Die wichtigsten Fragen zum WM-Finale

Ein gnadenloses Team

Ist Lionel Messi wirklich zum Fürchten? Muss Bundestrainer Joachim Löw etwas ändern? Und was sagt überhaupt die Statistik? Wir beantworten die sechs wichtigsten Fragen zum Finale gegen Argentinien.

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Was muss Joachim Löw vor dem WM-Finale ändern?
Gegenfrage: Hat der Bundestrainer nicht schon genug geändert? Philipp Lahm hin- und hergeschoben? Im Angriff mit falscher und richtiger Neun gespielt? Sein favorisiertes 4-3-3-System zugunsten des von der Mannschaft favorisierten 4-2-3-1 aufgegeben? Löw wollte in Brasilien flexibel sein wie nie – und hat am Ende doch vor den Gesetzen einer Weltmeisterschaft kapitulieren müssen. Im Laufe eines Turniers hat sich noch immer so etwas wie eine feste Elf herausgeschält, ganz egal, ob der Trainer das so wollte oder nicht. Löw hat im Viertel- und Halbfinale zweimal hintereinander dieselbe Startformation aufs Feld geschickt. Und es spricht wenig dagegen, dass er es ein drittes Mal tut. Nicht mal die Kniekehle von Mats Hummels, die nach ihrer Reizung jetzt mindestens so tiefenentspannt ist wie der Bundestrainer.

Worauf muss sich die Mannschaft einstellen?
Der passionierte Volkskundler Oliver Bierhoff hat dieser Tage von seinen positiven Erfahrungen mit den Menschen aus Argentinien berichtet. In seiner Karriere als Fußballer hat der heutige Manager der Nationalmannschaft mit einigen von ihnen zusammengespielt. Neben dem Platz waren die Argentinier überaus freundliche Zeitgenossen – aber wehe, sie haben den Rasen gerochen. Dann hatten sie das »Feuer in den Augen«, sagt Bierhoff, der 2006, in der Schlägerei nach dem Viertelfinale, am eigenen Leib erfahren hat, welche Urkraft in den »Gauchos« (Heribert Faßbender) steckt. Vermutlich wird auch das Finale eine harte Auseinandersetzung, unabhängig davon, ob es mit Fäusten oder mit den Füßen entschieden wird. »Wir dürfen uns nicht provozieren lassen und nicht von unserer Linie abkommen«, sagt Bierhoff. Wobei er weiß, dass die Argentinier einen Stil pflegen, der den Deutschen nicht sonderlich behagt. Die Mannschaft ist nicht nur zweikampfstark und stets aggressiv am Mann, sie verteidigt generell gut organisiert, steht eng beieinander und lässt dem Gegner dadurch wenig Raum zur Entfaltung. »Die Mannschaft ist sehr viel besser organisiert und defensiv sehr viel stärker als 2010«, sagt Löw. Damals gewannen die Deutschen im Viertelfinale 4:0. So viele Gegentore haben die Argentinier diesmal im gesamten Turnier noch nicht kassiert.

Was sagt die Statistik?
Einen Titel haben die Argentinier schon jetzt sicher: Sie dürfen sich ab sofort Deutschlands Rekord-WM-Gegner nennen. Zum siebten Mal treffen beide Länder bei einer Weltmeisterschaft aufeinander, zum dritten Mal im Finale – auch das ist Rekord. Nach Endspielen steht es 1:1. Das 2:3 im Finale 1986 in Mexiko war allerdings die einzige Niederlage der DFB-Elf. Dazu gab es ein Unentschieden (1966) und vier Siege (1958, 1990, 2006, 2010). Selbst die DDR schaffte 1974 in der zweiten Finalrunde ein 1:1 gegen die Südamerikaner.

Wer hat Angst vor Messi?
Thomas Müller nicht, wobei sich seine Zuversicht auf falsche Tatsachen stützt. Als er jetzt voller Stolz verkündete, noch nie gegen Messi verloren zu haben, musste sich Müller prompt vom Faktenchecker Philipp Lahm korrigieren lassen. Müller hat schon zwei Länderspiele gegen Messi verloren, im März 2010 und im August 2012. Immerhin: In Pflichtspielen ist Deutschland gegen Messi noch ungeschlagen – dank kollektiver Abwehrarbeit. Wer von Messi ausgespielt worden sei, müsse sich gleich wieder hinten anstellen, empfiehlt Thomas Müller, »und schon hat man den Ball erobert«. Das allein aber wird nicht reichen, fürchtet Bundestrainer Löw: »Diese Mannschaft ist nicht nur Messi.«

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