Die unnötigsten Torjubel aller Zeiten

»Gib Küsschen, Saurier!«

Es hat schon unnötigere Torjubel als den Spiderman-Auftritt von Dortmunds Pierre-Emerick Aubameyang gegeben. Hier stellen wir sie vor.

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Man kann sich das nicht oft genug anschauen: Wie der Leverkusener Torwart Hans-Jörg Butt 2004 einen Elfmeter versenkt und sich danach so ausgiebig feiern lässt, dass selbst Schalkes Mike Hanke genügend Zeit finden konnte, um einen klaren Gedanken zu fassen. Hanke: »Ein bisschen musste ich schon grinsen, weil er fast jeden Mitspieler abklatschte und auch der Kurve zujubelte, ohne zu gucken, was hinter ihm passierte.« Der Stürmer, gar nicht dumm, erkannte die günstige Gelegenheit und holzte kurz nach Wiederanpfiff einfach mal drauf. Mit Erfolg. Die Bilder des Mitspieler herzenden und dem über ihn ins Tor fliegenden Ball verständnislos nachschauenden Butt gingen um die Welt. Fast noch herrlicher war nur des Keepers Erklärung im »Sportschau«: »Irgendwo bin ich da beim Zurücklaufen aufgehalten worden.«



Thierry Henry ist ohne Zweifel einer der größten Stürmer der vergangenen 15 Jahre. Es gab nur wenige Gegenspieler, die dem Superstar zu seinen Glanzzeiten gefährlich werden konnten. Einer davon war die Eckfahne. Gleich zweimal verletzte sich der Franzose bereits bei missglückten Jubelarien an der Außenlinie. Einmal stach sich der Stürmer beinahe ein Auge aus, weil er allzu frenetisch auf das Fähnchen eingehauen hatte. Ein anderes mal schaffte es Henry doch tatsächlich, sich so ernsthaft das Bein beim Tritt gegen die Fahne zu verletzen, dass er, von seinen Kollegen gestützt, den Platz verlassen musste.

Den »Dick & Doof-Gedächtnisaward in Gips« möchten wir in dieser Liste Shaun Goater verleihen, einem Stürmer von den Bermuda-Inseln, der viele Jahre im englischen Elitefußball auf Torjagd ging. 2003 verlieh Goater seiner Freude über ein Tor dahingehend Ausdruck, dass er eine Werbebande an der Seitenlinie Volley nahm.
Dumm nur #1: Er verletzte sich dabei und musste ausgewechselt werden.
Dumm nur #2: Es handelte sich um ein Tor von Manchester City-Kollege Nicolas Anelka.
Dumm nur #3: Fünf Jahre zuvor hatte sich Goater, ebenfalls beim Torjubel, den Arm gebrochen. Gelernt ist eben gelernt.

Die Liste mit den Jubel-Verletzungen könnten wir ewig fortführen. Erinnert sei nur an Celestine Babayaro, der sich bei einem seiner spektakulären Salti das Bein brach, oder auch Martin Palermo, dessen frenetischer Jubel die Menge zu solch einer Massenenergie motivierte, dass eine Mauer brach und dem Argentinier den Fuß schwer verletzte. Bülent Zeren und Halun Öztekin von der Universität Izmir haben dazu bereits Ende der Nuller eine Studie unter dem Titel »Score-Celebration Injuries Among Soccer Players« heraus. Fazit: Sechs Prozent aller Fußball-Verletzungen entstehen durch »vermeidbaren überschwänglichen Torjubel«. Wundert uns gar nicht.

Wagen wir einen kleinen Sprung zurück in eine Zeit, da Eckfahnen-Tänze oder durchchoreografierte Mannschaftsraupen vermutlich mit drei Jahren Zuchthaus bestraft worden wären. Als im Herbst 1981 die Münchener Paul Breitner und Wolfgang Dremmler ein Tor gegen Eintracht Braunschweig mit einer kurzen Knutscherei zelebrierten, fand das Eintracht-Coach Otto Knefler mehr als Banane: »Der Dremmler küsst doch im Überschwang sogar noch die Putzfrau.« Zeitgleich provozierte ein allzu enthemmt gefeiertes Tor von Manchester-United-Stürmer Garry Birtles ernsthafte Diskussionen unter englischen Funktionären. Zitat: »Sauerei! Es wird Zeit, dass die Küsserei und Knutscherei verboten wird.« Währenddessen berichtete der »Spiegel« erstaunt über die neue Zärtlichkeit aus der Bundesliga. Dort werde selbst »der riesige und keineswegs zu Umarmungen herausfordernde Mittelstürmer Horst Hrubesch« regelmäßig abgeknutscht. Erlauschtes Zitat eines Mitspielers nach einem erneuten Hrubesch-Treffer: »Gib Küsschen, Saurier!«

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