05.11.2013

Die traurige Geschichte eines niederländischen Dorfklubs

Lange Leere im Torfland

Seite 2/3: Das Rezept zur Rettung?
Text:
Tobias Müller
Bild:
Kees van de Veen

Diesmal hatte der Richter acht Tage als Berufungsfrist eingeräumt, und der soeben für tot erklärte Patient rappelte sich noch mal mächtig auf. Der Mann für solche Situationen heißt Henk de Haan, legendärer Abwehrspieler der Blütezeit in den Achtzigern, der nach dem Ende seiner Karriere als Fan weiter zur Langeleegte kam. Mit dem Rücken zur Wand blies »Henkie« zum letzten Gefecht. »Journalisten fragten mich: Wie konnte es so weit kommen? Ich sagte: Das ist überhaupt nicht wichtig, wir müssen nach vorne gucken.« Noch heute blitzt es in seinen Augen auf, wenn er über die Situation spricht. Damals glaubte er, das Rezept zur Rettung zu kennen: »Ich dachte: Crowdfunding!«

Am Nachmittag, als das Gericht den Bankrott des Klubs beschloss, nahm De Haan sich bei der Bank frei, wo er als Privatkundenberater arbeitet. Er gründete die Stiftung Red SC Veendam, deren Kontonummer er sich aufs Hemd drucken ließ. Dann rief er einen Journalisten an, zu dem er einen guten Draht hat, lud sich für den Abend in dessen TV-Show ein und organisierte einen Bus, der wenig später randvoll mit Veendam-Fans nach Amsterdam aufbrach. Außerdem nahm er Kontakt zu Red Bull Salzburg auf, wo der Niederländer Piet Hamberg als Scout arbeitet. Arjen Robbens Vater und Berater Hans, der aus der Region kommt, stellte eine Verbindung zu Adidas her.

SMS-Spendenaktion mit lokalem Radiosender

In der folgenden Woche tüftelten De Haan und seine Rettungscrew, bestehend aus dem Hauptsponsor »und Menschen, denen Veendam am Herzen liegt«, an ihrem Coup. Sie planten das Benefizkonzert, eine SMS-Spendenaktion mit einem lokalen Radiosender und warben um Überweisungen. »Wir begannen selbst daran zu glauben«, sagt er. Dann zog De Haan wieder ins Fernsehen. Der Zähler stand auf etwa 150 000 Euro. »Als der Moderator mich fragte, sagte ich, wir hätten 190 000. Etwas später kam er wieder: Henk, wie steht’s? 200 000, meinte ich. Das war vielleicht nicht schlau, aber sonst kommt ja keiner in die Gänge.«

Es reichte auch so nicht. Am Ende standen knapp 200 000 Euro, fast eine halbe Million zu wenig. Angelo Cijntje zuckt mit den Schultern. »Du kannst nicht hoffen, dass du jedes Mal aufs Neue davonkommst«, sagt der Rechtsverteidiger, der als letzter Kapitän des SC Veendam in die Geschichte eingegangen ist. Über zehn Jahre fegte er die Außenbahnen der zweiten Liga entlang und hatte das Ende kommen sehen. »Schon im Dezember hieß es, das Geld sei knapp, erst recht im Januar. Es dauerte immer länger, bis die Gehälter kamen. Dann weißt du, wie spät es ist.«

 
 
 
 
 
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