Die WM vertreibt viele Brasilianer aus den Städten

Copa des Volkes

In der Nähe des Stadions in Sao Paulo ist eine Zeltstadt entstanden. Mehrere tausend Familien fordern würdigen Wohnraum. Auch wegen der WM sind die Mieten in der Stadt explodiert.

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Sie kamen nachts. Mit Hämmern und Nägeln, Holzlatten und Plastikplanen. Am Morgen war eine kleine Zeltstadt entstanden. 300 Familien hatten sich auf einer Brache im Osten von Sao Paulo ein provisorisches Zuhause gezimmert. Fakten geschaffen. Nur wenige Kilometer von der Arena Corinthians entfernt, in der sechs WM-Spiele ausgetragen werden. Ein symbolträchtiger Ort, der einen symbolträchtigen Namen verdiente.

Ihre Siedlung tauften die Besetzer »Copa do Povo«: Weltmeisterschaft des Volkes. Vor dem Eingang hissten sie eine rote Fahne mit dem Schriftzug »Movimento dos Trabalhadores sem Teto / MTST«. Bewegung der Arbeiter ohne Obdach. Die Fahne weht auch heute noch, an einem grauen Morgen Ende Juni, zwei Monate nach der Besetzung. Die Siedlung ist mittlerweile um mehrere tausend Familien gewachsen. »Wir sind eine der schlagkräftigsten sozialen Bewegungen Brasiliens«, sagt Cecito Alves und zieht zufrieden an seiner Zigarette.

Beruf: Bauarbeiter und Besetzer

Der 42-Jährige - wilder Bart, buntes Hemd, kurze Hosen, Flipflops an den Füßen - steht vor dem MTST-Hauptquartier, einem Zelt am Rande von Copa do Povo. Er gehört zum fünfköpfigen lokalen Organisationskomitee, sein Beruf: Bauarbeiter und Besetzer. Gegründet wurde die MTST 1997 als urbanes Pendant zur Bewegung der Landarbeiter ohne Land (MST). Ihr Ziel: den 50 Millionen Brasilianern ohne anständiges Dach über dem Kopf endlich ein würdiges Zuhause verschaffen.

»Brasiliens Städte müssen humaner werden«, sagt Cecito Alves. »Die Politik dient den Interessen der Immobilienkonzerne.« Tatsächlich gehören Bau- und Immobilienfirmen in Brasilien zu den größten Parteispendern. In den Großstädten dominieren sie häufig die Politik.

Allein in Sao Paulo, so ergab der Zensus 2010, haben 130 000 Familien keine vernünftige Bleibe, obwohl 290 000 Immobilien leer stehen. Mit vielen wird spekuliert, die Immobilienpreise stiegen in Sao Paulo allein 2013 um 14 Prozent. Der durchschnittliche Quadratmeterpreis liegt heute bei umgerechnet fast 2700 Euro.

Vor Kurzem hat die MTST einen Sieg errungen

Viele arbeitende Menschen können sich daher die Mieten nicht mehr leisten. Selbst in dem ärmlichen Stadtteil, in dem Copa do Povo liegt, haben sich diese mehr als verdoppelt, seit feststeht, dass das WM-Stadion in der Nähe errichtet wird. Für Alves ist der Zusammenhang zwischen der WM und der Preisexplosion deshalb klar.

Vor dem MTST-Hauptquartier bildet sich eine Schlange. Obwohl es nieselt, warten die Menschen geduldig. Im Zeltinneren sitzen zwei Frauen, vor ihnen lange Listen, in die sie die Namen der Hereinkommenden notieren. »Wir erstellen ein Register«, erklärt Alves. »Für die Wohnungen.« Erst vor wenigen Wochen hat die MTST einen großen Sieg errungen. Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff versprach: Auf dem 15 Hektar großen Gelände von Copa do Povo werden Sozialwohnungen errichtet.

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