Die vielen Comebacks des Heung-min Son

Heiter bis sonig

Monatelang lief HSV-Stürmer Heung-min Son seiner Form hinterher. Mit der Rückkehr von Rafael van der Vaart hat er seine Leichtigkeit wieder gefunden. Porträt eines Unermüdlichen.

In seiner Wohnung hängt ein Trikot von Didier Drogba. Guy Demel hat es ihm mal geschenkt, da ging es Heung-min Son nicht so gut, denn er hatte sich den Fuß gebrochen. Der Südkoreaner liebt das Trikot. Didier Drogba ist einer der besten Fußballer der Welt, ein Mann, der triumphiert hat, einer, der den Arm um einen legt und das Leben und den Fußball und all den anderen Kram erklärt. Eine Vaterfigur.
 
Vielleicht braucht Heung-min Son das. Einen Mann an seiner Seite, einen mit Charisma. Ruud van Nistelrooy war so einer. Der Niederländer hatte Son mal als »Zukunft des HSV« bezeichnet, und nach einem besonders guten Spiel sagte er: »Ich kümmere mich um ihn. Weil er ein guter Junge ist und weil ich früher gerne jemanden gehabt hätte, der sich um mich gekümmert hätte.« Doch der Mann verließ den HSV 2011 und danach gelang Son nicht mehr viel.  
 
Dabei galt er als der Heilsbringer des Klubs, noch bevor er sein erstes Bundesligaspiel bestritten hatte. Sons Aufstieg erinnerte bisweilen ein bisschen an den von Shinji Kagawa. Der Japaner kam vor der Saison 2010/11 für läppische 350.000 Euro zu Borussia Dortmund und war innerhalb weniger Wochen und zwei Toren gegen Schalke 04 zu einem der begehrtesten Spieler der Welt geworden.
 
Auch in Hamburg dachten sie vor der Saison 2010/11, einen Wunderknaben aus Fernost verpflichtet zu haben. Heung-min Son war wendig, dribbelstark, torgefährlich, unbekümmert. Das war einer, der für den Erfolg alles tun wollte, einer, der jeden Tag lernen wollte, der Demut kannte, aber Ziele hatte. Einmal sagte er: »Ich will Torschützenkönig werden.« Zu seinem 18. Geburtstag schenkte ihm der Klub einen Profivertrag.
 
Heung-min Son war 2008 im Rahmen eines Partnerprogramms mit dem südkoreanischen Fußballverband zum HSV gewechselt. Sechs Talente hatte der Verband damals aus 40 Jugendlichen ausgewählt und nach Nürnberg und Hamburg geschickt. Nur einer blieb: Heung-min Son.

»Das Gesicht unseres Vereins«
 
Das Fußballspielen hatte er auf einer Fußballschule seines Vaters gelernt. Nach Hamburg kam er ohne seine Eltern und ohn ein Wort Deutsch zu sprechen. Er wohnte anfangs im HSV-Internat in Hamburg-Ochsenzoll, sein Zimmer war 15 Quadratmeter groß, zum Training ging es mit der U-Bahn. Doch als er seinen Profivertrag unterschrieb, zog er aus, auch weil er Hamburg entdecken und die Sprache lernen wollte. Die Klubbosse jauchzten. »Mit seiner offenen Art ist er das Gesicht unseres Vereins«, sagte der Vorstandsvorsitzende Carl Jarchow einmal.
 
Son wurde tatsächlich so was wie ein Aushängeschild. Er war ein Typ, der den großen Aufbruch versprach. Ein Talent, das sich, trotz der ungeduldigen Sponsoren, Medien und Entscheidungsträger, endlich mal beim HSV durchsetzen könnte. Da waren sich alle einig.
 
Dass ein Südkoreaner finanziell lukrativ sein würde, war schon vorher klar. Der Hamburger SV schloss nach seiner Verpflichtung Werbeverträge mit der südkoreanischen Reifenfirma »Kumho Tyres« und dem Solar-Unternehmen »Hanwha« ab. Die Deals versprachen Einnahmen von rund drei Millionen Euro.
 
Heung-min Son machte das Spiel gerne mit. Er war über die Jahre dauerpräsent. In Südkorea stieg er neben Manchester Uniteds Ji-sung Park schnell zum Star auf, der es im fernen Europa geschafft hatte. Heute werden sämtliche Spiele des HSV in seiner Heimat übertragen. In Hamburg schmückte sein Gesicht einmal wochenlang die Plakate einer Image-Kampagne des Klubs. In dieser Sommerpause nahm er mit dem Techno-Musiker H.P. Baxxter von »Scooter« den Torsong »Always Hamburg« auf. Son war überall.

Am Anfang gelang ihm fast alles: Er war die große Entdeckung des Sommers 2010, in fünf Testspielen gelangen ihm neun Tore. 1899 Hoffenheim, Bayer Leverkusen und ein paar Klubs aus England sollen angefragt haben. Dann kam das Freundschaftsspiel gegen den FC Chelsea. Son wurde in der 82. Minute eingewechselt, fünf Minuten später spielte er die Star-Defensive der Londoner schwindelig und schoss zum 2:1 ein. Es war sein erstes Tor im Volksparkstadion, knapp 45.000 Zuschauer waren gekommen. Einen solchen Treffer vergisst ein Spieler nie mehr. Doch kurz vor Abpfiff der Partie brach sich Son den Fuß. In der Kabine flossen Tränen.

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