26.04.2013

Die wichtigsten Schiedsrichter der Bundesliga-Geschichte

»Wollen Sie nicht mal peifen?«

Für die neue Ausgabe von 11FREUNDE sprachen wir mit Schiedsrichter-Original Walter Eschweiler über gelebte Fußball-Geschichte und Zusammenstöße mit den Platzhirschen ihrer Zeit. Auf 11freunde.de präsentieren wir euch die neun wichtigsten Unparteiischen der Liga-Historie.

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1. Hans-Joachim Osmers
Der Bremer Referee darf stolz sein auf die hanebüchenste Fehlentscheidung der Liga-Geschichte. Als Bayerns Thomas Helmer im April 1994 den Ball gut sichtbar neben den Kasten des 1. FC Nürnberg stolperte, erkannte Osmers mutig auf Tor. Münchens 2:1-Sieg wurde im Wiederholungsspiel zum 5:0, Nürnberg stieg ab, Bayern wurde Meister. Und Osmers war schuld. Wobei auch die Beteiligung von Linienrichter Jörg Jablonski nicht verschwiegen werden soll. Und die von Manni Schwabl, der später den Ausgleich vom Elfmeterpunkt vergab.

2. Dieter Pauly
Das zornige Tête-à-Tête des 1,91-Meter-Manns mit Kölns Keeper Toni Schumacher wurde 1981 Sportfoto des Jahres. Der überlieferte Wortlaut ist dagegen weniger spektakulär: »Wollen Sie nicht mal pfeifen?« - »Gehen Sie zurück in Ihren Kasten!« Pauly, 1990 noch in Ehren auf dem Bökelberg verabschiedet, fühlte sich im Alter vom DFB unwürdig behandelt, zog sich daher schmollend auf eine thailändische Insel zurück. Zitat: »Ich war denen wohl zu unbequem.« Was Schumacher sicher bestätigen kann.

3. Bernd Heynemann
Einer der wenigen DDR-Schiris, die es in die gesamtdeutsche Bundesliga schafften. Mehr als das: Der charismatische Magdeburger wurde zum populärsten Schiri der Neunziger. Pfiff Bundesliga, Europacup, Länderspiele, EM und WM - und dann auch den FC Bundestag. Weil es ihm so gut gefiel, wechselte der AOK-Mann zur CDU und für sieben Jahre ins deutsche Parlament. Nichts, was er nicht kann: Verfasste seine Autobiografie mit Wolfgang Borchert - knapp 60 Jahre nach dessen Tod.

4. Robert Hoyzer
Wenige haben für den Leumund der deutschen Schiedsrichterei so viel getan wie der Hüne aus Spandau. Der Shootingstar des DFB verschob 2004 mehrere Spiele für 67.000 Euro und einen Plasma-Fernseher und sorgte damit nebenbei dafür, dass das Fan-Vokabular um einen hübschen Begriff reicher wurde (»hoyzern«). Musste dafür ebenso ins Gefängnis wie der kroatische Gastronom Ante Sapina. Heute ein König: Hoyzer steht wieder auf dem Platz, wenn auch nur als Spieler bei einem Berliner Amateurklub.

5. Markus Merk
Der Zahnarzt mit der Fistelstimme pfiff sich in 20 Jahren Bundesliga nicht nur in die Herzen aller Fans des FC Schalke. Die Höhepunkte in Kürze: 338 Erstligaspiele, EM-Finale 2004, Bundesverdienstkreuz, erfolgreicher Stimmbruch, dann TV-Karriere bei Sky. Seine Schiri-Memoiren mit dem schmissigen Titel »BeWEGEnd« verkauften sich exzellent, anders als sein Erstling »Untersuchungen zur Formänderung kalt- und heißpolymerisierender Prothesenkunststoffe nach Behandlung im Ultraschallbad«.

 
 
 
 
 
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