Die unglücklichsten Vereinswechel der Saison

»Verdammt, ich hätte dabei sein können!«

Der moderne Fußballer ist eine Ich-AG. Jeder Vertrag dient dazu, die nächste Stufe auf der Karriereleiter zu erklimmen. Doch wie in der freien Wirtschaft sind auch sie nicht vor Fehlentscheidungen gefeit. Lest hier, wer besser nicht gewechselt wäre. Die unglücklichsten Vereinswechel der Saisonimago

Die Bundesligasaison ist noch nicht ganz am Ende angekommen und doch lässt sich schon jetzt sagen: Diese Spielzeit hatte einige faustdicke Überraschungen zu bieten. Hannover spielt auf jeden Fall international. Borussia Dortmund holt mit einer Truppe aus Jünglingen die Meisterschale, während Stuttgart und Bremen lange Zeit um den Klassenerhalt kämpften. In diesem Wirrwarr aus Unvorhersehbarkeit muss der Profikicker seine Karriere planen. Beliebtes Mittel: Verbesserung durch Vereinswechsel. Dass dies gerne mal nach hinten los gehen kann, zeigt unsere Top 5 der unglücklichsten Vereinswechsel in dieser Saison.

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1.
Mohamadou Idrissou

Der wohl lustigste Fangesang in dieser Saison ging auf Kosten von Mohamadou
Idrissou. Als der Kameruner mit seinem neuen Klub Borussia Mönchengladbach bei seinem alten Verein in Freiburg zu Gast war, wurde ein Kübel des Spotts über dem Stürmer ausgegossen: »Idrissou spielt Champions League, auf PS3, die ganze Nacht, von zwölf bis acht«, schallte es durchs Stadion. Zur Erinnerung: Idrissou erzielte in zwei Spielzeiten für die Breisgauer 25 Tore, wollte aber nicht immerzu um den Klassenerhalt kämpfen und machte das auch seinen Mitspielern deutlich: »Ich habe keine Lust mehr, mit euch Absteigern zu spielen. Ich spiele nächstes Jahr in der Champions League«, sagte er und ging zu Borussia Mönchengladbach. Der SC Freiburg hatte diese Saison mit dem Abstieg schon früh nichts mehr am Hut, zwischenzeitlich schielte man sogar auf die internationalen Ränge. Und Idrissou vermisst spätestens seit Pappis Cissé eh keiner mehr. Möglich aber, dass Idrissou sein altes Freiburg vermisst.

2.
Demba Ba

Im Januar dieses Jahres bestimmte ein Thema die Sportseiten, das durchaus zur Grundsatzdiskussion gereicht hätte, wenn sich diese Fußballwelt nur nicht so verdammt schnell drehen würde. Gleich mehrere Spieler forcierten ihren Wechsel zu einem anderen Klub. Symptomatisch: der Fall Demba Ba. Unzufrieden mit der neuen Ausrichtung seines Arbeitgebers Hoffenheim, wollte Ba nicht mehr in Sinsheim spielen. Dass er noch Vertrag hatte, war in seinen Augen wohl eher nebensächlich. Vor der Saison wollte er zu Stuttgart, in der Winterpause kokettierte Ba offen mit einem Wechsel nach England und weigerte sich vehement das Wintertrainingslager mit Hoffenheim zu bestreiten. Nach einigem Hickhack landete Demba Ba nicht bei Stoke City sondern bei West Ham United. Während Hoffenheim die Saison als veritabler Mittelfeldverein abschließt, ist Demba Ba mit West Ham im Abstiegskampf. Drei Spieltage vor Schluss steht der Klub auf dem letzten Tabellenplatz.

3.
Patrick Helmes

Durch die fantastische Saison von Borussia Dortmund kann leicht übersehen werden, dass auch Bayer Leverkusen in dieser Spielzeit schönen und erfolgreichen Fußball gespielt hat. Nicht ganz so gut lief es indes für Patrick Helmes. Der hochveranlagte Stürmer fristete ein Dasein zwischen Startelf und harter Ersatzbank. Trotzdem erzielte er in der Hinrunde fünf Tore. Auch wenn Trainer Jupp Heynckes seinem Stürmer in der Winterpause riet, sich in Leverkusen durchzubeißen, wechselte Helmes – von der einen Werkself zur anderen. An seiner Situation hat sich nicht viel geändert: Noch immer pendelt er zwischen Startelf und Ersatzbank. Einziger Unterschied: Statt Druck auf den Tabellenführer Dortmund auszuüben, steckt Helmes mit dem VfL Wolfsburg knietief im Abstiegskampf. Während sich die Ex-Kollegen auf die Champions League freuen dürfen, schleppt Helmes nun Medizinbälle – mit Magath und dem Abstiegsgespenst im Nacken.

4.
Jermaine Jones

Dass es mitunter ratsamer sein kann, eine Sache auszusitzen, als sich in Aktionismus zu flüchten, dürfte Jermaine Jones in dieser Saison erfahren haben. Wie so viele auf Schalke hatte Jones so seine liebe Mühe mit dem Führungsstil von Felix Magath. Daher flüchtete Jones auf Leihbasis zu den Blackburn Rovers. Während Schalke erst in der Liga die Kurve kriegte, sich von Häuptling Magath trennte und das Halbfinale der Champions-League erreichte, plagen Jones und seinem neuen Klub gerade akute Abstiegssorgen. Daraufhin ließ Jones verlauten: »Wenn sie (die Schalker Mannschaftskameraden, Anm. d. Red.) mich anrufen und Sachen sagen wie ›Yeah, wir fliegen zu Inter Mailand, um dort Champions League zu spielen‹, dann denke ich schon: Verdammt, ich hätte da auch dabei sein können.« Zumindest konnte er die Spiele seiner Mannschaft unter der Woche live im Fernsehen anschauen.

5.
Nelson Valdez


Der Sturm-Irrwisch mit dem vollen Haupthaar hatte sich bei seinem Wechsel zum BVB selber Zentnerlasten auf die Schultern geladen. Für die 15 Tore, die er bei seinem Amstantritt in Dortmund für die erste Saison versprach, brauchte der Paraguayer ganze vier Spielzeiten. Und trotzdem honorierte die Südtribüne die stets aufopferungsvolle Spielweise von Valdez. Ein Stürmer, den man auch mal in der eigenen Hälfte bei einer Grätsche erwischt, hat in Dortmund per se gewonnen. Trotzdem war Valdez unzufrieden. Vor allem mit seiner neuen Position als hängende Spitze hinter Lucas Barrios. Ein Wechsel sollte her und so unterschrieb Valdez im Sommer 2010 bei Aufsteiger Hercules Alicante. Ihm gelang ein Einstand nach Maß: Im Alleingang schoss Valdez die Übermacht aus Barcelona aus dem Camp Nou. Was dann folgte war weniger erfolgreich: Die spanische Justiz ermittelte gegen Alicante. Der Klub soll seinen Aufstieg erkauft haben. Auch sportlich ging es nach diesem Sieg vom ersten Spieltag bergab: Alicante belegt den vorletzten Tabellenplatz, fünf Punkte Rückstand zum rettenden Ufer. Derweil spielte sich Valdez' alter Arbeitgeber mit großartigem Offensivfußball zur deutschen Meisterschaft.

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