Die zehn größten Aufholjagden aller Zeiten

Am Ende immer wir

Wenn es nach Dejan Stankovic geht, heißt Schalke heute Abend Schalke 0:4. Der Inter-Spieler verspricht ein Weiterkommen. Leidet der Mann an Realitätsverlust? Mitnichten. Lest hier über die zehn besten Aufholjagden aller Zeiten. Die zehn größten Aufholjagden aller Zeiten

1.   
Charlton Athletic – Huddersfield Town 7:6 / 21. Dezember 1957


5:1 führt die von Bill Shankley trainierte Auswahl von Huddersfield Town eine halbe Stunde vor dem Abpfiff – und das in Überzahl. Was die spätere Trainerlegende vom FC Liverpool dann hilflos mit ansehen muss, verfolgt Shankley noch in seinen Träumen: Charltons Flügelstürmer Johnny Summers, der bereits zuvor für das einzige Tor der Gastgeber gesorgt hatte gelingen in einem wahren Rausch der Genialität vier weitere Treffer und zwei Vorlagen, darunter ein Hattrick innerhalb von sechs Minuten. Zwei Minuten vor dem Ende steht es 6:5 für Charlton, als Huddersfield noch ausgleicht. Im Gegenzug gelingt John Ryan der Siegtreffer. Matchwinner Summers verrät später das Geheimnis des Erfolgs: In der Halbzeitpause hatte er seine Schuhe gewechselt.

2.  
Werder Bremen – RSC Anderlecht 5:3 / 8. Dezember 1993


Tapfere Bremer Fans: Mehr als eine Stunde ist im zweiten Gruppenspiel der Champions League zwischen dem SVW und Anderlecht gespielt und die Belgier führen tatsächlich mit 3:0. »Olé, hier kommt der SVW«, singen die Menschen im Weserstadion schon seit der Halbzeitpause. Der erste Dauergesang der Fußball-Geschichte wird erst nach 66 Minuten durch den Anschlusstreffer von Wynton Rufer unterbrochen, dann netzen Bratseth (72.), Hobsch (80.), Bode (83.) und wieder Rufer (89.) ein und verwandeln die artige Hansestadt in ein Freudenhaus. Bundestrainer Vogts steht anschließend frisch verliebt vor den Mikrophonen und haucht: »So etwas kann wohl doch nur Werder.«

3.   
1. FC Kaiserslautern – Bayern München 7:4 / 20. Oktober 1973


»Der Beckenbauer wusste am Ende gar nicht mehr, wo die Mittellinie ist«, posaunt ein Mann namens Seppl Pirrung in die Notizblöcke der Reporter. Der junge »Kaiser«, frisch gebackener Europameister, gedemütigt! Pirrung kann es sich an diesem 20. Oktober 1973 erlauben, er hat gegen die großen Bayern drei Tore geschossen. Vor allem aber ist er ein Teil der Lauterer Mannschaft, die ein 1:4 nach 57 Minuten noch in ein 7:4 verwandelt und für eine der größten Heldentaten auf dem legendären Betzenberg sorgt. Nach der Partie bekommt Pirrung prompt ein Angebot aus München – er bleibt und wird noch heute dafür in der Pfalz vergöttert.

4.   
FC Liverpool – AC Mailand 3:3 n. V. (6:5 n. E.) / 25. Mai 2005


Was hat dieses Champions-League-Finale nicht alles für die Legende des Fußballs getan? Der frühe Treffer von AC-Ikone Paolo Maldini. Zwei Weltklasse-Tore von Hernan Crespo, dem alten Fuchs. Jubelnde Italiener, die sich in der Halbzeitpause Sieger-Shirts überstreiften. Dietmar Hamann. Dietmar Hamann mit gebrochenem Zeh. Drei Liverpool-Tore in sechs Minuten. In der 117. Minute eine Parade von Jerzy Dudek, über die Milan-Star Schewtschenko später fassungslos sagte: »Ich werde nie begreifen, wie er diesen Ball halten konnte.« Ein zappelnder Pole im Elfmeterschießen. You´ll never walk alone in der Nacht von Istanbul. Hach.

5.   
Angola – Mali 4:4 / 10. Januar 2010


Nur zwei Tage nach dem tödlichen Anschlag angolanischer Rebellen auf die Nationalmannschaft von Togo eröffnen die Gastgeber gegen Mali den Afrika-Cup 2010 mit einem Spiel, das trotz der grausigen Vorgeschichte wohl unvergessen bleiben wird. Nach 79 Minuten führt Angola mit 4:0, dann schafft Seydou Keita zumindest den Ehrentreffer. Ehrentreffer? Es folgen das 2:4 (88.), 3:4 (93.) und 4:4 (94.). Das unglaublichste Unentschieden in der Geschichte des afrikanischen Fußballs ist perfekt. Sportjournalist Tom Lutz schreibt auf der Homepage des »Guardian«: »I have no idea what happened there.«



6.   
Deportivo La Coruna – AC Mailand 4:0 / 7. April 2004


Der Gang ins heimische Stadion fällt den Fans von »Depo« an diesem Mittwochabend schwer, im Viertelfinal-Rückspiel empfangen die Spanier in der Champions League den amtierenden Champion aus Mailand. Das Hinspiel haben die Italiener kühl und souverän mit 4:1 gewonnen, das Rückspiel: Formsache. Von wegen. Walter Pandiani startet mit seinem 1:0 nach fünf Minuten eine furiose Aufholjagd, nach 90 Minuten steht es 4:0 für Deportivo und der große AC Mailand kriecht ausgeschieden und verprügelt vom Platz.

7.   
Bayer Uerdingen – Dynamo Dresden 7:3 / 19. März 1986


»War das das Spiel ihres Lebens?«, wird Wolfgang Funkel zwanzig Jahre später gefragt. »Eindeutig ja.« Das 7:3 der Uerdingen im Viertelfinal-Rückspiel des Europapokal der Pokalsieger wird keiner so schnell vergessen. 0:2 hat Bayer das Hinspiel in Dresden verloren, 1:3 liegt die Auswahl von Kalli Feldkamp in der heimischen Grotenburg nach 42 Minuten zurück, ehe den Uerdinger eines der aufregendsten Comebacks der Fußball-Geschichte gelingt. Kein Wunder, dass eine Fachjury dieses Magazins Uerdingen gegen Dresden einst zum »größten Fußballspiel aller Zeiten« kürte.

8.   
Deutschland – Frankreich 3:3 n. V. (8:7 n. E.) / 8. Juli 1982


90 Minuten lang beharken sich deutsche Dauerläufer und französische Fußball-Ästheten, Toni Schumacher sorgt mit seinem Brutalo-Tritt gegen Battiston für den negativen Höhepunkt. In der Verlängerung gelingt Frankreich durch Tresor (92.) und Giresse (98.) per Doppelschlag die scheinbar uneinholbare 3:1-Führung, ehe Rummenigge (102.) und Klaus Fischer (108., per Fallrückzieher) tatsächlich noch der Ausgleich gelingt. Im Elfmeterschießen verlieren geschockte Franzosen mit 7:8. Der Ursprung des »am-Ende-gewinnen-immer-die-Deutschen«-Mythos.

9.   
Türkei – Tschechien 3:2 / 15. Juni 2008


Auf die Türken setzt eine Viertelstunde vor dem Ende dieses entscheidenden Gruppenspiels der Europameisterschaft 2008 keiner auch nur eine Lira. Gegen die souveränen Tschechen liegt die Auswahl mit 0:2 hinten. Dann gelingt Arda per Flachschuss das 1:2, und plötzlich kippt das Spiel. Ausgerechnet Petr Cech, 2007 zum zweitbesten Keeper der Welt gewählt, verursacht mit einem schlimmen Fehler das 2:2 durch Nihat, der trifft eine Minute später noch mal. Torwart Volkan schafft es in der 93. Minute wegen Meckerns Rot zu sehen, Feldspieler Tuncay muss ins Tor, doch es bleibt beim 3:2. »Unfassbar«, murmelt anschließend Tschechiens Trainer Karel Brückner.

10.   
VfL Bochum – Bayern München 5:6 / 18. September 1976


War es die eigene Überraschung? Vorschneller Hochmut? Bis heute kann keiner der Beteiligten genau sagen, warum im Herbst 1976 der VfL Bochum eine 4:0-Führung gegen den FC Bayern München noch vergeigt. 4:1, 4:2, 4:3, 4:4, 4:5, 5:5, 5:6. In Bochum spricht man trotz der epochalen Pleite noch heute vom »Jahrhundertspiel«. Größe in der Niederlage, auch nicht verkehrt.

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