Die Ultra-Karriere des HSV-Vorsängers Jojo Liebnau

Der Zaunkönig

Wie wird man eigentlich Ultra? Im Sommer 2011 besuchten wir den 29-jährigen Johannes Liebnau, der auf dem versuchten Marsch durch die Institutionen zum Vorsänger der HSV-Fankurve und Sprachrohr seiner Szene wurde. Die Ultra-Karriere des HSV-Vorsängers Jojo LiebnauKai Senf
Heft#117 08/2011
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Am kommenden Wochenende findet in Berlin der Fankongress 2012 statt. Der Grundgedanke lautet: »Wie schaut der Fußball in der Zukunft aus und welche Rolle spielen die Fans dabei?« Am Samstag und Sonntag wird es Podiumsdiskussionen und Workshops zu Themen wie 50+1, Pyrotechnik, Anstoßzeiten, Selbstbestimmung in der Kurve, Soziale Verantwortung, Eintrittspreise etc. geben. Diskussionsteilnehmer sind u.a. Martin Kind (Präsident von Hannover 96), Jonas Gabler (Autor von »Die Ultras«), Dirk Grosse (Sky Deutschland AG), Holger Hieronymus (Geschäftsführer DFL), Hendrik Große Lefert (Sicherheitsbeauftragter DFB) oder Kevin Miles (Football Supporters Federation). Weitere Infos findet ihr auf www.fankongress-2012.de.

Im Laufe dieser Woche lest hier auf 11freunde.de Interviews und Berichte zum Thema Fankultur. Den Anfang macht eine Reportage aus dem Sommer 2011. Damals fragten wir uns: Wie wird man eigentlich Ultra? Wir besuchten HSV-Capo Johannes Liebnau in Hamburg.


Irgendjemand behauptete einmal, Fußball sei the beautiful game, das schöne Spiel. In den frühen neunziger Jahren war Fußball in Hamburg vor allem eines: hässlich. Das Volksparkstadion sah aus, als hätte man es aus einer gottverlassenen sowjetischen Trabantenstadt herausgetrennt und diese graue Betonschüssel direkt neben der Müllverbrennungsanlage im Nordwesten Hamburgs wieder herabgelassen. Die HSV-Spieler hießen Matysik oder Bode, die Trainer Schock oder Reimann. Sie saßen auf einer Bank, die in eine enge Steinmulde eingelassen war und an deren Seite ein großes Loch klaffte. Ein Manager hatte das einst veranlasst, um die linke Spielfeldhälfte sehen zu können. Einige Fans glaubten, er habe den Beton vor Wut eingetreten. Wut auf Fußball. Wut auf dieses Stadion.

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Etliche HSV-Fans waren bereits zum FC St. Pauli abgewandert. Sie hatten genug von einer Klubführung, die kahlgeschorene Nazis im Stadion tolerierte, weil sie froh war, dass überhaupt mal mehr als 20.000 Zuschauer in den Volkspark kamen. Denn auch sportlich lief schon lange nichts mehr, Anfang der Neunziger belegte der HSV die Tabellenplätze 11 bis 13. Es gab in jenen Jahren keinen verdammten Grund, sich in diesen Klub zu verlieben. Johannes Liebnau tat es trotzdem.

»Rational kann man das alles nicht erklären«, sagt der heute 29-Jährige, »aber es war aufregend all das zu sehen, was ich bis dato nur aus dem Fernsehen und dem Radio kannte.« Johannes Liebnau, den sie alle nur Jojo nennen, sah sein erstes Spiel am 4. April 1992, einen 1:0-Sieg gegen Mönchengladbach. Der Vater hatte ihn in die Westkurve mitgenommen, Block A, weit weg von den langhaarigen Kanten mit ihren Kutten, die unaufhörlich ihre alten Sprechchöre anstimmten: »Wir stehen Schlange vor dem Stadion, es riecht nach Bier und Sieg und nach Sensation.« Auch wenn die Sensationen in diesen Jahren rar waren, drückte das etwas aus, was ihn bis heute an diesen Ort zieht: der besondere Geruch des Fußballs, der Geruch des Stadions.

»Repression macht uns nur noch stärker.«

Knapp 20 Jahre später stand Jojo Liebnau auf einem provisorischen Stahlträgerpodest am Berliner Alexanderplatz. Es war der 9. Oktober 2010, in der Stadt fand eine vereinsübergreifende Demonstration zum Erhalt der Fankultur statt. Die Fußballanhänger hatten Transparente mitgebracht, auf denen zu lesen war: »Als zahlender Kunde gerne gesehen, Mitbestimmung nicht genehm.« Am Abend berichtete sogar die Tagesschau darüber. Liebnau sprach auf der Abschlusskundgebung. Er kritisierte die DFL und die Kommerzialisierung des Fußballs, prangerte aber auch die Scheinheiligkeit des Satzes »Fußballfans sind keine Verbrecher« an. Schließlich hob Johannes Liebnau die Stimme, forderte die etwa 5000 Demonstranten auf, die Hände in die Luft zu heben und stimmte einen Schlachtruf an: »Repression macht uns nur noch stärker.« Aus tausenden Männerkehlen kam das Echo: »Repression macht uns nur noch stärker.« Es klang ein wenig wie ein Soldatengelöbnis, ziemlich gespenstisch.

In den Jahren zwischen dem ersten Stadionbesuch und der Demo in Berlin ist Jojo Liebnau einer der bekanntesten Fußballfans in Deutschland geworden. Er ist der Vorsänger der Fankurve in Hamburg. Mehrere tausend Anhänger fallen ein, wenn er die Sprechchöre per Megafon anstimmt. Viele HSV-Fans sehen in ihm auch ihr Sprachrohr, weil er mit seiner Gruppe Chosen Few die Interessen der Kurve bei den Vereinsoffiziellen vertritt. 2009 trat er sogar als Kandidat für die Wahl in den Aufsichtsrat an. Andere sagen, er sei wie ein Politiker, stets im Mittelpunkt, bisweilen zu radikal und zu extrem, zudem ständig auf der Suche nach Macht. Jojo Liebnau sagt: »Wieso ist es radikal, wenn ich steigende Eintrittspreise kritisiere? Wieso ist es extrem, wenn ich eine fehlende Identifikation mit der Mannschaft beklage?«

 

Liebnaus Geschichte ist eng verknüpft mit dem HSV Supporters Club, der 1993 gegründet wurde. Am Anfang ging es vor allem um die Koordination von Auswärtsfahrten und die Organisation bei Amateurspielen. Kleine Aufgaben, die bis dahin vom Verein ignoriert wurden, denn bis zur Gründung des Supporters Club waren die Fans gegenüber dem Verein Bittsteller. »Selbst an Fanbeauftragte war damals nicht zu denken. Eine Sekretärin des Vorstands beantwortete sporadisch Anfragen«, sagt Liebnau, der den Supportern 1996 beitrat.

Die Supporter bissen sich in den kommenden Jahren immer wieder an den verkrusteten Strukturen die Zähne aus. 1996 stellten sich etwa zwei Anhänger erstmals der Wahl zum Aufsichtsrat. Die älteren Mitglieder reagierten empört, denn sie sorgten sich, dass der Präsident Uwe Seeler abtreten würde, wenn im Kontrollgremium keine Duz-Kumpels, sondern vermeintlich subversive Fußballanhänger sitzen würden. Auch später, als Jojo Liebnau nach und nach mehr Verantwortung übernahm, schmetterte Präsident Werner Hackmann etliche Anliegen ab: »Wollen Sie mich verarschen? Ich habe andere Probleme!« Liebnau bezeichnet diese Jahre dennoch als die beste Schule, denn er lernte, Hierarchien aufzuweichen.

Auch die Chosen Few stellte sich verkrusteten Strukturen entgegen. Im Gegensatz zu vielen anderen Westkurvenfans entwickelte die Gruppe, die in der Tradition der frühen italienischen Ultra-Bewegung steht, einen antirassistischen Grundkonsens und bald auch ein vereinspolitisches Interesse. Die Chosen Few hatte sich 1999 aus einer Gruppe des Supporters Club gegründet, die Choreografien entwarf. Damals hatten die Veränderungen im Fußball Tempo aufgenommen. Der HSV bekam ein Stadion mit Sponsorennamen, die Eintrittspreise stiegen, und Hostessen stöckelten mit Sektflöten durch VIP-Logen. Die Nazis waren zwar verschwunden, doch so hatte das auch niemand gewollt.

Liebnau stieß Anfang 2001 zur Chosen Few und fing sofort Feuer, als ihm jemand eine Excel-Tabelle in die Hand drückte, die den Plan der neuen Nordtribüne zeigte. Er sollte eine Choreografie planen. Nächtelang klebten er und die anderen Mitglieder Silofolien, die normalerweise zum Abdecken von Heuballen verwendet werden, zur ersten Blockfahne zusammen. Die Idee einer verschworenen Gemeinschaft faszinierte Liebnau. Schon wenige Wochen nach seinem Beitritt schrieb er einen zornigen Leserbrief an die »Taz«, die sich in einem Spielbericht wieder einmal der alten Klischees der St. Pauli- (links) und HSV-Fans (rechts) bedient hatte. Sein erster Satz lautete: »Gnadenlose Frechheit!!!!!!!« Am nächsten Tag hielt seine Gemeinschaftskundelehrerin lächelnd die Zeitung in der Hand. Es war das erste Mal, dass Jojo Liebnau in den Medien Stellung bezogen hatte. Das fühlte sich gut an, und so ging es weiter.

Aufbruch und Pioniergeist

Erfolgreich demonstrierte die Gruppe zum Jahreswechsel 2001/02 gegen ein Alkoholverbot, mit der Kritik am Verkauf des Stadionnamens oder der Initiative »Pro 15:30« für einheitliche Anstoßzeiten stieß die Chosen Few allerdings auf taube Ohren. »Uns war immer klar, dass solche Proteste keine umgehende Neuorientierung der Vereine oder der DFL nach sich ziehen würden. Es ging darum, eine Sensibilisierung für Themen zu schaffen«, sagt Liebnau und klingt dabei ein bisschen wie ein Politiker, der von unten Dinge verändern will. Er steht stellvertretend für viele führende Ultras einer Fangeneration von Endzwanzigern. Sie streiten für ihre Sache, fühlen sich von den Mächtigen herausgefordert und lieben das Rampenlicht – und sei es nur das der Kurve. Dazu passen auch pathetische Sätze, die Aufbruch und Pioniergeist suggerieren. »Die Naivität, dass man etwas verändern kann, habe ich nie abgelegt«, sagt Liebnau.

Warum nicht auch die miese Stimmung im Fanblock, dachte er, als er 2001 in Freiburg zum ersten Mal auf dem Zaun stand. Die mitgereisten Fans streckten ihm die Mittelfinger entgegen. Entmutigen ließ er sich nicht. Bei einem Heimspiel gegen Frankfurt lief Liebnau hinter dem Auswärtsfanblock entlang und hörte, wie ein Mann in ein Megafon brüllte: »Jetzt zeigen wir den Hamburgern mal, was sie noch nie gehört haben.« Danach stimmte der Capo einen simplen Klatschrhythmus an, den zweitausend Eintracht-Anhänger mit solch einer epochalen Wucht beantworteten, dass es dem HSV-Kollegen den Rücken herunter lief. Genau das brauchen wir auch, dachte er.



Fortan stand Liebnau mit dem Rücken zum Spiel auf dem Zaun der Nordtribüne, das Megafon in der Hand. »Dass ich mich deswegen nicht für Fußball interessiere, ist totaler Quatsch«, sagt er. Und wie ist es, vor Tausenden zu stehen? »Das Gefühl würde ich nicht als ›erhaben‹ bezeichnen. Doch es ist schon geil.« Vor allem die Sekunden, wenn das Leuchten in den Augen der Fans immer heller wird, er sich kurz umdreht und sieht, wie ein HSV-Spieler trifft. Dann weiß er: Die Kurve explodiert und wird jeden seiner Songs mitsingen. In diesen Momenten wirkt er auf viele Fans wie ein Zaunkönig, wie ein Star. Gelegentlich wird er sogar nach Autogrammen gefragt, doch er wiegelt fast immer ab: »Ich bin doch ein Fan wie jeder andere.« Philipp Markhardt, der neben Liebnau und fünf weiteren der Chosen-Few-Führung angehört, zollt dem Vorsänger vor allem für seine Ausdauer Respekt. Markhardt hatte vor Jojo Liebnau einige Male vom Zaun aus den Block animiert. »Das war situationsbedingt. Ich wollte das irgendwann nicht mehr, ich wollte das Spiel sehen und mit den Jungs mein Bierchen trinken.« Johannes Liebnau trinkt kein Bier, er trinkt überhaupt keinen Alkohol.

Bald ließ er sich eine Tätowierung auf den rechten Oberarm stechen. »Hamburg« ist dort zu lesen, daneben das HSV-Wappen und ein Seemann, das Symbol für Freiheit und das Unterwegssein. Es begannen die Jahre auf Tour. Jojo Liebnau besuchte Spiele in Moldawien, Brunei oder auf den Färöer Inseln, er pflegte sein Groundhopperheftchen. Bis heute hat er Fußballspiele in 50 Ländern gesehen. Zugleich blieb er in all den Jahren auf dem Zaun, als die Ultrabewegung durch Fanzines wie »Matchlive«, die zahlreichen Internetforen und Youtube-Clips eine in Deutschland sichtbare und letztendlich auch leicht konsumierbare Subkultur wurde, an der sich die Generationen schieden. Früher, sagen die Altfans, musste man sich seinen Platz und seine Position im Block erkämpfen. Heute gehe man mit 13 Jahren zum ersten Mal ins Stadion, lerne zwei Wochen später die Chosen Few kennen und erzähle vier Wochen später den Kutten was von Traditionen. Andere sagen, wenn es Liebnau und die Chosen Few nicht geben würde, wäre überhaupt keine Stimmung mehr im Stadion.

Im Januar 2009, als der neue Aufsichtsrat des HSV gewählt werden sollte, gerieten Liebnau und seine Gruppe plötzlich in die Schlagzeilen. Der Capo war da beinahe 20 Jahre durch die Institutionen marschiert, Westkurve, Supporters Club, Chosen Few. Er hatte mit der Gruppe erfolgreich gegen die von Bernd Hoffmann angestrebte Ausgliederung der HSV-Profiabteilung in eine AG oder GmbH protestiert. Er war über all die Jahre Teil einer Art außerparlamentarischer Opposition gewesen. Doch nun, da er sich anschickte, Mitglied eines offiziellen Gremiums zu werden, sollte Schluss sein. Dass Liebnau wie kaum ein anderer der Kandidaten den Klub kennt, dass er aus einem gutbürgerlichen Pädagogenhaushalt stammt, BWL studiert hat, lange Zeit im Marketing einer Brauerei und heute im Management eines Internet-Startups arbeitete, dass er trotz aller manchmal überbordenden Emotionalität rational denken kann – all das war in diesen Tagen egal. Denn Johannes Liebnau hatte den Vorstandsvorsitzenden des HSV, Bernd Hoffmann, herausgefordert. So vermeldete es jedenfalls der Boulevard.

»Bild« zählte Jojos Schmähgesänge gegen Werder

Die Journalisten nannten ihn »Faneinpeitscher« und zeigten ihn am liebsten mit freiem Oberkörper. Ein Reporter von »Bild« kam bei einem Heimspiel gegen Werder Bremen in den Fanblock und zählte die Schmähgesänge, die er in 90 Minuten anstimmte. Am Ende des Artikels fragte er: »Was sagt eigentlich sein Arbeitgeber zum veröffentlichten ›Hobby‹ seines Mitarbeiters?« Ex-HSV-Präsident Wolfgang Klein bezeichnete die Chosen Few derweil als »Totengräber des HSV«. Bernd Hoffmann äußerte sich zu der Sache gar nicht. Dafür schenkte er dem »Bild«-Sportchef, so berichtete der »Spiegel«, eine Uhr im Wert von über 1000 Euro. Hanseatische Glückwünsche zum Dienstjubiläum.

In einem Interview mit 11FREUNDE sagte Jojo Liebnau einen Tag nach der Wahl: »Es hieß, wir wollten den Vorstandsvorsitzenden stürzen, was völliger Schwachsinn ist.« Andererseits verteilte die Gruppe Flyer mit dem Slogan »Change«. Liebnau hatte immer wieder betont, dass er sich nicht verbiegen lassen und auch als Aufsichtsrat Vorsänger bleiben wollte. Doch kann ein Marsch durch die Vereinsinstitutionen gelingen, wenn man Gesänge anstimmt, die in der Kurve zwar zum normalen Ton gehören, in den Logen allerdings die Sektflöten zerspringen lassen? »Vielleicht waren sie zu radikal«, sagt Ralf Bednarek, der heutige Chef der Supporters-Abteilung. »Vielleicht waren wir zu naiv«, sagt Markhardt.

Das Jahr 2009 hatte beschissen angefangen, es ging noch beschissener weiter. Im April und Mai spielte der HSV viermal gegen Werder Bremen, in der Bundesliga sowie im DFB-Pokal- und Europa-League-Halbfinale. Aus den Cups schied man aus, in der Liga setzte es eine 0:2-Pleite. »Das alles zusammen hat mich wirklich fertiggemacht«, sagt Liebnau. »Es war wie in einer Beziehung: Was einen einmal verletzt hat, lässt man nicht wieder so nah an sich ran.« Er ging zum ersten Mal auf Distanz zu seinem Klub, der weitere Trainer verschliss, sich wieder aus einem Europapokal-Halbfinale verabschiedete und bei der Suche nach einem Sportchef blamierte. Die Mannschaft mit dem teuersten Kader der Vereinsgeschichte verlor sogar das Derby gegen den FC St. Pauli. Es war höchste Zeit zu reden.

»Sind das wirklich alles Söldner? Sind wir die bösen Ultras?«

Nach dem darauffolgenden Spiel gegen Werder Bremen, bei dem die Chosen Few einen Stimmungsboykott durchführte, erhielt Jojo Liebnau einen Anruf von Frank Rost. Die Mannschaft hatte sich entschieden, auf die Fans zuzugehen. Man wollte sich treffen. Am nächsten Tag standen unter anderem Jojo Liebnau und Ralf Bednarek am verabredeten Treffpunkt. Dann öffnete sich eine Tür, Frank Rost schlappte in Adiletten auf sie zu und führte sie direkt in die Kabine, in die heiligen Hallen einer Fußballmannschaft. Dort sprachen sie sich aus, nur die Mannschaft und die Fans, keine Vereinsfunktionäre. Gerade Frank Rost hatte es der Chosen Few angetan, er hatte es über all die Jahre stets verstanden, die Klaviatur der Fanemotionen perfekt zu spielen. Manche nennen das populistisch. Liebnau findet das ehrlich. Er hat »größte Hochachtung« vor dem Torwart. Das Treffen war für ihn alleine schon deshalb wichtig, weil er in über 15 Jahren Fanaktivität kaum Kontakt zu den Spielern hatte. »Was in der Kabine besprochen wurde, bleibt weiterhin unter Verschluss«, sagt Liebnau. »Das Treffen hat jedenfalls beiden Seiten geholfen. Alleine um die grundsätzlichen Fragen zu klären: Sind das wirklich alles Söldner? Sind wir tatsächlich die bösen Ultras?«

Der neue Aufsichtsrat entschied wenige Wochen später, Bernd Hoffmanns auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern. Der Vorstandsvorsitzende packte noch vor Saisonende seine Koffer. Die Wogen glätteten sich, und das Band zwischen Mannschaft und Fans wurde wieder dicker. Beim Spiel gegen Hannover 96 im April dieses Jahres stand der gesperrte Änis Ben-Hatira auf Einladung der Fans mit im Block 22C. Er schrie, er pöbelte. Es fühlte sich ein wenig wie damals an, als dieser Geruch über dem Stadion lag. Wenn auch die Sensationen wieder einmal ausblieben.

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