Die totale Ahnungslosigkeit: Fernsehliebling Chris Kamara

Mr. Unbelievable

Chris Kamara ist einer der populärsten Sportreporter der Welt. Durch eine Pannenserie und seine emotionalen Ausbrüche wurde er zu Englands »Mr. Unbelievable«. In seinem Repertoire: kämpfende Biber, ein japanischer Akzent und die totale Ahnungslosigkeit.

Mal angenommen, ein Sportreporter meldet sich bei einer Liveschalte mit den Worten: »Ich weiß echt nicht, was passiert ist.« Für gewöhnlich kann er sich in diesem Fall bei der nächsten Zeitungslektüre mehr auf den Stellenmarkt als auf den Sportteil konzentrieren. Oder dieser Sportreporter heißt Chris Kamara und wird zur Legende.

Der Mann mit dem feinen Schnäuzer atmet am Tresen eines Londoner Pubs unweit der Sky-Studios einige Biere ein. Drei TV-Shows in zwei Tagen liegen hinter ihm. Die Gäste der Sendung »Goals on Sunday«, zwei Profis aus erster und zweiter Liga, trinken munter mit. Der Kapitän eines Zweitligisten erzählt freimütig von seinen Vertragsdetails und wie er einst einen Schiedsrichter im Urlaub auf Marbella in den Schwitzkasten nahm. »Ich habe das Vertrauen der Spieler, weil sie wissen, dass ich verschwiegen bin«, sagt Kamara.

Vor allem aber genießt er Kultstatus auf der Insel. Zum einen verdiente er sich in seinen 22 Jahren als Profi, unter anderem für Leeds und Stoke, als harter Mittelfeldspieler den Respekt der Branche. Zum anderen gilt er als besessener Fußballfachmann, der selbst in seinem Bad einen Fernseher aufstellte, um nichts vom Spiel zu verpassen. Er ist der einzige Reporter, der mit den Trainern vor den Spielen deren Aufstellung durchspricht. »Gestern saß ich mit Harry Redknapp eine halbe Stunde zusammen.« Außerdem trägt es den Lionel-Richie-Wiedergänger jedes Mal davon, wenn er Spiele der Premier League kommentiert. Wunderschöne Tore aus dem Nichts, sagt er, »unfreeze my nuts«, was kindergerecht mit »wecken bei mir Frühlingsgefühle« übersetzt werden kann. »Ich bin schnell in Ekstase, auch wenn Ihnen meine Frau sagen wird, dass das letzte Mal lange her ist.«

Kamaras Ekstase in Fußballstadien ist jedoch nicht selten blanke Comedy, seine Paraderolle spielt er in der englischen TV-Sendung »Soccer Saturday«. Darin meldet er sich live aus den Stadien, steht allerdings mit dem Rücken zum Fanblock und blickt auf einen Monitor. Livebilder vom Spiel sieht der Zuschauer nicht, er muss sich also auf die »Kamara-Cam« verlassen. Und das kann zum Problem werden.

Im April 2010 etwa rief ihn Jeff Stelling, der Moderator der Sendung. »Wir schalten zum Fratton Park, wo es eine Rote Karte gegeben hat. Aber für wen, Chris Kamara?« Der Mann mit dem Minipli unter den großen Kopfhörern drehte sich ins Bild und antwortete: »Keine Ahnung, Jeff. Gab es die?« Kamara wendete mehrmals den Kopf zum Spielfeld, im Studio prusteten sie los. Stelling insistierte: »Chris, was ist passiert?« Ein Lächeln wusch den perplexen Ausdruck aus Kamaras Gesicht: »Jeff, ich habe keine Ahnung.« Im Studio brach das Gelächter vollends los.

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