Die wundersame Rückkehr des Heiko Westermann

Fast bester Mann

Überraschend wurde Heiko Westermann für das Länderspiel gegen Irland nominiert. So jedenfalls titelten diese Woche einige Zeitungen. Doch ist Joachim Löws Entscheidnung, Heiko Westermann zurückzuholen, wirklich so außergewöhnlich?

Seine Trainer haben immer schon von ihm geschwärmt. Bielefelds Thomas von Heesen nannte Heiko Westermann gerne seinen »Musterprofi«, Schalke-Trainer Felix Magath bezeichnete ihn als »Führungsfigur« und HSV-Coach Armin Veh machte ihn schon kurz nach seiner Ankunft zum Kapitän. Und als Westermann Ende September 2012 im Spiel gegen Hannover 96 trotz eines Muskelfaserrisses eine ziemlich grandiose Partie spielte, konstatierte Thorsten Fink: »Er ist ein Urmensch.«

Den Fans hat Westermann immer schon ein bisschen Kopfschmerzen bereitet. Er vermittelte nach außen, eine Mannschaft führen zu können. Er war einer, der Sicherheit versprach und von dem man annahm, dass er ein Gefüge zusammenhalten kann. Doch auf dem Platz sah vieles anders aus. Manchmal wirkte Westermann wie ein Defensivspieler aus einer anderen Zeit. Wie ein Vorstopper aus den achtziger Jahren, ein Kämpfer, das ja, aber auch träge und ungelenk. Einmal, im Spiel bei Werder Bremen, im Februar 2012, postierte er sich neben seinem Mitspieler Slobodan Rajkovic in Erwartung eines langen Abschlages von Tim Wiese. Der Ball sprang zwischen den HSV-Verteidigern auf und dann folgte eine Situation, für die es auf den Amateurplätzen Deutschlands diesen Satz gibt: »Nimm du ihn, ich hab’ ihn sicher.« Schließlich nahm Marko Arnautovic ihn und schoss das 3:1. Wenige Tage zuvor hatte Heiko Westermann noch erklärt, dass er die EM-Teilnahme verdient habe.

Der Mann für alle Positionen
 
Vor vielen Jahren hat Heiko Westermann mal 107 Tore in einer Saison geschossen. Das war in der E- oder F-Jugend, sein Verein damals die SG Schimborn, Unterfranken. Von solchen Fantasiequoten erzählen Jugendtrainer oft und man glaubt sie gerne, wenn der Spieler Ruud van Nistelrooy oder Mario Gomez heißt. Bei Heiko Westermann klingt das zunächst seltsam. Doch er war mal Stürmer. Auch offensiver Mittelfeldspieler. Linker Mittelfeldspieler. Er hat bis heute beinahe alle Positionen zumindest einmal gespielt.
 
Bei seiner ersten Profistation Greuther Fürth überraschte ihn sein Trainer Eugen Hach eines Tages mit der Ansage: »Heiko, du spielst jetzt hinten rechts.« Westermann sagte später in einem Interview mit 11freunde.de: »Ich war einfach überglücklich, dass ich als 19-jähriger Junge überhaupt spielen durfte – der Trainer hätte mich vermutlich auch als Torwart aufstellen können.«
 
Der Perfektionist

In den Jahren danach ging es so weiter. Westermann hätte man überall aufstellen können – er nahm jede Aufgabe an. Und er arbeitete unermüdlich an seiner Vielseitigkeit. Um besser die Bälle verteilen zu können, trainierte er bei Arminia Bielefeld wochenlang seinen linken Fuß. Damit brachte er seine Mitspieler nicht selten zur Weißglut. Eines Tages riss Matthias Hain die Hutschnur: »Heiko, benutz’ endlich wieder deinen rechten Fuß!«, schrie er. Doch Westermann wollte diese Sache zu Ende bringen, perfektionieren. Er wollte ausgerüstet sein für den großen Bundesligafußball, er wollte alle Qualifikationen und alle Fähigkeiten beherrschen, auf allen Positionen spielen können.

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