Die zehn größten Testspielpleiten

»Der Trend zeigt nach unten«

Sie sind zu umstritten wie gefährlich – die letzten Testspiele vor großen Turnieren. Und so ist es kein Wunder, dass sich die großen Nationen regelmäßig gegen die vermeintlich kleinen blamieren. Hier sind die zehn größten Testspielpleiten aller Zeiten.

Illustration: Mario Wagner
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Rumänien-Deutschland 5:1 (2004)

»Das Ergebnis ist zweitrangig«, so Bundestrainer Rudi Völler vorab. Ob er das in Erwartung eines flockigen Kantersieges gesagt hatte oder als vorauseilende Entschuldigung, steht dahin. An diesem 28. April geriet seine Notelf, in der Ernst und Jeremies dilettierten, unter die Räder wie ein Hase auf der transsilvanischen Landstraße. 1:5! Ein Ergebnis, das in dieser Höhe dann doch erstrangig war.

Niederlande-Irland 0:1 (2004)
Den gleichen Trick versuchte die Elftal 16 Jahre später noch einmal und ließ sich in der Hoffnung auf den Titel zehn Tage vor dem Turnier von den Iren blamieren, Torschütze im Grottenkick von Amsterdam durfte Robbie Keane sein. Doch diesmal misslang das Täuschungsmanöver: Im Halbfinale setzten sich die Portugiesen mit 2:1 durch. Sie hatten die Schwäche des Gegners ernst genommen.

Schweiz-Frankreich 2:1 (1992)
Die EM 1988 und die WM 1990 hatte die Équipe Tricolore verpasst. 1992 war die Qualifikation endlich wieder gelungen, eine Goldene Generation um Eric Cantona stand auf der Matte. Doch dann: 1:2 gegen die Schweiz – merde! Die Luft war raus, nach zwei Unentschieden und einer Niederlage schied die Mannschaft aus dem Turnier. Und Eric Cantonas erste Teilnahme blieb seine einzige.

Deutschland-Ungarn 0:2 (2004)
50 Jahre nach dem Wunder von Bern unterlag Völlers Truppe in Lautern nicht nur den Ungarn, sondern vor allem derem Trainer Lothar Matthäus. »Das ist nicht okay«, knirschte Völler in die Mikros, während Matthäus im Hintergrund auf einen Anruf des DFB wartete. Okay war auch die EM nicht: Aus in der Vorrunde. Aus auch für Völler. Doch kein Anruf bei Lothar, bis heute.

Wales-Italien 1:0 (1988)
Wales hat noch nie einen echten Titel errungen, nur diesen inoffiziellen: schlimmste Laus im Pelz der Großen. Siehe Deutschlands nervenzerfetzende Qualifikation für die WM 1990, inklusive 0:0 in Cardiff. Italien verlor dort durch ein Tor von Ian Rush sogar mit 0:1. »So werden wir auf gar keinen Fall Europameister!«, zürnte Trainer Azeglio Vicini. Korrekt: Im Halbfinale gegen Russland war Sense.

Österreich-Deutschland 0:3 (2008)

Mit großen Hoffnungen ging auch Österreich der EM entgegen, zumal sie im eigenen Land stattfinden würde. Da müsse sich doch was ausgehen, fand man beim ÖFB. Doch dann setzte es im Februar ein bitteres 0:3 gegen Deutschland, das obendrein ziemlich mies gespielt hatte. »Der Trend zeigt nach unten«, grollte Michael Ballack. Zwei Verlierer in einem Testpiel. Sachen gibt’s!

Norwegen-Italien 1:0 (2000)
»Daumen runter« hieß es für die Italiener auch beim Testspiel gegen Norwegen – insbesondere für Keeper Gianluigi Buffon: Beim Versuch, das Gegentor durch John Carew zu vereiteln, brach er sich die Hand. Sein Ersatzmann Francesco Toldo wiederum zog sich im Finale der EM (1:2 gegen Frankreich) eine Nasenfraktur zu. Und das eine Woche vor seiner Hochzeit! Was stellen die sich auch ins Tor?

Deutschland-Nordirland 1:1 (1992)
Und weil’s so schön ist, noch mal Deutschland – und zwar gegen Nordirland, zu einer Zeit, da es noch Fußballzwerge gab. Effe, Sammer und Binz gurkten sich in Bremen zu einem 1:1. Gespenstisch: Innerhalb von sechs Jahren trennten sich die Teams dreimal mit diesem Ergebnis. Noch gespenstischer: Dreimal sagte Bundestrainer Berti Vogts hinterher: »Damit können wir nicht zufrieden sein.«

Niederlande-Bulgarien 1:2 (1988)
Dass man Europameister werden kann, auch wenn die Generalprobe in die Hose geht, bewiesen die Niederländer aufs Eindrucksvollste. Mit 1:2 schenkten sie in Amsterdam gegen Bulgarien ab, vor allem Regisseur Ruud Gullit, der einen Jahrhundertfehlpass zum entscheidenden Gegentreffer schlug, stand neben sich. Und machte doch eines richtig, als er sprach: »Das war einfach nur peinlich.«

Aylesbury-England 0:7 (1988)
England hatte alles richtig gemacht: sich einen schwachen Gegner gesucht, haushoch gewonnen – und dennoch wurde das Spiel gegen die Amateure zur Blamage. 6000 Fans an der Buckingham Road und Millionen an den Fernsehgeräten sahen eine bocklos-arrogante C-Nationalelf über den Platz schlurfen. Der Zuspruch der Massen war dahin. Die EM nach drei Pleiten in der Vorrunde bald auch.

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