Die Würzburger Kickers vor dem Pokalspiel gegen Düsseldorf

Vorwärts auf dem Weg zurück

Ende der Siebziger spielten die Würzburger Kickers noch in der 2. Bundesliga, 2002 fanden sie sich plötzlich in der Bezirksliga vor nicht mal 100 Fans wieder. Nach mageren Jahren ist der Klub nun wieder in der Regionalliga angekommen und trifft im DFB-Pokal auf Fortuna Düsseldorf.

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Claudiu Bozesan sitzt in seinem Wohnzimmer, lehnt sich leicht nach vorne und stützt die Ellenbogen auf die Oberschenkel. »Hier«, sagt der 48-Jährige und fuchtelt mit dem rechten Arm herum, »hier ist mein zu Hause. Hier bin ich öfters als daheim.« Das Sofa, auf dem Bozesan sitzt, ist eigentlich der kalte Stein der Stehplatzränge. Und das Wohnzimmer eigentlich das Dallenbergstadion der Würzburger Kickers. Hier treffen die Rothosen am Sonntag in der ersten Runde des DFB-Pokals auf Zweitligist Fortuna Düsseldorf.
 
Zu verdanken haben sie das André Koob. Lange hatte der Torwart einen schweren Stand bei den Kickers. An Kapitän Daniel Tsiflidis, einem der Publikumslieblinge, gab es für den Ersatzmann kein Vorbeikommen. Dann erlitt Tsiflidis im Training eine Gehirnerschütterung – und Koobs Zeit kam. Der 23-Jährige spielte stark und durfte auch im Toto-Pokalfinale gegen Liga-Konkurrent SV Schalding-Heining ran, obwohl Tsiflidis wieder hätte spielen können. Dort stieg Koob im Elfmeterschießen mit einem gehaltenen Strafstoß zum Helden auf und bescherte Würzburg damit erstmals seit 1981 einen Startplatz im DFB-Pokal.
 
Lange hatten die Würzburger nicht mehr für derart positive Schlagzeilen gesorgt. 1977 herrschte nach dem Aufstieg in die 2. Bundesliga Süd viel Euphorie im Verein und im Umfeld. Im November stieg das Derby mit dem FV Würzburg 04 vor einer beeindruckenden Kulisse von 14 000 Zuschauern am Dallenberg. 2:2 endete das Stadtduell. Doch die Liga war eine Nummer zu groß für die Kickers. Ab dem vierten Spieltag standen sie stets an vorletzter Stelle der Tabelle und stiegen mit 17:59 Zählern direkt wieder ab. In den kommenden Jahren spielten sie meist in der Landesliga. 2001 waren die Kickers zahlungsunfähig, 2002 stiegen sie in die Bezirksliga ab. Der Verein war am Boden, stand unmittelbar vor dem Aus, die Insolvenz drohte. Dann klingelte bei Claudiu Bozesan, zu dieser Zeit bei Oberligist TSV Gerbrunn unter Vertrag, das Telefon. Am anderen Ende der Leitung: Michael Schlagbauer.

Heimspiel auch auswärts: »30 bis 40 Fans waren immer dabei«

Der Vorstandsvorsitzende wollte Bozesan dafür gewinnen, wieder bessere Zeiten für den Klub einzuläuten. Bozesan, einst Zweitligaspieler bei Schweinfurt 05, konnte nicht ablehnen. Zu sehr hing er an dem Verein, schließlich hatte er von 1994 bis 2000 schon einmal für die Kickers gespielt. Die Bezirksliga war für den siebenmaligen A-Nationalspieler Rumäniens eine schwere Zeit. Er spielte teilweise vor nicht mal 100 Zuschauern. Der harte Kern reiste aber immer mit – auf jeden Dorfsportplatz in der Provinz. »Wir hatten auch auswärts oft ein Heimspiel. 30 bis 40 Fans waren immer dabei«, erinnert sich Bozesan. Diese Zeit war eine Grenzerfahrung für den Ex-Profi. Daran gedacht, die Kickers wieder zu verlassen, hat er aber nicht.
 
Heute ist der 48-Jährige Trainer der A-Junioren, Jugendkoordinator und Leiter eines Fußballcamps. Nach wie vor ist er täglich am Dallenberg. Auch wenn Bozesan nicht im Blickpunkt der Regionalliga-Mannschaft, sondern eher im Hintergrund arbeitet, ist er ein wichtiger Teil des Vereins. Er hat nicht unerheblich zum Aufschwung beigetragen und viele Spieler und Trainer bei den Kickers kommen und gehen sehen. Für viele ist Bozesan auch deshalb die Galionsfigur des Vereins, denn er ist die Konstante, kaum ein Zweiter lebt die Kickers so wie er.
 
Fischer steigt tiefer ein – der Grundstein
 
Dass es, zumindest bis in den oberen Amateurfußball, recht schnell wieder bergauf ging, lag laut Bozesan in erster Linie an der Kontinuität, mit der im Verein von nun an gearbeitet wurde. »Michael Schlagbauer hat die Kickers auch in schlechten Zeiten unterstützt. Und im Vorstand ist unter seiner Führung nie der eine nach links, der andere nach rechts gelaufen. Die haben immer an einem Strick gezogen.«
 
Dem glücklichen Zufall, dass der Bayerische Fußballverband den Amateurfußball neu ordnete und einer Reform unterzog, verdanken es die Kickers, dass sie die Oberliga übersprangen und nach der Landesliga-Meisterschaft in die Viertklassigkeit hüpften. Nach der Rückkehr in die Regionalliga stieg die Online-Druckerei Flyeralarm, die die Kickers schon vorher unterstützt hatte, noch tiefer ein, und Geschäftsführer Thorsten Fischer reichte den ein oder anderen Geldschein mehr rüber: der Grundstein für den Weg zurück. Das Stadion am Dallenberg heißt inzwischen Flyeralarm-Arena. Viele treue Fans heißen das nicht gut. Doch auch sie wissen: Ohne Fischers Finanzspritzen wäre die Regionalliga wohl nicht zu stemmen. Die Dritte Liga sowieso nicht. Bozesan sagt über den Geldgeber: »Er ist ein echter Roter geworden.«

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