Die Typologie einer Hobby-Fußballmannschaft

Mimosen, Streber, Hasenbabys

Man kennt das: Eigentlich will man mit den Kumpels nur ein bisschen bolzen, doch schon nach zehn Minuten stellt sich heraus, dass jeder auf dem Rasen seine Rolle einnehmen muss. Die Typologie einer Hobby-Fußballmannschaft

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Der Pfau
Kommt gerne direkt vom Friseurtermin auf den Bolzplatz und trägt seine blütenweiße Real-Madrid-Trainingsjacke spazieren. Seine geschwollene Brust bricht höchstens dann ein, wenn es ein Gegenspieler wagt, sich ihm auf einen Meter zu nähern. Lamentiert gerne minutenlang mit dem Schiedsrichter, der sich allerdings nach kurzer Zeit als betrunkener Fußgänger entpuppt. Läuft nach einer gelungenen Aktion in die nicht vorhandene Fankurve und hält sich im Stile von Hulk Hogan die Hand ans Ohr. Gibt in seiner Freizeit Tennistraining, riecht nach Davidoff »Cool Water« und träumt von einem Golf I Cabrio (weiß). Fährt aber Roller (braun).

Der Überschätzer
Bei ihm stehen purer Wille und fußballerische Fähigkeiten in einem ungesunden Verhältnis. Spielt vornehmlich in der Abwehr, interpretiert seine Rolle aber modern. Soll heißen: Er stürzt sich in waghalsige Dribblings gegen sechs Gegenspieler – natürlich im eigenen Fünfmeterraum. Sucht (zu) oft Sprintduelle mit 18-Jährigen und greift sich nach misslungenen Aktionen wahlweise entschuldigend an den Oberschenkel oder den seit Jahren fragilen Rücken. Also nach jeder Aktion.

Der Trainer
Ordnet seine Mitspieler grundsätzlich in der Viererkette an, vertraut auf die Abseitsfalle und fordert unaufhörlich One-Touch-Spiel und knallhartes Pressing im vorderen Spieldrittel. Steht selbst als fluide Doppelsechs im Zentrum des Geschehens und dirigiert die Mannschaft als ein Hybrid aus Pep Guardiola und Jürgen Klopp. Zeigt sich in der Spielpause enttäuscht von der Zweikampfhärte seiner Jungs und droht mit Straftraining. Dass mal wieder nur Fünf gegen Fünf gespielt wird, ist für ihn dabei nebensächlich.

Das Jahrhunderttalent
Soll in seiner Heimat angeblich mal Oberliga gespielt haben. Mindestens. Hat angeblich auch immer einen tödlichen Pass im Repertoire. Wow. Schafft es aber meist nicht mal zum Spiel, weil er gestern in der Kneipe versackt ist. Klar.

Die Fummelkutte
Wenn er den Ball hat, können alle anderen die Wochenendeinkäufe erledigen. Trennt sich so gerne vom Spielgerät wie ein Jagdhund von einem toten Kaninchen. Sein Warmmachen besteht vornehmlich aus einer unendlichen Aneinanderreihung von Übersteigern, Zidane- und/oder Okocha-Tricks. Rennt viel und gerne mit dem Ball. Leider meistens ins Aus.

Der Entschuldiger
Der mit Abstand nervigste Mitspieler. Weil er *sorry* sich *Tut mir leid* nach jedem *Kommt nicht wieder vor* Fehlpass *Oh, ich bin so doof* erst einmal *War mein Ding* stundenlang bei allen Anwesenden *Entschuldigung* entschuldigt. Ist im Verlauf *Ich bin so blöd* der Spielzeit irgendwann *Ich kann es einfach nicht* dermaßen *Ich sollte lieber Tennis spielen* von *Alles meine Schuld* Selbstzweifeln *Das war mein letztes Spiel* zerfressen, dass man ihn *Die Niederlage nehme ich auf meine Kappe* am liebsten einweisen würde. 

Der Streber
Läuft natürlich in der aktuellen Komplettausstattung seines Lieblingsspielers auf. Trikot, Hose, Stutzen, Schweißbänder und Schuhe kosten zusammen zwar ein halbes Monatsgehalt, verleihen ihm allerdings keinesfalls die Aura eines Superstars, sondern die eines Strebers. Setzen, Sechs!

Der Kommentator
Er ist ein verhinderter Heribert Faßbender mit dem Duktus eines Gerd Rubenbauer. Kommentiert vom misslungenen Einwurf bis zum kotenden Hund an der Seitenlinie alles dermaßen emotional, als sei er für das WM-Finale 2014 eingeteilt. Vergisst dabei allerdings oft, zu laufen und bekommt mindestens zwei Mal pro Spiel den Ball ins Gemächt. Dann ist wenigstens kurz Ruhe.

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