über die Berge kam. Immerhin: Bei der Rückreise sollen »nur« vier Personen gefehlt haben.

10. Europapokal selbstgemacht
Einmal in Europa spielen, sagten sich die Anhänger von Darmstadt 98 letzte Saison und erklärten die Regionalligapartie in Memmingen kurzerhand zum Europapokalspiel. Das ging so weit, dass einige von ihnen per Billigflieger von Frankfurt über Barcelona anreisten.

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